EU-Fonds für betroffene Baumschulbetriebe reicht dem Verband nicht aus
Nach einem weiteren Befall mit dem Asiatischen Zitrusbockkäfer in Bayern fordert der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. erneut eine verbindliche Entschädigungsregelung für Baumschulbetriebe. Hintergrund ist die zunehmende Gefahr der Einschleppung von Quarantäneschädlingen durch den internationalen Warenverkehr.
Als besonderes Risiko gelten importierte Ahorngehölze sowie Holzpaletten aus Asien. Über diese Transportwege gelangen unter anderem Asiatische Laubholz- und Zitrusbockkäfer nach Europa.
„Es kann nicht sein, dass Baustoffhändler mit denen für den Transport ihres Materials verwendeten Holzpaletten Schädlinge einführen und unsere Baumschulbetriebe dies mit hohen Verlusten bezahlen. Hier besteht allerdringlichster Handlungsbedarf“, erklärt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des BdB.
Baumschulen setzen auf Rückverfolgbarkeit und Kontrollen
Der Verband informiert seine Mitgliedsbetriebe regelmäßig über neu auftretende Quarantäneschädlinge und arbeitet dabei eng mit Pflanzenschutzdiensten sowie der Baumschulberatung zusammen.
Innerhalb der Branche besteht ein europaweites Sicherungssystem zur Rück- und Nachverfolgbarkeit potenziell befallener Pflanzen. Wirtspflanzen von Quarantäneschädlingen werden in den Warenwirtschaftssystemen entsprechend als pflanzenpasspflichtig gekennzeichnet.
Nach Angaben des BdB tragen die Baumschulbetriebe nicht zur Verbreitung der Schädlinge bei. Durch umfangreiche Kontrollen, hohe Qualitätsstandards und Fachkompetenz sei das Risiko gering, dass Endverbraucher Schädlinge über Pflanzen in private Gärten oder öffentliche Grünanlagen einschleppen.
EU plant strengere Kontrollen bei Risikopflanzen
Der BdB weist seine Mitgliedsbetriebe darauf hin, beim Zukauf von Pflanzen verstärkt auf deren Herkunft zu achten. Gleichzeitig unterstützt der Verband Pläne der Europäischen Union, bestimmte Risikogattungen künftig vor der Einfuhr intensiver zu prüfen.
Zusätzlich fordert die EU Notfallpläne für den Umgang mit Quarantäneschädlingen. Für den Asiatischen Laubholz- und Zitrusbockkäfer bestehen in mehreren Bundesländern bereits entsprechende Konzepte unter Beteiligung der Branche.
Für den Fall eines Befalls in einem Mitgliedsbetrieb kündigt der BdB schnelle Unterstützung vor Ort sowie eine koordinierte Kommunikation zwischen Behörden und Unternehmen an. Nach Angaben des Verbands ist bislang kein Mitgliedsbetrieb betroffen.
Forderung nach vollständigem Schadensausgleich
Derzeit erhalten betroffene Betriebe bei Auftreten von Quarantäneschädlingen keine finanzielle Unterstützung. Versicherungen decken entsprechende Risiken in vielen Fällen nicht ab.
Der BdB fordert deshalb seit längerer Zeit einen vollständigen Schadensausgleich für wirtschaftliche Verluste durch Quarantäneschädlinge. Im Rahmen der geplanten EU-Pflanzenschutzverordnung sollen Mitgliedsstaaten künftig zumindest teilweise Entschädigungen leisten können.
Geplant ist zudem ein europäischer Fonds zur Finanzierung entsprechender Zahlungen. Der Verband bewertet diesen Ansatz positiv, fordert jedoch weiterhin eine vollständige Entschädigung der betroffenen Betriebe.
Auch für den Garten- und Landschaftsbau gewinnt das Thema an Bedeutung, da Quarantäneschädlinge langfristig Auswirkungen auf Pflanzenverfügbarkeit und Grünflächenmanagement haben können.
