Studie zeigt Gefährdungspotenzial für Amphibien auf
Amphibien zählen weltweit zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren. In Deutschland sind über die Hälfte der Frosch-, Kröten- und Molcharten auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten verzeichnet. Ein aktuelles Forschungsvorhaben im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) deutet darauf hin, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft eine Mitursache für den Rückgang der Amphibienpopulationen sein könnte.
Versuche eines Forschungskonsortiums zeigten, dass Pflanzenschutzmittel bereits in anwendungsüblichen Mengen bei Grasfröschen Sterblichkeitsraten zwischen 20 und 100 Prozent verursachten.
Amphibien nutzen landwirtschaftliche Flächen als Lebensraum und überqueren sie auf ihren Wanderungen zu den Laichgewässern. Die Studie zeigt Handlungsbedarf auf. Das Umweltbundesamt hält es für erforderlich, den Schutz der Amphibien in der Produktzulassung, aber auch in der landwirtschaftlichen Praxis stärker zu berücksichtigen.
Pflanzenschutzmittel werden in der EU erst nach umfangreichen Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit zugelassen. In Deutschland ist das UBA für die Bewertung des Umweltrisikos zuständig. Werden dabei unvertretbare Risiken für den Naturhaushalt festgestellt, sind die Pflanzenschutzmittel nach europäischem Recht nicht zulassungsfähig. Eine Risikobewertung für Amphibien ist bislang jedoch nicht Bestandteil des auf europäischer Ebene festgelegten Bewertungsrahmens.
Amphibienarten können auf ihren Wanderungen landwirtschaftliche Flächen durchqueren. Einige Arten halten sich auch außerhalb der Wanderungszeiten auf Äckern und Wiesen auf. Dort können sie während oder nach der Ausbringung mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen. Das UBA ließ daher prüfen, ob die Zulassungsbewertungen von Pflanzenschutzmitteln die Schutzbedürftigkeit von Amphibien ausreichend berücksichtigen.
Forschungsergebnisse und Auswirkungen
Die nun veröffentlichten Forschungsergebnisse weisen auf ein Gefährdungspotenzial für Amphibien durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hin. In Versuchen wurden zur Simulation des Pflanzenschutzmitteleinsatzes Grasfrösche (Rana temporaria) mit sieben verschiedenen Präparaten übersprüht. Sechs der getesteten Produkte führten zum Tod von 40 bis 100 Prozent der Frösche.
Bei drei der Produkte wirkte bereits der Kontakt mit einem Zehntel der zugelassenen Aufwandmengen akut toxisch und tötete 40 Prozent der Tiere innerhalb von sieben Tagen. Die genauen Mechanismen der tödlichen Wirkung der Pestizide auf Frösche konnten noch nicht vollständig geklärt werden. Die Stärke der Wirkung scheint auch von Lösemitteln abzuhängen, die Pestizidprodukten beigemischt werden. Diese können entweder selbst toxisch wirken oder das Eindringen der Wirkstoffe in den Körper begünstigen.
Die Risikobewertung bei Wildtieren hat sich durch neue Forschungserkenntnisse in der Vergangenheit bereits stark weiterentwickelt und konnte besser an die tatsächlichen Gegebenheiten in der Landschaft angepasst werden. Für die Gruppe der Amphibien steht eine solche Anpassung noch aus. Die Ergebnisse der Studie, die im Rahmen eines Forschungsprojektes zu den Auswirkungen von Pestiziden auf die biologische Vielfalt entstand, unterstreichen die Notwendigkeit, den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter zu reduzieren und ausreichend Rückzugsräume in der Landschaft zu schaffen.
Empfehlungen und politische Implikationen
Aufgrund dieser Ergebnisse empfiehlt das UBA eine Überarbeitung der EU-Leitfäden zur Risikobewertung von Pestiziden. Neben einer Änderung der Zulassungspraxis ist es wichtig, Lebensräume stärker zu vernetzen und Gewässerschutzstreifen in der Agrarlandschaft anzulegen.
Eine Ausweitung des ökologischen Landbaus könnte sich ebenfalls positiv auswirken, da die Biolandwirtschaft auf den Einsatz chemischer Pestizide verzichtet. Diese Ziele werden auch durch die von der EU-Landwirtschaftskommission angestoßene Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik verfolgt. Eine ambitionierte Umsetzung der Vorschläge aus Brüssel kann somit zum Erhalt der Amphibien beitragen.
Die Studie "Terrestrial pesticide exposure of amphibians: An underestimated cause of global decline?" wurde von einem Forschungskonsortium um Dr. Carsten Brühl vom Institut für Umweltwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau erstellt und in 'nature' veröffentlicht.
