Beregnung und Bewässerung

Regenwassernutzung in Deutschland: Einblicke für den japanischen Markt

Ein dreiteiliger Artikel beleuchtet die Regenwassernutzung in Deutschland für japanische Leser. Erörtert werden die Rolle des Wasserhaushaltsgesetzes, die gesplittete Abwassergebühr und die Bedeutung von Organisationen wie der fbr.

Deutsche Regenwassernutzung im Fokus japanischer Medien

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) im Herbst 2015 wurde in Japan ein Artikel über die Entwicklung der Regenwassernutzung in Deutschland veröffentlicht. Dieser dreiteilige Beitrag, verfasst von fbr-Mitglied Klaus W. König und ins Japanische übersetzt von Sachiko Osawa, erschien exklusiv in der japanischen Umweltzeitung Kankyo News.

Der Verlag Kankyo News wandte sich über Dr. Makoto Murase von People for Rainwater, der japanischen Partnerorganisation der fbr, mit spezifischen Fragen an den Autor. Besonderes Interesse galt der Rolle des Wasserhaushaltsgesetzes bei der Regenwassernutzung in Deutschland und den Beweggründen für die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr. Für japanische Beobachter ist es zudem bemerkenswert, dass Organisationen wie DIN, DWA oder fbr ihre Aufgaben und Ziele ohne staatliche Lenkung, teilweise ehrenamtlich, gestalten.

Ein Auszug aus dem Artikel beleuchtet die Rolle der Fachvereinigung für Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr):

Einen großen Anteil an der Verbreitung der Regenwassernutzung in Deutschland hat fbr als gemeinnütziger Verein. Wie sich die Branche in 20 Jahren weiter entwickelt hat, so hat sich auch die Ausrichtung des Vereins fbr gewandelt: Es geht nicht mehr allein um die Nutzung des Regenwassers, sondern um alle Aspekte seiner Bewirtschaftung bzw. Verwendung. Auch Verdunsten und Versickern sowie Reinigen der Niederschlagsabflüsse gehören dazu. Die dafür nötigen Produkte zeigt die fbr-Marktübersicht. Sie bietet einen Überblick über mehr als 300 Fabrikate und wird alle 2 Jahre aktualisiert.

Manche Hersteller bieten nur Zubehör an, andere liefern komplette Anlagen. Für besondere Zwecke sind Sonderanfertigungen möglich. Zwei Voraussetzungen haben diese positive Entwicklung begünstigt: Erst mit der finanziellen Förderung von Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung durch verschiedene Bundesländer und Kommunen (zwischen 1990 und 2005) entstand eine Nachfrage, die groß genug war, dass sich für Hersteller die Entwicklung guter Produkte gelohnt hat. Und erst mit Veröffentlichung der DIN 1989 zur Regenwassernutzung im Jahr 2002 sowie Normen der FLL für Verdunstung/Gründach im Jahr 1999 und der DWA für Versickerung im Jahr 2002 waren einheitliche und für alle Planer verständliche technische Standards zum Anlagenbau vorhanden.

Der Artikel soll japanischen Lesern die Unterschiede in der Regenwassernutzung zwischen beiden Ländern aufzeigen. Themen wie Mülltrennung, Trinkwassersparen, Betriebswassernutzung und dezentrale Energiegewinnung sind in Japan, verglichen mit Deutschland, noch weniger verbreitet.

In Japan sind vorgefertigte Systeme zur Grau- und Regenwassernutzung aus heimischer Produktion sowie frostsicher in Außenanlagen eingebaute Speicher unbekannt. Dort werden Behälter in die Gebäudekonstruktion integriert oder im Garten platziert. Diese Speicher sind in Japan größer dimensioniert, da der Monsun innerhalb von drei Monaten eine Wassermenge liefert, die in Deutschland über zwei Jahre verteilt anfällt. Darauf folgen neun trockene Monate, für die der gesammelte Vorrat ausreichen muss.

Die relativ gleichmäßige Verteilung des Jahresniederschlags in Deutschland ermöglicht eine wirtschaftlichere Regenwassernutzung. Zudem ist die Trinkwasserversorgung hierzulande weniger von Engpässen betroffen, die in Japan, insbesondere in trockenen Jahren, in Ballungsgebieten zu Schwierigkeiten führen können.

05.10.2015

Zurück