Ordnung im Garten gilt für viele als Ausdruck von Pflege, Struktur und Wertigkeit. Mehr als die Hälfte der deutschen Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer stimmt dieser Aussage zu. Doch was genau unter „Ordnung“ verstanden wird, wo ihre Grenzen liegen und wie sie sich mit dem wachsenden Bewusstsein für Biodiversität vereinbaren lässt, zeigt das aktuelle STIHL Garten-Barometer 2025.
Die repräsentative Befragung von 1.000 Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern im Alter von 20 bis 70 Jahren in Deutschland liefert differenzierte Einblicke in Einstellungen, Gewohnheiten und Zielkonflikte rund um Ordnung, Technik und Naturnähe im Privatgarten – mit klaren Implikationen für Planung, Pflege und Beratung im Garten- und Landschaftsbau.
Ordnung ja – aber bitte mit Maß
Für 52 Prozent der Befragten ist Ordnung im Garten wichtig oder sehr wichtig. Besonders ausgeprägt ist dieses Bedürfnis bei den 30- bis 39-Jährigen: In dieser Altersgruppe legen 65 Prozent Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Mit zunehmendem Alter nimmt der Wunsch nach Ordnung dagegen tendenziell ab.
Interessant ist dabei, was Gartenbesitzer konkret mit „Ordnung“ verbinden. An erster Stelle stehen funktionale und nutzungsbezogene Aspekte:
- gemähter Rasen (71 %),
- aufgeräumte Terrasse (68 %),
- Entfernen verblühter Pflanzen (67 %),
- Laub aufsammeln (63 %).
Deutlich weniger Bedeutung haben gestalterische Details wie akkurat geschnittene Hecken (34 %) oder saubere Rasenkanten und Beeteinfassungen (29 %). Ordnung wird also weniger als formale Perfektion verstanden, sondern primär als Sauberkeit und Nutzbarkeit.
Der Vorgarten verliert an Bedeutung
Entgegen der lange vorherrschenden Annahme, der Vorgarten sei die „Visitenkarte des Hauses“, messen nur noch 16 Prozent der Befragten diesem Bereich besondere Bedeutung in puncto Ordnung bei. Deutlich wichtiger sind Terrasse (42 %) und Rasenflächen (27 %). Auch Hecken spielen mit 11 Prozent nur eine untergeordnete Rolle.
Für den GaLaBau bedeutet das: Der Fokus vieler Privatkunden verschiebt sich weg von repräsentativer Außenwirkung hin zu Aufenthaltsqualität und Alltagstauglichkeit im Garteninneren – insbesondere in Familiengärten.
Pflegeaufwand und Technik: Ordnung braucht Geräte
Ordnung entsteht nicht von selbst. Rund 64 Prozent der Befragten kümmern sich mindestens einmal pro Woche um Aufräum- und Pflegearbeiten im Garten, weitere 30 Prozent ein- bis zweimal im Monat. Entsprechend hoch ist der Einsatz motorbetriebener Gartentechnik: 94 Prozent nutzen mindestens ein entsprechendes Gerät.
Am häufigsten im Einsatz sind:
- Rasenmäher (85 %),
- Heckenscheren (64 %),
- Freischneider (35 %).
Auf der Wunschliste stehen vor allem Arbeitserleichterungen: 27 Prozent wünschen sich einen Mähroboter, 18 Prozent einen Hochdruckreiniger, 15 Prozent einen neuen Rasenmäher. Die fachgerechte Lagerung ist für die Mehrheit selbstverständlich: 81 Prozent bewahren ihre Geräte in Garage, Werkstatt oder Schuppen auf.
Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Obwohl Ordnung für viele wichtig ist, sind fast ebenso viele mit dem Zustand ihres Gartens unzufrieden. 48 Prozent wünschen sich mehr Ordnung – bei den 30- bis 39-Jährigen sogar 64 Prozent. Haupthemmnis ist dabei klar die fehlende Zeit: 59 Prozent nennen sie als zentralen Faktor, bei den 40- bis 49-Jährigen sogar 67 Prozent.
Ein weiterer, altersabhängiger Aspekt ist die Motivation. Während insgesamt 11 Prozent schlicht „keine Lust“ auf Ordnung haben, steigt dieser Anteil bei den 60- bis 70-Jährigen auf 23 Prozent. Für den GaLaBau unterstreicht dies die Relevanz von Pflegekonzepten, Automatisierung und wartungsarmen Gestaltungen.
Ordnung oder Wildnis? Ein Patt
Auf einer Skala von „aufgeräumt und ordentlich“ bis „wild und naturbelassen“ ergibt sich nahezu ein Gleichstand: 51 Prozent empfinden ihren Garten eher als ordentlich, 49 Prozent eher als naturnah. Extreme sind selten: Nur gut 9 Prozent sehen ihren Garten als vollständig ordentlich, lediglich 5 Prozent als komplett wild.
Diese Ergebnisse spiegeln den Zielkonflikt wider, in dem sich viele Gartenbesitzer befinden – und der professionelle Beratung besonders wertvoll macht.
Naturschutz gewinnt an Bedeutung – besonders im Alter
Das Bewusstsein für Biodiversität ist deutlich ausgeprägt. Gut 22 Prozent verzichten bereits bewusst auf etwas Ordnung zugunsten von Umwelt und Artenvielfalt, weitere 56 Prozent wären dazu bereit. Insgesamt fördern 55 Prozent die biologische Vielfalt aktiv in ihrem Garten, weitere 31 Prozent können sich entsprechende Maßnahmen vorstellen.
Mit zunehmendem Alter steigt die Umsetzungsquote deutlich: von 45 Prozent bei den 20- bis 29-Jährigen auf 62 Prozent bei den über 50-Jährigen. Nur 14 Prozent lehnen Maßnahmen zum Artenschutz grundsätzlich ab.
Zu den häufigsten Aktivitäten zählen:
- Wassertränken für Tiere (70 %),
- Futterhäuschen (64 %),
- heimische Pflanzen (63 %),
- später Rückschnitt von Stauden (59 %),
- Nistkästen (50 %).
Rasenpflege zwischen Ästhetik und Ökologie
Besonders deutlich wird der Spagat zwischen Ordnung und Naturnähe beim Rasen. 41 Prozent bevorzugen einen klassisch gepflegten, „englischen“ Rasen, während 42 Prozent gezielt auf Blumenwiesen setzen. Rund ein Viertel beteiligt sich an der Aktion „No Mow May“, obwohl 63 Prozent diese Initiative bislang nicht kennen.
Die Korrelation ist eindeutig: Wer großen Wert auf Ordnung legt, achtet stärker auf einen regelmäßig gemähten Rasen. Wer Ordnung weniger priorisiert, entscheidet sich häufiger für insekten- und artenfreundliche Alternativen.
Fazit für den GaLaBau
Das STIHL Garten-Barometer zeigt: Ordnung im Garten bleibt wichtig, wird jedoch neu interpretiert. Funktionalität, Zeitersparnis und ökologische Verantwortung gewinnen gegenüber formaler Strenge an Gewicht. Alter, Lebensphase und Gartentyp – Vor- oder Familiengarten – sind entscheidende Einflussfaktoren.
Für den Garten- und Landschaftsbau ergeben sich daraus klare Handlungsfelder: Beratung, die Ordnung und Biodiversität nicht als Gegensätze, sondern als gestaltbare Balance versteht, trifft den Nerv der Zeit. Effiziente Pflegekonzepte, naturnahe Gestaltung und intelligente Technik sind dabei zentrale Bausteine.
