Die Grüne Stadt

BGL-Initiative „Rettet den Vorgarten“: Für mehr Grün und Artenvielfalt

Der BGL engagiert sich mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ für begrünte und artenreiche Vorgärten. Ziel ist es, der Versteinerung und Versiegelung von Vorgärten mit sachlichen Argumenten entgegenzuwirken und die Annahme zu widerlegen, dass geschotterte Flächen pflegeleicht seien.

Hintergrund und Ziele der Initiative

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. engagiert sich seit über einem Jahr mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ für begrünte und artenreiche Vorgärten. Ausgangspunkt war eine repräsentative Marktforschung der GfK, die die Beweggründe für die Gestaltung von Vorgärten mit Steinen und Schotter oder mit vielfältiger Bepflanzung untersuchte. Ziel der Initiative ist es, der Versteinerung und Versiegelung von Vorgärten mit sachlichen Argumenten entgegenzuwirken.

Im Rahmen eines Journalistenwettbewerbs wurden Medien in ganz Deutschland aufgerufen, sich mit dem Thema Vorgarten auseinanderzusetzen. Die eingereichten Beiträge, darunter Artikel von Zeitungen sowie Beiträge von Radio- und Fernsehanstalten, Webseiten und Blogs, behandelten den Vorgarten aus unterschiedlichen Perspektiven. Bereits im Frühjahr 2017 wurde zudem die Facebook-Seite „Rettet den Vorgarten“ ins Leben gerufen, die eine zunehmend intensive Diskussion widerspiegelt.

An dieser Diskussion beteiligen sich Vogelschützer, Insektenfreunde, Naturliebhaber, Klimaspezialisten, Stadtplaner, Kommunalverantwortliche, Gartenarchitekten und Landschaftsgärtner. Dabei treffen unterschiedliche Meinungen, Haltungen sowie Wissensstände aufeinander. Ein zentrales Anliegen ist es, die Annahme zu widerlegen, dass geschotterte Flächen vor dem Haus pflegeleicht seien.

Pflegeaufwand in Schottergärten

Die GfK-Marktforschung identifizierte die Erwartung eines geringen Pflegeaufwands als Hauptmotiv für die Anlage von Schotter- und Kiesgärten. In Fachkreisen ist jedoch bekannt, dass das Gegenteil der Fall ist. Auch die Natur- und Umweltschutzakademie NRW warnt vor hohem Pflegeaufwand.

Organisches Material wie Pollen, Blüten, Sande, Samen und Blätter fallen zwischen die Steine und verrotten. Es bildet sich eine Humusschicht und erste Wildkräuter keimen. Algen, Moose und Flechten siedeln sich an. Eine Verfärbung tritt ein. Der Garten wird unansehnlich. Der Einsatz von Herbiziden ist verboten, und wer zum Abflämmgerät greift, zerstört die Folie unter den Steinen.

Grün statt Grau fördern

Der BGL setzt sich mit seiner Öffentlichkeitsarbeit für grüne Vorgärten und eine vielfältige Pflanzenwelt ein. BGL-Präsident Lutze von Wurmb betont die brancheninterne Diskussion:

Wir setzen uns als Branche dafür ein, dass die Vorgärten wieder zu Gärten werden, die das Wort auch verdienen. Dabei sind wir offen für Kooperationen, auch und besonders gerne mit Kommunen. Es kann nicht sein, dass es Städte und Gemeinden gibt, die grüne Dächer fördern, und gleichzeitig eine klimaschädliche Versteinerung der Vorgärten tolerieren.

Die Diskussion mit Bürgern zeigt, dass viele unsicher sind, wie sie die Fläche vor dem Haus gestalten sollen. Oft fehlt das Wissen, wie durch geschickte Pflanzenauswahl ein einladender Raum geschaffen werden kann, der Freude bereitet und gleichzeitig Lebensraum für Vögel, Igel und Insekten bietet.

Vorgärten als Lebensraum und Klimafaktor

Die Fläche vor dem Haus ist halböffentlich und von jedem einsehbar. Eine Straße mit begrünten Vorgärten wirkt auf Bewohner, Nachbarn und Spaziergänger freundlich und einladend. Die Begrünung beeinflusst zudem das Mikroklima positiv. Regenwasser versickert besser, und die Verdunstungskälte sorgt im Sommer für kühlere Luft und angenehmere Nächte. Während sich steingeprägte Vorgärten tagsüber stark aufheizen und nachts Wärme abstrahlen, wirken bepflanzte Gärten durch Beschattung und Bewuchs kühlend.

Pflanzenreiche Vorgärten bieten zudem das ganze Jahr über Abwechslung im Straßenbild: von den ersten Zwiebelblumen im Frühjahr über blühende Hausbäume im Mai, Rosen und Stauden im Sommer bis zur Färbung der Laubgehölze im Herbst. Die Stiftung DIE GRÜNE STADT hebt die Rolle von Städten und Gemeinden hervor. Peter Menke, Vorstand der Stiftung, erklärt:

In hochverdichteten Siedlungsräumen kommt es auf jeden Quadratmeter Grün- und Freifläche an. Kommunen können hier beratend unterstützen, aber auch ganz konkret mit Gestaltungssatzungen Einfluss nehmen.

Lutze von Wurmb ergänzt mit Verweis auf die Marktforschung:

Interessant ist auch, dass selbst Gartenbesitzer, die ihren Vorgarten verschottert haben, bepflanzte Vorgärten schön finden und in ihren Gärten hinter dem Haus sehr wohl Abwechslungsreichtum schätzen! Wir setzen daher auf einen begrünten, gepflegten Vorgarten mit Sträuchern, Stauden oder schönen Solitärbäumen. Und wir setzen dabei auf die Unterstützung der Planungsbehörden und Kommunen.

30.04.2018

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