Beetpflanzen und Gehölze

Rosenpflege und -auswahl: Einblicke von Volker Kugel

Volker Kugel, Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg, gab wertvolle Hinweise zur Pflege und Auswahl von Rosen. Sein Vortrag beleuchtete die Geschichte, Züchtung und die praktischen Aspekte der Rosenkultur, von der Historie bis zur modernen Sortenvielfalt und den Anforderungen an die Pflege.

Die faszinierende Geschichte und Entwicklung der Rose

Die Ursprünge der Rose werden etwa 2.000 Jahre v. Chr. im Zweistromland oder in Persien vermutet. In Europa waren Rosen lange Zeit selten und dienten in römischen Herrscherhöfen als Statussymbol oder in Klostergärten als Heilpflanzen. Die moderne Rosenkultur, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich etwa 500 Jahre v. Chr. in China. Aus den von dort importierten Rosen entstanden die sogenannten Teerosen, auch Edelrosen genannt.

Die heutige Züchtungstradition begann Anfang des 19. Jahrhunderts in England und Frankreich mit dem Ziel, eine Dauerblüte zu erreichen. Die erste moderne Rose, eine Teehybride, wurde 1867 gezüchtet. Rosen, die vor diesem Zeitpunkt entstanden, werden heute als historische oder alte Rosen bezeichnet. Aktuell gibt es rund 30.000 verschiedene Rosensorten weltweit, wovon etwa 3.500 in Deutschland gehandelt werden, Tendenz steigend.

Rosensorten und ihre Klassifizierung

Rosen lassen sich grob in neun Hauptgruppen unterteilen:

  • Flächen-, Bodendecker- und Zwergrosen
  • Beetrosen
  • Edelrosen (Teerosen)
  • Mehrfach blühende Strauchrosen
  • Einfach blühende Strauchrosen
  • Kletterrosen Climber
  • Kletterrosen Rambler
  • Wildrosen
  • Englische Rosen

Der aufwendige Weg zur neuen Sorte

Die Züchtung neuer Rosensorten ist ein langwieriger Prozess. Zunächst werden zwei Kreuzungspartner ausgewählt, deren gewünschte Eigenschaften kombiniert werden sollen. Dabei wird die Vererbungslehre von Gregor Mendel angewendet. Die Staubfäden einer Rose werden auf die Narbe einer anderen übertragen, und die bestäubten Blüten werden abgedeckt, um Fremdbestäubung zu verhindern. Bildet sich eine Hagebutte, werden die Sämlinge ausgesät und ihr Wachstum genau beobachtet, um gewünschte Eigenschaften zu identifizieren und zu selektieren.

Es dauert in der Regel 8 bis 12 Jahre, mehrere hundert Kreuzungspaare und tausende Sämlinge, bis eine neue Rosensorte marktreif ist. Neue Sorten sind durch einen Sortenschutz von 30 Jahren geschützt, in dem der Züchter Lizenzgebühren für die Vermehrung erhält. In Deutschland erleichtert das Gütesiegel ADR (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung) die Kaufentscheidung, da es besonders robuste und pflegeleichte Sorten auszeichnet. Diese Rosen werden streng auf Blüte, Wuchsform, Duft, Reichblütigkeit, Standfestigkeit, Winterhärte und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten geprüft. In den letzten Jahren sind ungefüllte Rosensorten, die Insekten als Nahrungsquelle dienen, zunehmend gefragt.

Vermehrung durch Okulation

Die Vermehrung gezüchteter Rosen erfolgt hauptsächlich durch Okulation. Dabei werden Augen der Edelrose entnommen und in eine wurzelstarke, winterharte Unterlagensorte eingesetzt und fixiert. Wilde Triebe der Unterlage werden entfernt, sodass nur der Edelreis wächst. Nach zwei Jahren Kulturzeit gelangt die veredelte Rose in den Handel.

Praktische Tipps zur Rosenpflege und -auswahl

Beim Einkauf von Rosen empfiehlt Volker Kugel, auf eine gut durchwurzelte Erde im Topf zu achten, die nach Waldboden riecht. Dies deutet auf einen korrekten Eintopfzeitpunkt und gutes Anwachsen hin. Beim Einpflanzen muss die Veredlungsstelle unter der Erdoberfläche liegen, um Wildtriebe der Unterlage zu vermeiden. Rosen benötigen einen humosen, neutralen und tiefgründigen Boden ohne Torfanteil. Ihre Wurzeln können bis zu 1,50 Meter lang werden, wodurch sie ab dem zweiten Jahr Trockenperioden gut überstehen.

Düngung und Rückschnitt

Der Düngebedarf variiert je nach Rosensorte. Wildrosen benötigen weniger Nährstoffe, während Beet- und Edelrosen als Starkzehrer regelmäßig gedüngt werden müssen. Vor der Saison empfiehlt sich eine Gabe von 60-80 g/m² organisch-mineralischem Volldünger. Nach dem Rückschnitt der ersten Blüte, Ende Juni bis Anfang Juli, wird die halbe Menge erneut ausgebracht.

Historische Rosen werden in der Regel nur für korrigierende Eingriffe zurückgeschnitten. Wildrosen benötigen keinen jährlichen Schnitt, können aber alle paar Jahre ausgelichtet werden. Beet-, Edel- und Bodendeckerrosen hingegen erfordern einen jährlichen, starken Rückschnitt. Dieser kann sich an der Anzahl der Augen orientieren. Nach der ersten Blüte können Rosen auf drei bis sechs Augen zurückgeschnitten werden. Ein stärkerer Rückschnitt führt zu einem kräftigeren, aber späteren Austrieb mit Blüte, während ein schwächerer Schnitt einen früheren, aber schwächeren Austrieb bewirkt. Bei Kletterrosen werden lediglich die dünneren Seitentriebe gekürzt.

Winterschutz

Zum Winterschutz können Rosen eingepackt werden. Dabei sollte auf Plastik verzichtet werden, da sich darunter Feuchtigkeit ansammeln und Pilze fördern kann. Zudem kann es an Sonnentagen zu warm werden, was einen vorzeitigen Austrieb begünstigt. Bei Rosen in Töpfen auf Balkon oder Terrasse ist es wichtig, auch den Topf vor Frost zu schützen.

Pflanzenschutz

Zur Pflanzenstärkung gegen Blattkrankheiten eignen sich Brennnessel- oder Schachtelhalmbrühe, die 1:5 verdünnt gespritzt werden. Diese bilden eine Schicht auf den Blättern, die Sporen und Läuse am Eindringen hindert. Für eine effektive Wirkung muss die Anwendung alle zehn Tage wiederholt werden.

„Die Brühe hält viel länger als die in der Literatur angegebenen drei Monate und sichert im Gegensatz zur Jauche auch den nachbarschaftlichen Frieden!“, so Volker Kugel.

Gegen Läuse helfen auch Spritzmittel auf Kaliseifebasis. Beim Einsatz von Spritzmitteln ist darauf zu achten, diese nicht während der Flugzeit von Bienen und anderen Insekten anzuwenden. Die beste Zeit ist frühmorgens oder abends, jedoch nicht vor einem Regenguss. Stets sind die Anweisungen auf der Packung zu befolgen.

18.06.2022

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