Hohe Wildbestände als Herausforderung für den Wald
Überhöhte Bestände an Reh- und Rotwild verursachen nicht nur wirtschaftliche Schäden für Waldbesitzer, sondern beeinträchtigen auch die biologische Vielfalt im Wald. Hohe Wilddichten führen dazu, dass junge Laubbäume und Tannen stark verbissen werden, was eine Entmischung und Verarmung der Pflanzengesellschaften zur Folge hat. Um eine natürliche Verjüngung und eine naturnahe Bewirtschaftung stabiler Wälder zu ermöglichen, ist eine Anpassung und vielerorts eine Reduzierung der Schalenwilddichten erforderlich.
Die Bundeswaldinventur von 2014 zeigte, dass ein Drittel aller jungen Laubbäume verbissen ist.
Eine solche Größenordnung gefährdet nicht nur die biologische Vielfalt und den ökonomischen Wert unserer Wälder, sondern beeinträchtigt vielfach auch deren Funktion als Schutzwald, Wasser- oder Kohlenstoffspeicher. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Gerade mit Blick auf den Klimawandel sind die Erhaltung und der flächenmäßige Ausbau naturnaher Wälder sehr wichtig.
Dies betonte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des BfN.
Projektdurchführung und konkrete Ziele zur Wildregulierung
Das auf sechs Jahre angelegte Projekt wird von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Deutschland koordiniert. Verbundpartner sind die Georg-August-Universität Göttingen, die Technische Universität Dresden und die Technische Universität München. Geplant ist unter anderem die Einrichtung von Weiserzäunen auf ausgewählten Flächen. Diese sollen den Vergleich zwischen eingezäunten und nicht eingezäunten Bereichen ermöglichen, um den Einfluss des Wildes auf die Vegetation zu verdeutlichen. Zusätzlich sollen moderne Jagdstrategien entwickelt und erprobt werden.
Das Wildtiermanagement wird an den Biodiversitätszielen ausgerichtet und soll prüfen, inwieweit es mit den ökonomischen Zielen der Waldnutzung vereinbar ist. Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung eines modernen Jagdrechts, das sowohl der Wildbiologie als auch der ökologischen Integrität der Wälder dient.
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt im Überblick
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Es fördert Vorhaben, die für die NBS von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung sind oder die Strategie beispielhaft umsetzen. Die geförderten Maßnahmen sollen den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland stoppen und langfristig umkehren. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über gesetzliche Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen in Information und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.
