Mini-Ökotope im urbanen Raum: Mehr als nur Grünstreifen
Sinnvoll bepflanzte Inseln tragen, insbesondere in Städten, zur ökologischen Klimaverbesserung bei. Jörg Pfenningschmidt, ein Gärtner und Gartengestalter aus Hamburg, zeigt mit seinen Projekten, wie solche Mini-Ökotope aussehen können. Bereits vor 18 Jahren bepflanzte er auf Wunsch der Städte Verkehrsinseln in Norderstedt und Ahrensburg. Für ihn sind drei Aspekte entscheidend: der Einsatz standortgerechter Pflanzen, die früh blühen und keinen Rückschnitt benötigen.
Pfenningschmidt empfiehlt beispielsweise Wolfsmilchgewächse (Euphorbien), da sie keinen Zwischenschnitt erfordern und auch nach der Blüte ansprechend aussehen. Die Elfenblume (Epimedium) ist zwar niedriger, aber stets präsent. Diese Bepflanzung signalisiert Passanten, dass es sich um eine gestaltete Fläche handelt, was instinktiv vom Betreten abhält.
Pflanzenauswahl und Fernwirkung für ansprechende Kreisverkehre
Gräser stellen eine attraktive Ergänzung dar. Je nach Standort eignen sich höhere Gräser wie der Atlasschwingel (Festuca mairei) oder die wintergrüne Japan-Segge 'Icedance', die als „Superschattenpflanze“ beschrieben wird. Pfenningschmidt betont die Bedeutung einer Bepflanzung mit großer Fernwirkung, die über Laub oder Blüte erzielt werden kann. Als Beispiel für eine Pflanze mit „Wow-Faktor“ nennt er die Salvia nemorosa 'Amethyst', eine Züchtung von Ernst Pagels, die durch ihre Leuchtkraft besticht.
Sowohl Salvien als auch das Ochsenauge (Buphtalmum salicifolium) benötigen Sonne und sind Anziehungspunkte für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Generell sollte bei diesen Flächen, einschließlich Mittelstreifen, auf eine großflächige Wirkung geachtet werden, auch wenn man schnell daran vorbeifährt.
Herausforderungen in Pflege und Fachwissen bei der Gestaltung
Eine pflegeextensive Bepflanzung von Kreisverkehren ist wünschenswert, erfordert jedoch ein hohes Maß an Fachwissen. Pfenningschmidt sieht hierin das Hauptproblem:
Die Stadtplaner wollen durchaus was Schönes machen, es scheitert nicht am Grünflächenamt. Sondern daran, dass es keine Firmen gibt, die das nachhaltig richtig pflegen können.
Um Diversität und Vielfalt zu erhalten, sei Personal notwendig, das wisse, wann und wie kontrollierend eingegriffen werden muss. Viele Pflegekräfte seien nicht an die Arbeit mit Stauden gewöhnt. Es fehle eine neue Generation mit diesem Wissen. Auch mancher Planer sei zu wenig praxisorientiert, was sich in ungeeigneten Maßnahmen wie Bahnschotter als Mulchschicht oder der Pflanzung von Rosen auf einem ein Meter breiten Streifen zeige. Solche Ansätze seien auch für die Pflegekräfte unzumutbar.
Andererseits erfahren Pflegekräfte Wertschätzung, wenn sie in einer ansprechend und sinnvoll angelegten Verkehrsinsel arbeiten. Bürger würden die Arbeit und das Wissen der Gärtner erkennen und schätzen. Begrünte Verkehrsinseln können somit in vielerlei Hinsicht zu einer besseren Lebensqualität in Städten beitragen.
