Ein neues Herz für Sandhofen: Vom Verkehrsknotenpunkt zum lebendigen Stadtteilzentrum
Viele deutsche Großstädte weisen aufgrund ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung Stadtteile ohne ausgeprägte Vorortzentren auf. Historisch bedingte Verkehrsführungen oder Industrieansiedlungen können Ortsteile zerschneiden und die Entstehung zusammenhängender Ortskernstrukturen verhindern. Eine solche Situation prägte auch den Mannheimer Stadtteil Sandhofen.
Der nördlichste Stadtteil Mannheims, beeinflusst durch die Zellstoffindustrie am Altrhein und durch verschiedene Verkehrsadern geteilt, entbehrte lange Zeit eines zentralen und lebenswerten Ortskerns. Durch den Rückbau der Stadtbahntrasse im Bereich der Endhaltestelle „Am Stich“ entstand eine Freifläche, die nun die Funktion eines Stadtteilzentrums übernehmen soll. Die Planer standen vor der Aufgabe, aus dieser amorphen Fläche einen ruhigen und attraktiven Stadtteilplatz zu entwickeln.
Die Verlegung der Stadtbahnendhaltestelle schuf in Sandhofen eine Freifläche von etwa 2.500 m². Die Stadt Mannheim wünschte sich einen urbanen Ort, der durch Gestaltung, Gastronomie und Gewerbe die Funktion eines attraktiven Stadtteilzentrums erfüllen kann.
Mit der Verlegung der Stadtbahngleise in Sandhofen ergab sich für uns die einmalige Chance, einen attraktiven Platz für unsere Bürger zu gestalten, der alle wichtigen Funktionen eines intakten Ortsteilzentrums wahrnehmen kann. Neben dem Wochenmarkt, den wir hierhin umsiedeln wollen, soll an dieser Stelle mit Hilfe von saisonalen Aktivitäten wie z.B. dem Maibaumfest und dem Weihnachtsmarkt eine über das Jahr verteilte Bespielung und damit Stärkung des Ortskerns erreicht werden. Auch eine gehobene Gastronomie mit Außenbereich ist geplant.
So äußerte sich Stadtbaudirektorin Christa Backhaus-Schlegel, Abteilungsleiterin Verkehrswegebau bei der Stadt Mannheim.
Gestaltung und Materialwahl
Der Oberflächengestaltung des neuen Platzes kam eine besondere Bedeutung zu. Die Entwurfsplanung hierfür verantwortete der Landschaftsarchitekt Dieter J. Burkard aus Östringen.
Gestalterisch bestand das Ziel darin, den amorph wirkenden Platz in einen ruhigen Rahmen zu setzen. Aufgrund seiner dreieckigen Platzform wirkt dieser recht unruhig und bietet wenig optischen Halt. Deshalb suchten wir für die Oberflächenbefestigung nach einem Pflastermaterial, das dem Platz mit Hilfe geeigneter Formen, Farben und Verlegemuster eine gewisse Ruhe gibt. Andererseits war ein Belag gefragt, dem die zu erwartenden Verkehrsbelastungen durch Marktfahrzeuge oder Aufbaukräne für Events nichts anhaben können.
Für die Befestigung des Platzes wurde das Steinsystem „CombiStabil“ des Betonwerks Pfenning aus Lampertheim gewählt. Dieses System entsprach den Vorstellungen des Planers hinsichtlich Format und Oberfläche. Die quadratischen Steine mit 18 cm Seitenlänge verleihen dem Platz Struktur und wirken der unruhigen Form entgegen. Großformatige Elemente waren aufgrund der zu bewältigenden Höhendifferenzen nicht geeignet. Die Reihenverlegung der mittelformatigen Steine erzeugt eine urbane und geordnete Optik.
Die helle Gelbfärbung des Pflasters verleiht der Fläche eine mediterrane Anmutung. Lediglich die PKW-Stellflächen im Randbereich wurden in Anthrazit ausgeführt, um mögliche Ölflecken unauffälliger zu machen. Eine Besonderheit sind die elegant in die Pflasterfläche integrierten Bodenstrahler. Hierzu Burkard:
Licht spielt auf öffentlichen Plätzen immer eine wichtige Rolle. Deshalb haben wir extra für dieses Objekt Pflastersteine mit einer runden Öffnung fertigen lassen, in die Bodenstrahler montiert werden. Unter den Strahlern befinden sich kleine Schächte mit diversen Kabelanschlüssen. Muss mal ein Strahler ausgetauscht werden so ist dies dann ganz problemlos möglich.
Stabilität durch normgerechte Fugen
Eine weitere Eigenschaft des Platzes ist auf den ersten Blick nicht erkennbar: Ein patentiertes Abstandhaltersystem der Pflastersteine gewährleistet eine normgerechte Fugenbreite, die für die Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendig ist. Dies ermöglicht eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen. Schub- und Horizontalkräfte werden abgepuffert und gleichmäßig in die Tragschichten weitergeleitet. Dadurch ist die Fläche in der Lage, Belastungen durch Marktfahrzeuge, PKW oder Kranwagen für Bühnenaufbauten ohne Verformungen aufzunehmen.
Nach einer Bauzeit von zehn Monaten wurde der neue Sandhofer „Stich“ im Juni dieses Jahres für die Bürger freigegeben. Seine erste Bewährungsprobe bestand der Platz bereits bei der Eröffnung am 13. Juni, als die Deutschrockmusikerin Yvonne Betz aus Mannheim dort auftrat. Die Veranstaltung mit zahlreichen Besuchern zeigte die Belastbarkeit des gewählten Pflastersystems.
