Klimaschutz durch Moor-Wiedervernässung: Herausforderungen und Potenziale
Die Wiedervernässung von Moorböden kann einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Trockengelegte deutsche Moorböden emittieren jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, was rund 7,5 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen entspricht.
Nur wenn wir unsere Moorböden anders nutzen, können wir unsere Klimaschutzziele erreichen. Wichtig ist, dass wir die Paludikultur, bei der wir Moore wieder verstärkt vernässen, und so Klimagase vermeiden, viel stärker in der Fläche nutzen.
Für die Reduzierung der Emissionen ist ein hoher Wasserstand im Moor erforderlich, um die Freisetzung von im Torf gebundenem Kohlenstoff als CO₂ zu verhindern. Ein solcher Wasserstand schließt jedoch die herkömmliche landwirtschaftliche Nutzung aus. Alternativ können Pflanzen wie Schilf, Torfmoos und Erlen angebaut werden.
In Deutschland sind über 92 Prozent der Moorflächen trockengelegt, wovon fast drei Viertel landwirtschaftlich genutzt werden, beispielsweise als Acker oder Weide. Obwohl diese Flächen nur sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche ausmachen, sind sie für etwa 37 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortlich. Eine Wiedervernässung könnte diese Emissionen deutlich reduzieren.
Die Umsetzung der Wiedervernässung ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Dazu gehören die Sicherstellung einer ausreichenden Wasserverfügbarkeit sowie mögliche Konflikte mit bestehenden Infrastrukturen wie Gebäuden oder Straßen. Zudem befinden sich die meisten Moorböden in Privatbesitz und werden wirtschaftlich genutzt.
Auf wiedervernässten Flächen ist der Anbau von Kartoffeln, Getreide oder Mais nicht mehr möglich, ebenso wenig die Weidehaltung von Kühen bei einem optimalen Wasserstand. Dies stellt jedoch keine Gefahr für die Ernährungssicherheit dar, da Moorböden nur einen geringen Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen. Ein deutlich größerer Anteil der Ackerfläche wird derzeit für den Anbau von Bioenergiepflanzen wie Mais und Raps genutzt.
Paludikultur als wirtschaftliche Alternative zur Moornutzung
Die Wiedervernässung stellt einen tiefgreifenden Eingriff für Eigentümer und Landbewirtschafter dar. Die Nationale Moorschutzstrategie der Bundesregierung sieht eine freiwillige Umsetzung vor, weshalb Anreize für die Wiedervernässung, insbesondere landwirtschaftlich genutzter Moorböden, notwendig sind.
Ein solcher Anreiz ist die Möglichkeit, wiedervernässte Flächen durch Paludikultur weiterhin wirtschaftlich zu nutzen. Diese klimafreundliche Folgenutzung ist im Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz und in der Nationalen Moorschutzstrategie vorgesehen. Bei der Paludikultur werden Moorökosysteme wiederhergestellt, wobei im Gegensatz zur reinen Renaturierung eine wirtschaftliche Nutzung möglich ist. Die finanzielle Förderung der Paludikultur kann daher ein Anreiz für Betroffene sein, landwirtschaftlich genutzte Flächen wiederzuvernässen.
Im Rahmen der Paludikultur können beispielsweise Schilf, Rohrkolben und Seggen angebaut werden, deren Biomasse zur Herstellung von Dämm- und anderen Baustoffen dient. Schwarzerlen lassen sich forstwirtschaftlich kultivieren. Auch die Beweidung mit Wasserbüffeln ist auf wiedervernässten Flächen denkbar.
Studie zu Potenzialen und Hemmnissen der Paludikultur
Eine vom Umweltbundesamt (UBA) begleitete Studie von DUENE e.V. analysiert die Potenziale und Hemmnisse der Paludikultur. Sie untersucht die Kosten einer Wiedervernässung und Umstellung auf Paludikultur und schlägt Lösungsansätze vor. Dazu gehören Aus- und Weiterbildungsangebote, der Aufbau von Lieferketten für Produkte aus Paludikultur sowie finanzielle Anreizinstrumente zur Förderung der Umstellung. Die Studie zeigt, dass unter den aktuellen Rechts- und Förderrahmenbedingungen hohe finanzielle Anreize erforderlich sind, damit Betroffene landwirtschaftlich genutzte Moorböden freiwillig wiedervernässen.
