Kritik an der Klimafreundlichkeit der EU-Agrarpolitik
Ein aktuelles Gutachten, das der NABU beim Institute for European Environmental Policy in Auftrag gegeben hat, kritisiert den Klimaschutz-Anteil im Vorschlag zur künftigen EU-Agrarpolitik. Demnach sei der tatsächliche Klimaschutz geringer als von der EU-Kommission dargestellt.
Die Kommission deklariert dem Gutachten zufolge Direktzahlungen, die größtenteils ohne Umweltauflagen erfolgen, als klimafreundlich. Diese sollen zu 40 Prozent zum Klimaschutz beitragen. Die Gutachter bemängeln jedoch, dass Nachweise für diesen Klimabeitrag fehlen.
Die letzten Dürresommer waren uns allen, Landwirten, Politik und Verbrauchern, eine Warnung: Die Klimakrise braucht jetzt entschlossenes Handeln. Die EU muss jetzt die Chance ergreifen, die Landwirtschaft klimafreundlicher zu gestalten. Wenn die Kommission ihre jetzigen Agrarpläne jedoch als klimafreundlich deklariert, ist das Etikettenschwindel.
Die EU-Kommission plant, dass künftig 25 Prozent des EU-Haushalts zum Klimaschutz beitragen sollen. Der NABU empfiehlt angesichts der Erderhitzung einen Anteil von 40 Prozent.
Es ist wichtig, dass sich die EU zum Klimaschutz bekennt – aber sie muss dafür auch die Inhalte liefern. Und das ist in der Agrarpolitik bislang nicht der Fall.
Die Gutachter kritisieren zudem, dass die EU eine Verdoppelung des Klimaschutzbeitrags auf Wiesen und Feldern im Vergleich zur aktuellen Förderperiode vorsieht. Diese Steigerung sei nicht nachvollziehbar, da entsprechende Maßnahmen zur Rechtfertigung fehlen. Bereits der vorgebliche Klimaschutz-Anteil der jetzigen Agrarpolitik von 20 Prozent wurde vom Europäischen Rechnungshof als zu hoch eingestuft.
Der NABU fordert die Staats- und Regierungschefs auf, sich bei ihrem Haushaltsgipfel am 20. Februar für eine klimaschonendere Agrarpolitik einzusetzen.
Wie die EU-Agrarpolitik künftig aussieht, entscheidet ganz wesentlich darüber, ob der Green Deal gelingt.
Die Staatschefs sollten die Agrarminister auffordern, den Vorschlag für die Agrarpolitik zu überarbeiten.
