Nutzpilze als Endophyten: Schutz von innen heraus
Das Projekt konzentriert sich auf die Wirkung spezieller Nutzpilze, sogenannte Endophyten, die auf Pflanzen oder Saatgut aufgebracht werden. Diese Pilze sollen in die Pflanzen einwachsen, sie besiedeln und dort weiterleben. Die Entwicklung unterschiedlicher Formulierungen wie Sprays, Kapseln oder mit Pilzen ummanteltes Saatgut (gecoatetes Saatgut) soll sicherstellen, dass die Pilze sowohl im Labor als auch auf dem Feld die Pflanzen besiedeln und im Pflanzengewebe mitwachsen können.
Die Erkenntnis, dass diese insektenabtötenden Nutzpilze in den Pflanzen mitwachsen, ist relativ neu. Während dieser Prozess für die Pflanzen unschädlich ist, nehmen Insekten beim Fressen oder Saugen an der Pflanze den Pilz auf und sterben innerhalb weniger Tage ab. Dies bedeutet, dass nur die Insekten getötet werden, die direkt an der Pflanze fressen oder saugen.
Um Natur und Verbraucher zu schützen, brauchen wir neue umweltschonende Strategien gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge.
Dies betont Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der DBU. Professor Dr. Anant Patel von der FH Bielefeld, Projektleiter, ergänzt:
Unser Ziel sind biologische Pflanzenschutzmittel, die besonders für den ökologischen Landbau geeignet sind, der keine chemischen Insektizide verwenden darf. Wir wollen aber auch den konventionellen Landbau erreichen. Am Beispiel von Kartoffeln und Tomaten untersuchen wir die Wirkung spezieller Nutzpilze, sogenannter Endophyten, als biologische Pflanzenschutzmittel, die auf die Pflanzen oder das Saatgut aufgebracht werden.
Anwendungsbereiche und ökologische Vorteile des biologischen Verfahrens
Das innovative biologische Verfahren soll Pflanzen dauerhaft schützen und eignet sich sowohl für den ökologischen Gemüseanbau als auch für die konventionelle Landwirtschaft. Es bietet eine Alternative zur Reduzierung des Einsatzes chemisch-synthetischer Insektizide. Das Verfahren birgt keine bekannten ökologischen Risiken.
Die verwendeten Pilzstämme kommen auch in der Natur vor, zum Beispiel in Ackerböden, und sind keine Gefahr für Bienen oder andere Nutzinsekten. Das Projekt verfolgt eine innovative und nachhaltige Strategie für den Pflanzenschutz und hat ein hohes Potenzial zur Entlastung der Umwelt.
Dies erklärt Professor Dr. Anant Patel. Dr. Holger N. Wurl, DBU-Referent für umweltgerechte Landnutzung und nachwachsende Rohstoffe, sieht in Nutzpilzen eine große Bedeutung für die Entwicklung neuer biologischer Pflanzenschutzstrategien. Er schätzt die Entwicklungsmöglichkeiten für biologisch basierte Pflanzenschutzmittel für den globalen Markt optimistisch ein, was neue Marktchancen für kleine und mittelständische Unternehmen eröffnen könnte. Im Rahmen des Projekts wird zudem geprüft, ob sich die "Pilz-Kur" auch auf andere Gemüsekulturen übertragen lässt.
