Naturschutz

Grüne Infrastruktur im Alpenraum: Ein europäisches Netzwerk entsteht

Die EU-Alpenstrategie (EUSALP) unter bayerischem Vorsitz hat sich zum Ziel gesetzt, ein internationales Netzwerk Grüner Infrastrukturen im Alpenraum zu etablieren. Vertreter der Staaten und Regionen legten den Grundstein mit einer gemeinsamen Erklärung.

Initiative für ein grenzüberschreitendes Lebensraumnetzwerk

Der Alpenraum, ein bedeutender europäischer Wirtschaftsraum mit über 80 Millionen Einwohnern und ein wesentlicher Bestandteil des bayerischen Naturerbes, steht im Fokus einer Initiative zur Schaffung Grüner Infrastrukturen. Unter bayerischem Vorsitz hat sich die EU-Alpenstrategie (EUSALP) im Jahr 2017 zum Ziel gesetzt, ein internationales Netzwerk Grüner Infrastrukturen für diese Region zu etablieren. Den Grundstein hierfür legten Vertreter der Staaten und Regionen am 2. Oktober in München während der ersten EUSALP-Umweltministerkonferenz mit einer gemeinsamen Erklärung.

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf, Gastgeberin der Konferenz, betonte die gemeinsame Verantwortung für das "Grüne Dach" Europas:

Wir alle schätzen die Schönheit und Einzigartigkeit der Alpen. Gemeinsam tragen wir Verantwortung für das 'Grüne Dach' Europas. Heute haben wir unsere Kräfte gebündelt: Für Mensch, Natur und Wirtschaft bringen wir ein grenzüberschreitendes Lebensraumnetzwerk auf den Weg. Dafür brauchen wir eine kraftvolle Unterstützung der EU. Grüne Infrastrukturen sind ebenso unverzichtbar wie Verkehrs-, Energie- oder digitale Korridore. Eine intakte Natur und in Jahrhunderten entstandene Kulturlandschaften machen unsere Heimat aus. Sie schaffen Lebensqualität auf dem Land und in den Städten und sind wirtschaftliche Existenzgrundlage für unsere Bergbauernfamilien. Die Einzelprojekte entwickeln wir in enger Partnerschaft mit den Beteiligten vor Ort auf freiwilliger Basis und nur gemeinsam mit Waldbauern, Landwirten und Grundeigentümern.

Das "Grüne Infrastruktur-Netzwerk Alpen" wird als europäisches Modell von sechs Staaten, zehn alpinen Regionen, sechs Städten und drei internationalen Organisationen gemeinsam initiiert. Die Beteiligten appellieren an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission, dieses Netzwerk in EU-Förderprogrammen zu verankern.

Als konkreter erster Schritt wurde im Rahmen der Konferenz ein grünes Städtenetzwerk ins Leben gerufen. Die Städte München, Wien, Turin, Trient und Grenoble streben damit eine enge Zusammenarbeit und einen dauerhaften Austausch an. Grüne Infrastrukturen wie Bergwälder, Flussauen, Moore, nachhaltig bewirtschaftete Almflächen und Flussdeltas in alpinen Seen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Scharf hob die ökonomischen Vorteile hervor:

Die jährliche Bestäubungsleistung durch Bienen in Deutschland ist 2,5 Milliarden Euro wert, auf 500 Millionen Euro im Jahr wird die Wasserreinigung durch Flussauen geschätzt. Intakte Moore speichern durchschnittlich 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar für den Klimaschutz, Bergwälder ersparen viele Millionen Euro für Schutzverbauungen. Diese Leistungen der Natur zu erhalten und weiterzuentwickeln wirft eine hohe Dividende für die kommenden Generationen ab. Das ist Nachhaltigkeit in ihrer reinsten Form.

Im Rahmen der EU-Alpenstrategie entwickeln die EUSALP-Mitgliedstaaten und -regionen grenzüberschreitende Vorhaben. Diese umfassen die Bereiche Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr, Energie sowie Umwelt-, Kultur- und Ressourcenschutz im Alpenraum. Bayern hat 2017 den Vorsitz der Alpenraumstrategie inne und dabei "Grüne Infrastrukturen" als einen Schwerpunkt definiert.

Weitere Themen der EU-Alpenstrategie sind die Vernetzung der Höhenforschungsstationen der Alpen zu einem Virtuellen Alpenobservatorium für die Klimabeobachtung. Ebenso wird die Entwicklung eines 3D-Landschaftsmodells für die gesamten Alpen vorangetrieben, das als Grundlage für Infrastrukturen, präzisere Rettungsdienst- und Katastrophenschutzeinsätze sowie zur Berechnung von Umweltauswirkungen dienen soll. Ein länderübergreifender Bildungsraum für duale Berufsausbildung im Alpenraum gehört ebenfalls zu den Zielen, ebenso wie der Ausbau des grenzüberschreitenden öffentlichen Personennahverkehrs und die alpenweite Vernetzung der Reiseinformationssysteme.

04.10.2017

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