Gärten als Beitrag zu Biodiversität und Klima
Gärten können einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Ein reich strukturierter Garten mit ausreichend Versteckmöglichkeiten bietet ideale Lebensbedingungen für viele Tierarten. Auch kleine Flächen können schon erheblich zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Insekten beitragen. Vielerorts ist die Lebensraumvielfalt erheblich zurückgegangen. Die Ausdehnung von Siedlungen, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie der Verlust von Lebensraum und Strukturen in der freien Landschaft und im urbanen Raum sind schlecht für die Artenvielfalt.
Dies betonte Minister Peter Hauk MdL. Er hob hervor, dass die Bedeutung vielfältig strukturierter Flächen im Innenbereich von Städten und Gemeinden zunimmt. Das direkte Wohnumfeld biete ein erhebliches Potenzial zur Förderung der biologischen Vielfalt. Blühende Gärten steigern demnach nicht nur den Lebensraum für Insekten, sondern auch die Lebensqualität der Menschen.
Fachliche Perspektiven und Herausforderungen des Gesetzes
Michael Heck von der LVG sprach das Thema Schotter an. Er erklärte, dass Gärtner mit mineralischen Substraten oder Schotter als Mulchmaterial Lebensgemeinschaften mit Stauden schaffen können, sofern es sich um lebendige Gärten und nicht um "Steinwüsten" handelt. Aktuell laufen Projekte mit Betrieben aus dem Garten- und Landschaftsbau zu Habitatstrukturen für Bestäuberinsekten und zur Biodiversität in Gärten.
Volker Schwarz, Abteilungsleiter Grünanlagen der Stadt Heidelberg und Sprecher der AG der Gartenamtsleiter in Baden-Württemberg, berichtete, dass die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz das Gesetz begrüßt und Kommunen eine Vorbildfunktion einnehmen möchten. Bürger fragen demnach direkt nach den erlaubten und nicht erlaubten Gestaltungsformen.
Erhard Schollenberger, Vorstand im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V., stellte fest, dass Kunden kurz nach Inkrafttreten der Gesetzgebung ein Zurückrudern zeigten. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ein Umdenken in der Bevölkerung durch blühende Vorgärten und Gärten als Vorbilder schnell erfolgen wird.
Klimaanpassung und Stadtgestaltung im Fokus
Professor Andreas Matzarakis, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes aus Freiburg, erläuterte den Wärmeinseleffekt. Dieser setze sich aus vielen kleinen "Mosaiksteinchen" zusammen, darunter Vorgarten, Garten, Haus, Straße und Quartier. Städte seien aufgrund ihrer versiegelten Flächen wärmer als ländliche Gebiete. Die Dreidimensionalität einer Stadt mit ihren vielfältigen Oberflächen und deren Reflektions- und Absorptions-Eigenschaften trage dazu bei.
Die Optimierung dieser Anteile durch Bäume, Pflanzflächen, Wasser sowie Dach- und Fassadenbegrünungen sei daher entscheidend für die Umstrukturierung von Städten im Kontext des Klimawandels.
Gesellschaftlicher Wandel und die Rolle der Landschaftsarchitektur
Professor Sigurd Henne von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen betonte, dass der Garten Ausdruck des persönlichen Lebensstils und gesellschaftlicher Vorbilder sei. Die Hochschule lehre, dass die von Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten geschaffenen Bilder von Landschaften später von der Gesellschaft übernommen werden. Henne forderte zukünftig Vielfalt in funktionaler und ästhetischer Hinsicht, nicht nur im privaten Garten, sondern auch bei Flächen im Wohnungsbau und im öffentlichen Raum.
Henne zeigte sich überzeugt, dass sich das Bild von Freiraum und Stadt in Deutschland ändern wird. Die Diskussionsrunde wurde vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. in Kooperation mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg veranstaltet.


