Warum Schottergärten mehr Arbeit machen als gedacht
Die Annahme, Schottergärten seien pflegeleicht, erweist sich in der Praxis oft als Trugschluss. Entgegen der landläufigen Meinung verursachen diese Flächen mit der Zeit mehr Aufwand als standortgerecht bepflanzte Vorgärten.
Achim Kluge, Vizepräsident des Bundesverbands Garten-, Landschaft- und Sportplatzbau (BGL) e.V., bestätigt diese Beobachtung. Eine repräsentative Marktstudie der GfK zeigt, dass die vermeintliche Pflegeleichtigkeit das Hauptmotiv für die Anlage von Schotterflächen ist.
Dabei ist das ein Trugschluss. Denn schon bald fällt organisches Material – also Samen und Blätter – zwischen den Schotter und den Split. Dort verrottet es und bildet eine Humusschicht, die hartnäckigen Unkräutern, aber auch Flechten und Moosen ideale Bedingungen zum Wachsen bietet. Diese dann wieder zu entfernen, gestaltet sich als schwierig und langwierig. Auch das Unkrautvlies hilft dann nichts.
Negative Auswirkungen und kommunale Reaktionen
Versiegelte und verschotterte Vorgärten sind nicht nur arbeitsintensiv, sondern haben auch negative Auswirkungen auf die Umwelt. Sie heizen sich tagsüber stark auf und geben diese Wärme nachts wieder ab, was sich direkt am Haus bemerkbar macht. Zudem nehmen sie Regenwasser nur begrenzt auf und stören den natürlichen Wasserkreislauf.
Das Oberflächenwasser steht somit nicht mehr zur Verdunstung zur Verfügung, was das städtische Kleinklima beeinflusst und die Belastung für Menschen im Sommer, insbesondere in Tropennächten, verstärkt. Darüber hinaus bieten Schotter, Kies und Split der Tierwelt weder Nahrung noch Rückzugsorte. Angesichts des Vogelrückgangs und Insektensterbens gewinnen diese Aspekte an Bedeutung.
Aus diesen Gründen diskutieren immer mehr Kommunen ein Verbot von versiegelten Vorgärten. Einige haben bereits entsprechende Regelungen in Bebauungspläne aufgenommen oder explizite Vorgarten-Satzungen erlassen.
Die Initiative „Rettet den Vorgarten“
Der BGL begrüßt die gesellschaftliche Debatte und die Beachtung des Themas Vorgarten bei Kommunalverantwortlichen.
Trotzdem sind wir davon überzeugt, dass Verbote der falsche Weg sind. Schon 2017 haben wir daher die Initiative ‚Rettet den Vorgarten‘ ins Leben gerufen, mit der wir eben nicht gegen Schottergärten wettern, sondern vielmehr die positiven Wirkungen von abwechslungsreich bepflanzten und individuellen Vorgärten hervorheben.
Pflanzen nehmen Regenwasser auf und verdunsten es über ihre Blätter, wodurch sie die Luft kühlen. Sie binden Feinstaub, produzieren Sauerstoff und bieten Insekten sowie Vögeln Nahrung, Verstecke und Lebensraum. Bäume und hohe Gräser sorgen für Privatsphäre und spenden im Sommer Schatten.
Auch hinsichtlich der Pflegeleichtigkeit sind bepflanzte Vorgärten vorteilhaft. Eine geschickte, flächendeckende Gestaltung mit Bodendeckern und Wildkräutern lässt beispielsweise kaum Raum für unerwünschten Bewuchs.
Es gibt zahlreiche Argumente für Pflanzen und wir möchten Gartenbesitzer lieber überzeugen als dazu beitragen, dass es weitere Vorgaben und Verbote gibt! Dies dürfte gelingen, denn aus der Marktstudie wissen wir, dass auch Besitzer von Schottervorgärten bepflanzte Vorgärten schön finden.
Weitere Informationen zur Initiative „Rettet den Vorgarten“ sind in den sozialen Medien verfügbar.

