Kreative Konzepte trotz Widrigkeiten
Trotz anfänglicher Herausforderungen durch wechselhaftes Frühlingswetter und pandemiebedingte Lieferengpässe beim Pflanzensortiment präsentieren die Friedhofsgärtner auf der Bundesgartenschau (BUGA) in Erfurt beeindruckende Leistungen im Wettbewerb „Grabgestaltung und Denkmal“.
Die Fachleute demonstrieren auf allen Pflanzflächen, von Einzel- und Doppelgrabstellen über Urnengräber bis hin zu Gemeinschaftsgrabflächen, ihre Kompetenz. Die aufwendigen Pflanzkonzepte ergänzen die Gestaltungsvorgaben der zugelosten Grabdenkmale.
Auf der ganzen Anlage wird viel mit geschwungenen Pflanzbildern gearbeitet, der Boden in verschiedenen Höhen modelliert. Auf diese Weise etwas Lebhaftes, Geschwungenes, einen Verlauf aus Pflanzen auf ein Grab zu bringen, bringt Spannung in den optischen Eindruck und lenkt von der meist rechteckigen Einfassung der Grabstelle ab.
Dies beobachtet Knut Mergenthaler, der vom Bund Deutscher Friedhofsgärtner mit der Pflege des Areals während der BUGA beauftragt wurde. Zierliche Gehölze interpretieren die unterschiedlichen Grabmale der Steinmetze auf vielfältige Weise. Ein Nadelgehölz kann beispielsweise die Trauerform eines Grabsteins umrahmen, während eine Muschelzypresse den Schwung eines Gewandes aufgreift, das ein Grabdenkmal darstellt.
Dicht gesetzte Bodendecker formen pflanzliche Stufen, die stufig gehauene Grabsteine aufgreifen. Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten mit klassischen Frühjahrsblühern ist auf dem Erfurter BUGA-Gelände sichtbar. Hornveilchen fügen sich in Farbverläufen in Bodendecker ein oder bilden fließende Muster, die einem Grabstein mit verschlungenen Bögen nachempfunden sind. Die gestalterische Nutzung verschiedener Bodendecker überzeugt.
Akkurat geschnittener Cotoneaster, fließend wirkende Pflanzungen aus Ophiopogon (Schlangenbart) und duftende Thymianpolster bedecken den Boden vollständig. Die Kombination aus Einjährigen, Stauden und Zwiebelblumen im Wechselflor bietet zudem Nahrung für Insekten. Jede Grabstelle in Erfurt wird als individuelle „Persönlichkeit“ und würdiger Trauerort inszeniert.
Neben den traditionellen Grabformen finden sich in Erfurt auch neue Ausdrucksformen der Trauerkultur. Im sogenannten „Memoriam-Garten“ sind Grabstätten nicht einzeln angelegt, sondern in einem fließend gestalteten Areal zu einem harmonischen Ganzen verbunden. Diese Bereiche werden ganzjährig von Friedhofsgärtnern gepflegt.
Die „NaturRuh“-Areale bieten naturnahe Bestattungen auf Flächen, die Futterstellen, Nistkästen, Insektenhotels und Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere integrieren und so die ökologische Bedeutung des Friedhofs hervorheben. Friedhöfe dienen als Orte des Gedenkens, sei es am Grab selbst oder in den zunehmend verbreiteten „Cubo“-Trauerräumen. Diese ähneln kleinen Kapellen unter freiem Himmel und fungieren als Begegnungs-, Abschieds- und Trauerräume auf dem Friedhof.
Der Bereich „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der BUGA in Erfurt zeigt in seiner Vielfalt ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Trauerkultur und der Leistungsfähigkeit deutscher Steinmetze und Friedhofsgärtner. Die Jury prämierte aus dieser Fülle überzeugender Beispiele moderner Grabgestaltung die besten Beiträge, darunter 31 Goldmedaillen, fünf Große Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft und acht Ehrenpreise.
