Pilze: Eine nachhaltige Antwort auf globale Ernährungsprobleme
Die weltweite Bevölkerung wächst, während die verfügbare Nutzfläche pro Kopf abnimmt. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) standen 1950 noch 5.100 m² Nutzfläche pro Kopf zur Verfügung, um 2,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Für 2050 wird prognostiziert, dass nur noch 2.000 m² pro Kopf für eine Bevölkerung von rund 10 Milliarden Menschen zur Verfügung stehen werden.
Gleichzeitig reduzieren Klimawandel und die damit verbundene Steppen- und Wüstenbildung die fruchtbaren Flächen. Um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ist eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 60 % erforderlich. Diese Herausforderung erfordert neue Ansätze, bei denen Pilze eine wichtige Rolle spielen könnten, so Pilzforscher Prof. Jan Lelley vom Institut für Pilzforschung GAMU in Krefeld.
Pilze, die auf Reststoffen wachsen, könnten eine Lösung bieten. Solche Reststoffe fallen selbst in ärmsten Regionen an und umfassen Bananenblätter, Hirsestroh, Reisstroh, Kaffeepulpe, Baumwollabfall, Maisstängel oder Zuckerrohr-Reste. Allein Reisstroh summiert sich jährlich auf über 800 Millionen Tonnen Trockenmasse.
Auf dieser Menge könnten beispielsweise 320 bis 540 Millionen Tonnen Austernpilze, 400 bis 760 Millionen Tonnen Champignons oder 350 bis 450 Millionen Tonnen Shiitake-Pilze wachsen. Die insgesamt auf derartigen Stoffen erzeugbare Pilzmasse könnte bis zu 2 Milliarden Tonnen erreichen. Zum Vergleich: Die weltweite Getreideproduktion liegt bei 2,8 Milliarden Tonnen.
Besonders Arten der Gattung Pleurotus, zu denen Austernpilze und Kräuterseitlinge gehören, sind für die Verwertung stark verholzter Reststoffe wie Bananenblätter, Kokosfasern oder Hirsestroh geeignet. Diese Pilze sind in der Lage, Lignin abzubauen, den Stoff, der Pflanzenfasern verholzt, und sich davon zu ernähren.
Nach der Pilzernte bleibt Zellulose zurück, die so weich ist, dass sie als Tierfutter genutzt werden kann. Der Anteil verdaulicher Bestandteile in den pflanzlichen Reststoffen steigt von ursprünglich 40 % auf 80 %. Dies verbessert die Qualität des Viehfutters in ärmeren Regionen erheblich. Pleurotus-Arten sind weltweit in verschiedenen Klimazonen verbreitet, sodass klimatische Probleme nicht zu befürchten sind.
Speisepilze wie Austernpilze, Champignons oder Shiitake-Pilze ergänzen mit ihrem hochwertigen Pilzeiweiß die mineralstoffarmen Grundnahrungsmittel, die in ärmeren Regionen die Ernährung prägen. Sie liefern wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Kupfer, Eisen, Zink, Selen und Magnesium sowie Vitamine wie B2, B3, Biotin, Pantothensäure und Folsäure, die zur Gesundheit und Vitalität beitragen.
Canford Chiroro, Dozent und Entwicklungsberater an der Universität von Simbabwe, engagiert sich seit Jahren für die Etablierung der Pilzproduktion in ländlichen Regionen von Simbabwe, Tansania und Malawi. Er untersucht die Auswirkungen des Pilzanbaus auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder.
Die Pilzproduktion könnte eine Lösung für die Verringerung der Armut in der ländlichen Region sein.
Die Kosten für die Etablierung der Pilzproduktion sind gering, da keine Düngemittel, Maschinen oder Pestizide benötigt werden und die Kulturverfahren gut an bestehende Verhältnisse angepasst werden können.
Chiroro berichtet aus seiner Erfahrung:
Die Bauern in Simbabwe, die Weizen oder Mais anbauen, benötigen im Durchschnitt 4 Monate, um Erträge einfahren zu können. In der Zeit können mindestens zwei Austernpilzkulturen angelegt und beerntet werden.
