Vorteile schmalerer Fahrgestelle für spezielle Einsatzbereiche
Die neu entwickelten Fahrgestelle sind für Einsätze unter beengten Platzverhältnissen konzipiert. Die maximale Chassisbreite wird um mindestens 20 cm auf bis zu 2,35 m reduziert. Dies ermöglicht den Betrieb von Fahrzeugen mit Aufbauten in Umgebungen, die eine eingeschränkte Durchfahrtsbreite aufweisen.
Anwendungsgebiete finden sich beispielsweise auf schmalen Straßen in bergigen Regionen, wie sie im Tessin oder Engadin in der Schweiz vorkommen. Auch im schweren Verteilerverkehr, insbesondere in engen Innenstädten und Dörfern mit schmalen Gassen oder bei Einfahrten und Stadttoren mit begrenzter Breite, sind diese Fahrgestelle geeignet. Sie stellen zudem eine Lösung für kommunale Entsorgungs- und Reinigungsunternehmen, Feuerwehren und Zweiwegefahrzeuge dar, die sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene eingesetzt werden. Ein weiteres Einsatzfeld ist der Spezialtransport von sperrigen Gütern, deren Dimensionen die zulässige Gesamtfahrzeugbreite von 2,55 m überschreiten würden, wie beispielsweise bei Glastransporten.
Detaillierte technische Umsetzung der Breitenreduzierung
Bei den umgebauten Fahrgestellen wird die Breite an der Vorderachse auf 2376 mm und an der Hinterachse auf 2334 mm verringert. An der Vorderachse kommt ein von Paul Nutzfahrzeuge entwickelter Achskörper mit einer Reduzierung von 110 mm zum Einsatz. Dieser wird ergänzt durch Paul-Sonderfelgen der Dimension R1R 22,5x9,0 und Reifen des Typs 315/80 R 22,5.
An der Hypoid-Hinterachse wird das innere Rad weiter nach innen versetzt und mit einer Bereifung 11R22,5 sowie R1N-Felgen der Größe 22,5x7,50 ausgestattet. Die Anbauteile des Fahrerhauses werden ebenfalls verschmälert, um eine Gesamtbreite von 2350 mm nicht zu überschreiten. Hierfür wird die Breite der Seiten- und Innenkotflügel um 75 mm reduziert, wobei Klebetechnik zum Einsatz kommt. Kotflügel und alle Chassisanbauteile wie Druckluftbehälter, die Abgasanlage inklusive Katalysator sowie die Batterien werden über neu entwickelte Träger zur Fahrzeugmitte hin versetzt.
Am Heck werden die Heckbeleuchtung und die Anschlüsse für den Anhängerbetrieb um etwa 100 mm nach innen verlegt. Die Trittstufen der Einstiege erhalten abgeänderte Halter und ihre Breite wird auf rund 150 mm reduziert. Nach dem Umbau ragen lediglich die Außenspiegel über die maximale Breite des Fahrerhauses von 2350 mm hinaus. Die Halterungen der Außenspiegel werden um jeweils 100 mm pro Seite gekürzt, um den Überstand zu minimieren.
Nutzlast und verfügbare Sonderausstattungen
Die Umbauarbeiten führen zu einer Erhöhung der Vorderachslast von 7,1 t bei Vorgängerbaureihen auf bis zu 8 t. Dadurch bleibt die Nutzlast im Vergleich zu Fahrgestellen mit Standardbreite vollständig erhalten. Die maximale Tragfähigkeit der Hinterachse beträgt weiterhin 11,5 t.
Paul Nutzfahrzeuge realisiert die schmale Breite zunächst für Fahrgestelle der schweren Mercedes-Benz Baureihen mit den Antriebskonfigurationen 4x2, 6x2 oder 6x4. Der Umbau ist für die Modellvarianten Sattelzugmaschine und Pritschenwagen möglich. Auch für die Sonderausführungen Volumer mit niedrigem Rahmen (880 mm) und Loader mit geringerem Leergewicht besteht die Umbaumöglichkeit. Wird die Luftansaugung nicht wie im Antos-Serienchassis von vorn, sondern hinter dem Fahrerhaus positioniert, kann optional ein verkürzter Ansaugkanal eingebaut werden. Zukünftig soll auch der Umbau von Außenplanetenachsen in anderen Dimensionen bei Allradfahrgestellen möglich sein.
Es ist geplant, jährlich zwischen 50 und 300 Fahrgestelle mit der „schmalen Breite“ auszustatten. Die komplexen Umbauarbeiten an den Serienchassis erfolgen weitgehend durch die Modifikation von Serienteilen. Dies soll ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, eine schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen und geringe Standzeiten gewährleisten.
