Städteplanung und die Rolle des Klimaschutzes
Seit der BauGB-Klimaschutznovelle 2011 ist die Berücksichtigung von Klimaschutz und Klimaanpassung im Bauplanungsrecht verankert. Das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) herausgegebene „Weißbuch Stadtgrün“ widmet diesem Thema ein eigenes Kapitel. Es betont die Bedeutung von Frisch- und Kaltluftzufuhr in Innenstädten, die Sicherung von Grün- und Freiräumen zur Kühlung, die Gebäudeanordnung in Relation zu Grünflächen, Gebäudebegrünung sowie den Schutz bioklimatisch empfindlicher Personengruppen. Des Weiteren werden Maßnahmen zur Vorsorge vor Starkregen, wie die Rückhaltung von Oberflächenabfluss auf Gebäuden und in Zisternen zur Regenwassernutzung sowie die verbesserte Versickerung von Regenwasser, hervorgehoben.
BdB-Präsident Selders begrüßt die Positionsbestimmung der Bundesregierung im „Weißbuch Stadtgrün“ ausdrücklich.
Der Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V. setzt sich seit Jahren dafür ein, die Leistungen von Grünflächen und Bäumen für die Verbesserung der Luftqualität und des Stadtklimas bei Kommunalverantwortlichen zu sensibilisieren.
Jede große und kleine Grünfläche leistet konkrete Beiträge zu Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger, zum Beispiel durch Frischluftversorgung und Dämpfung des Wärmeinseleffektes, Schattierung und Verdunstung. Wir empfehlen den Kommunen, die Anregungen und Handlungsempfehlungen des Weißbuchs umzusetzen und mit vitalem Stadtgrün Klimarisiken zu begrenzen.
Anforderungen an Qualität und Auswahl von Stadtbäumen
Städtisches Grün kann seine Funktionen für eine klimagerechte Stadtentwicklung nur erfüllen, wenn es gut geplant, richtig gepflanzt und optimal versorgt wird.
Vor allem in der Baumauswahl und -pflege zeigen sich in vielen Städten Unsicherheiten und Defizite. Vielerorts stehen ungeeignete Bäume, die man heute nicht mehr in Städten pflanzen würde. Oft gibt es auch Probleme wegen mangelndem Wurzelraum, Bodenverdichtung oder Schadstoffimmissionen.
Viele Stadtbaumarten leiden unter dem Stadtklima und sind anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Dies führt zu ästhetischen Beeinträchtigungen, wie durch die Kastanienminiermotte oder den Buchsbaumzünsler, sowie zu Problemen mit der Verkehrssicherheit, etwa durch die Massaria-Erkrankung an Platanen. Absterbende Bäume, wie beim Eschentriebsterben, oder sichtbar kränkelnde Gehölze erhöhen den Kontroll- und Pflegeaufwand. In Trockenphasen ist zudem eine regelmäßige Bewässerung notwendig. Die prognostizierten Klimaveränderungen werden diese Situation voraussichtlich verschärfen.
Es kommt heute noch mehr als in der Vergangenheit darauf an, die richtigen Bäume für die richtige Verwendung zu finden. Dabei sind wir Baumschulen die besten Ansprechpartner für die Grünverantwortlichen in den Kommunen und Gebietskörperschaften.
Der BdB engagiert sich im Projekt „Stadtgrün 2021“, das die Stadtbäume der Zukunft erforscht. Baumschulen müssen ihre Stadtbaumsortimente langfristig planen. Das Forschungsprojekt untersucht Baumarten und -formen hinsichtlich ihrer Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitzestress, ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Frost und Spätfrost sowie ihrer Resistenz gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Zusätzlich werden städtebauliche und ästhetische Aspekte wie Wuchsform, Größe und Erscheinungsbild in die Bewertung einbezogen.
