Neues Tool für schnelle Wirtschaftsanalyse
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat auf dem Digital-Gipfel in Berlin den „Pulsmesser für die Wirtschaft“ vorgestellt. Dieses neue Instrument ermöglicht eine Echtzeit-Konjunkturbeobachtung und soll eine schnelle Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland bieten. Trotz einer leichten Aufhellung bleibt die Stimmung in der deutschen Wirtschaft pessimistisch, jedoch deuten die aktuellen Daten nicht auf einen tiefen Konjunktureinbruch hin.
Der Pulsmesser kombiniert amtliche Konjunkturindikatoren mit hochfrequenten, nicht-amtlichen Daten von Instituten und anderen Anbietern. Er ist ab sofort im Dashboard Deutschland verfügbar, einer Datenplattform, die bereits eine Vielzahl aktueller Indikatoren aus amtlicher Statistik und von weiteren Datenanbietern zu Themen wie Wirtschaft, Energie, Finanzen, Gesundheit und Mobilität bündelt.
Im Pulsmesser können die Entwicklungen amtlicher und nicht-amtlicher Konjunkturindikatoren grafisch im direkten Zusammenhang betrachtet werden. Dies ermöglicht ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage am aktuellen Rand. Die integrierten Daten sind mit Quellen und Metadaten versehen und können überwiegend in gängigen Open-Data-Formaten exportiert und weiterverwendet werden.
Wir haben mit dem Pulsmesser das Potenzial digitaler Daten geschöpft, um Politik, Wirtschaft, Verwaltung, aber auch der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich einen Eindruck von der wirtschaftlichen Situation am aktuellen Rand zu verschaffen. Der Pulsmesser gibt hierfür erste Anhaltspunkte, noch bevor gesicherte amtliche Ergebnisse vorliegen. Das ist der Mehrwert des Pulsmessers, den wir aus einer Vielzahl an digitalen Daten schaffen.
Dies erklärte Susanne Hagenkort-Rieger, Leiterin der Abteilung „Unternehmen, Verdienste, Verkehr“ im Statistischen Bundesamt, bei der Präsentation des Angebots.
Aktuelle Konjunkturentwicklung und Ausblick
Der private Konsum trug in den ersten drei Quartalen 2022 maßgeblich zum Wachstum der deutschen Wirtschaft bei und verhinderte bislang eine Rezession. Der Pulsmesser zeigt, wie sich diese Entwicklung fortsetzen könnte, indem er amtliche Konjunkturindikatoren für Oktober 2022 mit hochfrequenten, bis Anfang Dezember 2022 reichenden nicht-amtlichen Indikatoren verknüpft.
Im Oktober 2022 verzeichnete der Einzelhandel einen Rückgang des realen Umsatzes um 2,8 % (kalender- und saisonbereinigt) gegenüber dem Vormonat. Betrachtet man jedoch die tagesaktuellen Tischreservierungen im Gastgewerbe und die Passantenfrequenzen in Einkaufsstraßen, die bis Anfang Dezember 2022 reichen, zeigt sich eine Seitwärtsbewegung, was auf eine stabilere Entwicklung im privaten Konsum hindeutet.
Die Industrie, eine weitere zentrale Säule der Konjunktur, produzierte im Oktober 2022 kalender- und saisonbereinigt 0,4 % weniger als im Vormonat. Für die Zeit nach Oktober zeigte der ifo-Geschäftsklima-Index im November eine leicht steigende Tendenz, obwohl die Stimmung insgesamt weiterhin schlecht ist. Ähnliche Stimmungsindikatoren wie der ZEW Konjunkturausblick oder das DIW Konjunkturbarometer lassen sich mit dem Pulsmesser vergleichen.
Unser Fazit zur Gesamtwirtschaft: Insgesamt scheint die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zwar weiterhin skeptisch zu sein, hat sich zuletzt aber verbessert. Zusammen mit den vorliegenden Fakten deutet dies zum jetzigen Zeitpunkt darauf hin, dass im 4. Quartal zwar kein starkes Wachstum, aber auch keine tiefer Einbruch zu erwarten ist.
Dies fasste Peter Schmidt, Leiter der Abteilung „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Preise“ im Statistischen Bundesamt, bei der Vorstellung des Pulsmessers zusammen.
