Gefährdung von Wiesen und Weiden durch intensive Landwirtschaft
Die aktuelle Rote Liste gefährdeter Biotoptypen in Deutschland zeigt eine angespannte Situation für knapp zwei Drittel der 863 vorkommenden Biotoptypen. Besonders kritisch ist die Entwicklung im Offenland, insbesondere bei Wiesen und Weiden.
Hingegen wurden positive Entwicklungen bei Küsten-Biotopen sowie an zahlreichen Flüssen und Bächen verzeichnet. Als wesentlicher Faktor für die Gefährdung der Biotoptypen wird weiterhin die intensiv betriebene Landwirtschaft genannt. Die Rote Liste wurde vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz vorgestellt.
Diese Rote Liste ist ein Alarmsignal. Der Zustand von Wiesen und Weiden wird immer schlechter. Das liegt vor allem an der Intensivierung der Landwirtschaft. Die Rote Liste zeigt aber auch, dass sich die Anstrengungen für Natur und Umwelt lohnen. Mit besseren Kläranlagen und Renaturierungsprojekten haben wir es zum Beispiel geschafft, dass es vielen Flüssen und Bächen wieder besser geht. Wir dürfen beim Naturschutz nicht nachlassen. Mit der Naturschutz-Offensive 2020 haben wir schon viel erreicht. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Agrarpolitik endlich ihre Verantwortung für den Naturschutz wahrnimmt.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hob hervor, dass sich die Lage des Grünlandes seit der letzten Roten Liste von 2006 deutlich verschlechtert hat. Auch viele andere Biotoptypen der Kulturlandschaft, wie Streuobstwiesen, sind betroffen.
Zwei Drittel aller Biotoptypen sind in unterschiedlichem Maße vom Verlust bedroht. Bei den in besonderem Maße von einer Nutzung abhängigen Biotoptypen des Offenlandes liegt dieser Anteil mit 79 Prozent sogar noch deutlich höher. Besonders schlecht ist es um das Grünland bestellt. Hier gibt uns zu denken, dass mittlerweile nicht mehr nur die extensiv genutzten Biotoptypen betroffen sind, sondern auch Lebensräume mittlerer Nutzung wie die artenreichen Mähwiesen in die höchste Gefährdungskategorie fallen. Die Folgen dieser Entwicklung spiegeln sich auch im dramatischen Rückgang von Lebewesen der Agrarlandschaft wieder, beispielsweise bei den Feldvögeln wie Feldlerche, Braunkehlchen oder Kiebitz und auch bei den Insekten.
BfN-Präsidentin Beate Jessel betonte, dass die Verschlechterung nicht mehr nur extensiv genutzte Biotoptypen betrifft, sondern auch artenreiche Mähwiesen in die höchste Gefährdungskategorie fallen. Dies korreliert mit dem Rückgang von Lebewesen in der Agrarlandschaft, darunter Feldvögel und Insekten.
Die positiven Entwicklungen bei Küsten-Biotopen und Fließgewässern sind auf Renaturierungsmaßnahmen und verbesserte Kläranlagen zurückzuführen. Allerdings trifft dieser positive Befund aufgrund der Stickstoffbelastung nicht auf das Grundwasser und viele stehende Gewässertypen zu. Die Entwicklung bei vielen Waldbiotopen hat sich stabilisiert, was unter anderem mit einer nachhaltigeren Bewirtschaftung in öffentlichen Wäldern in Verbindung gebracht wird.
Die Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Deutschlands dient als umfassendes Handbuch für die Naturschutzpraxis. Sie informiert über Biotoptypen und ihre Gefährdungen und bildet eine Grundlage für raumrelevante Planungen. Die Bezüge zwischen den Biotoptypen und der Wasserrahmenrichtlinie sowie den Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie wurden aktualisiert. Zudem wurde die Zuordnung der Biotoptypen zu den gesetzlich geschützten Biotopen gemäß § 30 Bundesnaturschutzgesetz grundlegend überarbeitet, wobei erstmals auch die entsprechenden gesetzlichen Regelungen der Bundesländer dargestellt wurden.

