Naturschutz

Gemischtes Bild der Natur in Deutschland: Erfolge im Wald, Defizite in der Agrarlandschaft

Der aktuelle „Bericht zur Lage der Natur“ in Deutschland zeigt ein differenziertes Bild. Während Wälder positive Entwicklungen aufweisen, bleibt die Situation in der Agrarlandschaft kritisch. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und BfN-Präsidentin Beate Jessel stellten die Ergebnisse vor.

Differenziertes Bild des Arten- und Lebensraumzustands

Die Analyse offenbart, dass 25 Prozent der untersuchten Arten in einem günstigen Erhaltungszustand sind, darunter der Seehund, die Kegelrobbe und der Steinbock. 30 Prozent befinden sich in einem unzureichenden Zustand und 33 Prozent in einem schlechten Zustand. Letzteres betrifft insbesondere Schmetterlinge, Käfer und Libellen.

Bei den Lebensräumen zeigen sich ähnliche Tendenzen: 30 Prozent sind in einem günstigen Zustand, wie verschiedene Wald-Lebensräume, alpine Heiden und Fels-Lebensräume. 32 Prozent weisen einen unzureichenden Zustand auf, während 37 Prozent der untersuchten Lebensräume, insbesondere landwirtschaftlich genutzte Grünlandflächen, Seen und Moore, in einem schlechten Zustand sind.

Herausforderungen in der Agrarlandschaft

Besonders besorgniserregend ist die Lage in der Agrarlandschaft. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte, dass hier die Natur „besorgniserregend schlecht“ sei. Dies gelte insbesondere für Schmetterlinge und andere Insektenarten, die auf blütenreiche Wiesen und Weiden angewiesen sind, da diese Ökosysteme in der intensiven Landwirtschaft seltener werden. Auch viele Vogelarten der Agrarlandschaft, wie Kiebitz und Rebhuhn, verzeichnen starke Verluste.

„Artenreiche Wiesen und Weiden verzeichnen sowohl in der Fläche als auch in ihrer Artenvielfalt starke Rückgänge. Dieser Trend setzt sich seit dem ersten nationalen FFH-Bericht im Jahr 2001 ungebrochen fort. Mehr als die Hälfte aller FFH-Grünland-Lebensraumtypen befindet sich in Deutschland in einem ungünstig-schlechten Erhaltungszustand. Der Schutz des Grünlands muss deshalb nicht nur auf europäischer, sondern auch auf nationaler Ebene verbessert werden.“

erklärte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des BfN. Sie hob hervor, dass eine erfolgreiche Schutzarbeit die Natur zu einem Teil der Lösung machen kann, indem renaturierte Feuchtgebiete, intakte Moore und nachhaltig genutzte Wälder zu Klimaschutz und Klimaanpassung beitragen.

Erfolge und zukünftige Maßnahmen im Naturschutz

Erfolge sind vor allem dort sichtbar, wo aktiv in den Naturschutz investiert wird, beispielsweise bei der Renaturierung von Flüssen. Dies wirkt sich positiv auf Tier- und Pflanzenarten, die Wasserqualität und den Hochwasserschutz aus. Demgegenüber hat sich der Zustand von Arten in intensiv bewirtschafteten Lebensräumen weiter verschlechtert, insbesondere bei Insekten und Vogelarten in der Agrarlandschaft.

Schulze wies darauf hin, dass auf vielen Wiesen und Weiden eine intensive Düngung und häufige Mahd deren Wert für die Natur mindern. Sie betonte die Dringlichkeit einer Trendwende und verwies auf erste Schritte wie das neue Düngerecht und das Aktionsprogramm Insektenschutz. Als nächsten Schritt kündigte sie ein Insektenschutzgesetz an, das artenreiches Grünland und Streuobstwiesen besser schützen soll.

Ein wesentlicher Hebel für eine Umsteuerung sei die EU-Agrarförderung. Schulze forderte, dass die Gelder so eingesetzt werden sollten, dass Landwirte für ihre Leistungen im Naturschutz honoriert werden. Die Bedeutung intakter Ökosysteme sei auch im Zuge der Corona-Pandemie stärker in den Fokus gerückt, da das Vordringen in natürliche Ökosysteme das Risiko von Virusübertragungen erhöht.

„Eine Natur mit intakten Mooren, Auen und naturnahen Wäldern ist besser gegen Dürren gewappnet. Eine intakte Natur ist Voraussetzung für eine krisenfeste Gesellschaft.“

so Schulze abschließend.

Hintergrund der Datenerhebung und Bewertung

Bund und Länder bewerten alle sechs Jahre den Zustand der Natur in Deutschland. Die umfassenden Berichte werden von der Bundesregierung an die EU-Kommission übermittelt, um die Anforderungen der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und der EU-Vogelschutz-Richtlinie zu erfüllen. Die Analyse basiert auf Daten, die von ehrenamtlichen Naturschützern und Behörden bundesweit gesammelt wurden. Zwischen 2013 und 2018 wurden in rund 14.000 Stichproben der Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erfasst, die durch die europäischen Richtlinien geschützt sind. Das bundesweite Vogelmonitoring liefert zusätzliche Daten für den Vogelschutzbericht.

19.05.2020

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