Gemeinsame Anstrengungen für weniger Torf im Gartenbau
Die Reduzierung des Torfeinsatzes im Gartenbau ist ein zentrales Thema für den Klimaschutz. Eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) organisierte Tagung in Freising und online brachte über 200 Fachleute aus Forschung, Wirtschaft und Politik zusammen, um den aktuellen Stand, Chancen und Herausforderungen der Torfreduktion zu diskutieren.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL, Dr. Ophelia Nick, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Torfminderung als gemeinsamen und freiwilligen Prozess. Das BMEL unterstützt Betriebe bei der Umstellung und sieht die Torfreduktion als aktiven Klimaschutz, der von der Gesellschaft mitgetragen wird. Die Tagung, ausgerichtet von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), beleuchtete auch internationale Perspektiven, insbesondere aus Österreich und der Schweiz, und diskutierte Kompost als Torfersatz im kommunalen Bereich.
Aktueller Stand und Ziele der Torfminderung
Vertreter verschiedener Verbände schätzten ein, dass eine Reduzierung des Torfanteils auf 50 Prozent in vielen Kulturen bereits heute realisierbar ist. Eine individuelle Betrachtung der Kulturarten sei jedoch entscheidend, wobei eine Konzentration auf die „Top 10“ der jeweiligen Sparten sinnvoll sein könnte. Der nahezu vollständige Verzicht auf Torf in Hobbyerden, der laut BMEL-Strategie bis 2026 erreicht werden soll, wird als Herausforderung, aber als umsetzbar angesehen.
Im Erwerbsgartenbau sieht das Klimaschutzprogramm 2030 einen „weitgehenden Ersatz“ von Torf bis zum Ende des Jahrzehnts vor. Der Industrieverband Garten e. V. (IVG) hält für Profi-Substrate im Jahr 2030 jedoch nur 30 Prozent Torfersatzstoffe für realistisch. Philip Testroet vom IVG nannte die Verfügbarkeit von Ersatzstoffen in ausreichender Qualität als größtes Problem.
Gabriele Harring vom Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) und Renke zur Mühlen vom Bund deutscher Baumschulen (BdB) zeigten sich offener für eine weitere Reduzierung des Torfanteils über 50 Prozent hinaus, sofern positive Versuchsergebnisse vorliegen. Renke zur Mühlen wies jedoch darauf hin, dass Baumschulbetriebe, oft Familienbetriebe, auf funktionierende Substrate angewiesen sind und ganzjährig klimatischen Verhältnissen im Freiland ausgesetzt sind, was bei der Anpassung der Kulturführung berücksichtigt werden muss.
Forschung und Entwicklung als Wegbereiter
Dr. Thomas Schmidt, Referatsleiter Gartenbau und Landschaftsbau im BMEL, würdigte das Engagement der Industrie im Bereich Torfminderung. Das Ministerium unterstützt die Forschung intensiv, unter anderem durch die Förderung der Projekte MITODE (Thünen-Institut und Julius-Kühn-Institut) und TopGa (koordiniert vom JKI). Diese Projekte erarbeiten wissenschaftliche Grundlagen für den Umstieg auf torfreduzierte und torffreie Substrate im Produktionsgartenbau. Auch das Projekt HOT der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und des GreenSurvey – Institut für Marktforschung, das sich an Hobbygärtner richtet, wird vom BMEL gefördert.
Auf kommunikativer Ebene setzt die FNR unter dem Motto „Weniger Torf, Moor Schutz!“ vielfältige Maßnahmen um, darunter Anzeigen, Großplakatierungen und einen Schulwettbewerb. Eine wichtige Rolle spielt auch die vom BMEL beauftragte Entwicklung eines Systems zur Nachhaltigkeitszertifizierung von Torfersatzstoffen. Dr. Norbert Schmitz von Meo Carbon Solutions GmbH berichtete über den Start der Pilotzertifizierung verschiedener Herkünfte und Lieferketten im August 2022.
Bedeutung von Beratung, Ausbildung und Rahmenbedingungen
Die Tagungsteilnehmer hoben die Bedeutung einer intensiven Beratung und Einbeziehung der Gartenbaubetriebe hervor. Die Schweiz dient hier als Vorbild, wo betriebsindividuelle Umstellungsberatung teilweise kostenlos angeboten wird. Auch die Ausbildung angehender Gärtnerinnen und Gärtner sollte das Thema Torfausstieg frühzeitig in den Lehrplan integrieren.
Zudem wurden Änderungen von Rahmenbedingungen angemahnt, die den Einsatz von Torfersatzstoffen behindern, wie die Europäische Düngeprodukt-Verordnung oder die rechtliche Einstufung von Kompost als Abfallprodukt.
Internationale Perspektiven: Der Schweizer Weg zum Torfausstieg
Der Blick in die Schweiz zeigt, dass dort bereits ein weiter fortgeschrittener Ansatz verfolgt wird. Dr. Josef Känzig vom Schweizer Bundesamt für Umwelt erklärte, dass in der Schweiz nicht von Torfminderung, sondern von „Torfausstieg“ gesprochen wird. Dieser Ausstieg basiert in der aktuellen Phase auf eigenverantwortlichen, freiwilligen Maßnahmen, flankiert durch Forschungsförderung, Austausch und Beratung. Im Bereich der Hobbyerden ist der Torfanteil in der Schweiz seit 2020 in der Regel unter 5 Prozent gesunken.
Die Tagung verdeutlichte, dass Erdenindustrie, Gartenbau, Handel, Forschung und Politik gemeinsam daran arbeiten, den Torfeinsatz zu reduzieren und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Mittelfristig wird es entscheidend sein, auch auf europäischer Ebene einheitliche Ziele und Strategien zur Erreichung dieser Ziele zu entwickeln und umzusetzen.

