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Erntebericht 2023: Klimawandel fordert Landwirtschaft heraus

Der aktuelle Erntebericht 2023 zeigt, dass die deutsche Landwirtschaft durch die Klimakrise und extreme Wetterbedingungen vor große Herausforderungen gestellt wird. Trotz regionaler Schwankungen sind die Speicher insgesamt gut gefüllt, doch die Notwendigkeit einer klimafesten Landwirtschaft wird immer deutlicher.

Herausforderungen und Ergebnisse der Ernte 2023

Die deutsche Landwirtschaft steht zunehmend vor Herausforderungen durch die Klimakrise. Dies belegt das erste vorläufige Ergebnis des amtlichen Ernteberichts 2023, das Bundesminister Cem Özdemir vorgestellt hat. Die teils extremen Witterungsbedingungen des vergangenen Jahres führten regional zu erheblichen Schwankungen bei den Ernteerträgen.

Nach einem regenreichen Herbst 2022 folgte ein milder Winter. Der Frühling 2023 begann nass und endete trocken, gefolgt von einem sehr trockenen und anschließend wieder sehr regnerischen Sommer. Diese Wetterkapriolen stellten die Landwirte vor große Aufgaben.

Mein großer Dank gilt unseren Landwirtinnen und Landwirten, die in den letzten Wochen Großes geleistet haben. Sie haben dafür gesorgt, dass die Speicher in Deutschland insgesamt gut gefüllt sind, obwohl sie je nach Region und Anbaukultur mit teils enormen wetterbedingten Herausforderungen zu kämpfen hatten. Alles in allem können wir zufrieden sein mit der Ernte.

Özdemir betonte, dass die Landwirtschaft zwar seit jeher mit Wetterschwankungen umgehen könne, das "neue Normal" jedoch Extremwetterereignisse als Folge der Klimakrise mit sich bringe. Langanhaltende Hitzeperioden und Dürren sowie heftige Unwetter mit Starkregen, Hagel und Stürmen machten die Ernten zunehmend ungewiss. Dies stelle Betriebe vor Probleme und könne sich künftig auf die Märkte auswirken.

Der Minister hob hervor, dass die Klimakrise Realität sei und die deutsche Landwirtschaft dies längst wisse. Er forderte, die Landwirtschaft gemeinsam klimafest zu machen, um auch in Zukunft sichere Ernten zu gewährleisten. Investitionen in eine klimafeste Landwirtschaft machten unabhängiger von volatilen Weltmärkten und seien sinnvoller sowie günstiger als die Behebung von Schäden.

Ein Hauptaugenmerk der amtlichen Ernteerhebung liegt auf Getreide und Raps. Die Getreideernte (ohne Körnermais) lag 2023 mit erwarteten 38 Millionen Tonnen leicht unter dem Vorjahreswert (-4 Prozent) und dem Fünfjahresmittelwert (-2,1 Prozent). Einschließlich Körnermais belief sich die Erntemenge auf 42,2 Millionen Tonnen. Regional starke Niederschläge zur Erntezeit beeinträchtigten insbesondere die Qualität des Weizens.

Der Rapsanbau wurde ausgeweitet, mit einem Flächenplus von 7,8 Prozent. Die vorläufige Ernteermittlung ergab mit fast 4,2 Millionen Tonnen ein zufriedenstellendes Ergebnis. Auch die Qualität des Rapses hinsichtlich der Ölgehalte zeigte sich erfreulich.

Die Auswirkungen des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine beeinflussen weiterhin die globalen Ernährungssysteme. Obwohl sich die Preise für Agrarprodukte durch internationale Anstrengungen normalisiert haben, blieben die Kosten für Betriebsmittel wie Diesel, Dünger und Pflanzenschutzmittel über dem Vorkriegsniveau. Dies muss bei der Bewertung der aktuellen Erzeugerpreise berücksichtigt werden, die vielfach unter denen des Rekordjahres 2022 lagen, im längeren Trend aber durchschnittlich waren. Die höheren Kosten entlang der Wertschöpfungskette führten zu einer Verteuerung der Lebensmittel für Verbraucher.

Özdemir betonte, dass Lebensmittelpreise ein Inflationstreiber blieben, insbesondere dort, wo Produktionskosten durch teure Energie oder Betriebsmittel hoch seien. Die Landwirtschaft werde dabei unterstützt, sich unabhängiger von synthetischem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln zu machen. Eine Agrarförderung, die das Schützen und Nutzen in den Fokus rücke, sei dabei zentral. Auch eine bessere Tierhaltung und ein nachhaltiger Pflanzenschutz müssten sich für die Betriebe auszahlen.

Detaillierte Ernteergebnisse 2023 im Überblick

Das erste vorläufige Ernteergebnis berücksichtigt noch nicht alle witterungsbedingten Einflüsse des Sommers 2023, da ein nennenswerter Anteil der Probeschnitte vor der langanhaltenden Regenperiode vorgenommen wurde. Auch liegen, abgesehen von der Wintergerste, noch vergleichsweise wenige Druschergebnisse vor. Daher sind beim zweiten vorläufigen und beim endgültigen Ergebnis größere Abweichungen zu erwarten.

  • Getreide: Die gesamte Getreideernte (ohne Körnermais) wird voraussichtlich rund 38 Millionen Tonnen betragen, was einem Rückgang von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 2,1 Prozent gegenüber dem sechsjährigen Durchschnitt entspricht. Nur in Nordrhein-Westfalen (+7,8 Prozent), Sachsen-Anhalt (+1,8 Prozent) und Sachsen (+1,1 Prozent) wurde der mehrjährige Vergleich übertroffen. Die stärksten Rückgänge verzeichneten das Saarland (-9,9 Prozent), Brandenburg (-9,6 Prozent) und Hessen (-7,9 Prozent).
  • Winterweizen: Als wichtigste Getreidekultur in Deutschland (46 Prozent der gesamten Getreidefläche) verringerte sich die Anbaufläche leicht um 2,7 Prozent auf 2,81 Millionen Hektar. Der Hektarertrag lag mit 73,9 Dezitonnen um 3,4 Prozent unter dem Vorjahr. Die Erntemenge an Winterweizen wird voraussichtlich 20,8 Millionen Tonnen erreichen, ein Rückgang um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 5,2 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt.
  • Raps: Die Winterrapsernte 2023 wird mit voraussichtlich fast 4,2 Millionen Tonnen als zufriedenstellend eingeschätzt. Dies bedeutet einen Mengenrückgang von drei Prozent gegenüber dem sehr guten Vorjahr, aber eine Steigerung von 13 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2022.
  • Eiweißpflanzen: Die Anbaufläche für Eiweißpflanzen blieb stabil auf hohem Niveau. Die Felderbse ist weiterhin die dominierende Körnerleguminose in Deutschland, trotz des ausgeweiteten Sojabohnenanbaus. Die vorläufigen Anbauzahlen für 2023 belaufen sich auf rund 117.200 Hektar, eine Ausweitung von knapp 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es folgen Ackerbohnen mit rund 60.000 Hektar und Süßlupinen mit rund 25.500 Hektar. Belastbare Schätzungen zu den aktuellen Ernteerträgen bei Hülsenfrüchten liegen noch nicht vor, es wird jedoch davon ausgegangen, dass das nasse und kalte Frühjahr, die langen Trockenphasen im Frühsommer sowie der kalte, nasse Juli die Ertragsaussichten geschmälert haben.

28.08.2023

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