Die Grüne Stadt

Die Bedeutung von Stadtgrün für das Wohlbefinden

Städtisches Grün ist entscheidend für das menschliche Wohlbefinden, besonders in Krisenzeiten. Das IÖR betont die fundamentale Bedeutung von Grünflächen für die psychische Gesundheit und Lebensqualität in Städten.

Relevanz von Grünflächen für die Lebensqualität

Die aktuelle Situation hat die Relevanz von städtischem Grün für das menschliche Wohlbefinden verdeutlicht. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) unterstreicht mit seiner Forschung die fundamentale Bedeutung von Grünflächen in Städten, insbesondere in Zeiten von Einschränkungen.

Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass die Pandemie negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung haben kann, indem sie Stress, Ängste, Einsamkeit und Depressionen fördert. In diesem Kontext erweisen sich die Leistungen der Natur, sogenannte Ökosystemleistungen, als entscheidend für Städte und ihre Bewohner.

Erholung durch Stadtnatur

Die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Stadtgrün im unmittelbaren Wohnumfeld ist von großer Bedeutung. Grünflächen wie Parks, Flussauen und Stadtwälder tragen zur Lebensqualität und Erholung bei. Eine Befragung von 286 Dresdner Bürgern im Rahmen des IÖR-Projekts BIDELIN ergab, dass 94 Prozent der Befragten die Erholung in öffentlichem Grün schätzen. 89 Prozent nannten die Verbesserung der Luftqualität als wichtig.

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem den positiven Einfluss von Stadtnatur auf das Wohlbefinden. Vier Fünftel der Befragten fühlen sich in der Natur erholter und entspannter. 70 Prozent fühlen sich zufriedener und glücklicher, 68 Prozent körperlich wohler und die Hälfte der Befragten energievoller.

Erreichbarkeit von Stadtgrünflächen

Damit Stadtnatur ihre positiven Wirkungen entfalten kann, ist eine gute Erreichbarkeit für die Bevölkerung entscheidend. Besonders in Krisenzeiten ist der Zugang zu Grünflächen in fußläufiger Entfernung zum Wohnort wichtig. Der IÖR-Monitor bietet hierfür den Indikator „Erreichbarkeit städtischer Grünflächen“, der den Anteil der Bevölkerung misst, der wohnungs- und quartiersnah öffentliche Grünflächen gut erreichen kann.

Als wohnungsnah gelten Grünflächen ab einem Hektar Größe im Umkreis von 300 Metern Luftlinie. Quartiersnah sind Grünflächen ab zehn Hektar im Umkreis von 700 Metern. Untersuchungen in 182 deutschen Groß- und Mittelstädten mit mindestens 50.000 Einwohnern zeigen, dass rund 80 Prozent der Bevölkerung (25,6 Millionen Menschen) Zugang zu Grünflächen im unmittelbaren Wohnumfeld haben. Etwa 88 Prozent (28 Millionen Menschen) können größere Grünflächen schnell erreichen.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass nicht alle Menschen in Deutschland Zugang zu Stadtgrün in ihrer unmittelbaren Nähe haben. Dies kann, insbesondere in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Nachteile für die psychische Gesundheit mit sich bringen.

Die meinGrün-WebApp

Eine Webanwendung des IÖR, die sich in der Testphase befindet, soll Nutzern helfen, Grünflächen in ihrer Umgebung zu finden. Die meinGrün-WebApp, die zunächst in Dresden und Heidelberg getestet wird, bietet Informationen zur Lage und Ausstattung von Grünflächen, wie beispielsweise Spielplätze, Sitzbänke oder Liegewiesen.

Die App ermöglicht es zudem, den umweltschonendsten Weg zu Fuß oder mit dem Rad zu den Grünflächen zu ermitteln. Dabei werden Routenoptionen angeboten, die nicht nur den kürzesten, sondern auch den grünsten, leisesten oder am besten verschatteten Weg berücksichtigen. Die offizielle Einführung der App in Dresden und Heidelberg ist für Juni geplant.

Konzepte für die Stadtentwicklung

Die aktuelle Situation hat gezeigt, dass eine gute Durchgrünung von Siedlungsgebieten vorteilhaft ist. Gleichzeitig stehen viele Kommunen unter dem Druck, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, oft in den Innenbereichen der Städte. Dies dient der Schonung von Natur und Landschaft am Stadtrand sowie der effizienten Nutzung des Stadtraums. Das Konzept der „kompakten Stadt“ birgt jedoch die Gefahr, dass städtische Grünflächen Bebauung weichen müssen.

Forschende des IÖR haben untersucht, wie die Konzepte der „kompakten Stadt“ und der „grünen Stadt“ miteinander vereinbar sind. In der Zeitschrift „Ecological Indicators“ stellten sie ihr Konzept einer „intelligenten kompakt-grünen Stadt“ vor. Es zeigt auf, dass es möglich ist, auch in kompakten Städten viel Stadtgrün zu erhalten.

19.05.2020

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