Naturschutz

Weltnaturkonferenz: Fokus auf Wiederherstellung von Ökosystemen

Die Bundesministerinnen Svenja Schulze und Steffi Lemke fordern, die Wiederherstellung von Ökosystemen zum zentralen Thema der kommenden Weltnaturkonferenz zu machen. Ziel ist eine globale Vereinbarung, die das Artensterben stoppt und nachhaltige Entwicklung sowie Ernährungssicherheit fördert.

Dringlichkeit der Ökosystem-Wiederherstellung

Die aktuelle Situation ist besorgniserregend: Im Durchschnitt verschwindet alle zehn Minuten eine Art von der Erde. Bundesentwicklungsministerin Schulze betont, dass diese Krise nicht nur Pflanzen und Tiere betrifft, sondern auch den Menschen unmittelbar beeinflusst. Eine intakte Natur ist essenziell, um den Naturgewalten standzuhalten, wie Hitzewellen, Heuschreckenplagen oder Überschwemmungen zeigen.

Die Hungerkrise ist ebenfalls eng mit dem Zustand der Natur verknüpft. Der Schutz und die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme können maßgeblich zur globalen Ernährungssicherheit beitragen. Eine vielfältige und lokal klimaangepasste Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur betrieben wird, schützt zudem vor den Auswirkungen von Weltmarktschwankungen bei Grundnahrungsmitteln wie Weizen oder Mais. Schulze engagiert sich daher im Bündnis für Globale Ernährungssicherheit für nachhaltige landwirtschaftliche Lösungen.

Naturschutz als Klimaschutz und nationale Initiativen

Bundesumweltministerin Lemke hebt hervor, dass das Artensterben neben der Klimakrise die zweite große ökologische Herausforderung darstellt. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, sichtbare Fortschritte im Naturschutz zu erzielen und die Zerstörung der Natur zu stoppen. Die Weltnaturkonferenz wird als nächster Meilenstein auf globaler Ebene angesehen, mit dem Ziel einer ambitionierten globalen Vereinbarung noch in diesem Jahr.

National setzt sich Lemke für die Nutzung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz ein. Mit dem neuen Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz plant die Bundesregierung, natürliche und naturnahe Ökosysteme wie Moore, Auen, Wälder, Grünland sowie marine und Küstenökosysteme zu schützen, zu stärken und wiederherzustellen. Dafür stehen bis 2026 vier Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Maßnahmen sollen den Beitrag der Ökosysteme zum Klimaschutz, zur Anpassung an die Klimakrise und zum Erhalt der Biodiversität sichern und als Beispiel für internationale Verhandlungen dienen.

Verlust der Artenvielfalt und die Rolle der Weltnaturkonferenz

Die Erde hat in ihrer Geschichte noch nie so viele Arten unwiederbringlich verloren wie in der heutigen Zeit. Eine Million der geschätzten acht Millionen Arten sind vom Aussterben bedroht. Mit dem Verlust von Ökosystemen schwindet auch die Fähigkeit der Menschheit, sich zu ernähren oder Klima-Schocks auszugleichen.

Angesichts dieser kritischen Lage soll auf der nächsten Weltnaturkonferenz eine ambitionierte globale Vereinbarung getroffen werden. Diese soll die biologische Vielfalt erhalten und gleichzeitig menschliche Entwicklung sowie eine nachhaltige Nutzung der Natur ermöglichen. Die Bundesregierung setzt sich in den Verhandlungen nicht nur für ambitionierte Ziele, sondern auch für eine effektive Umsetzung ein. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schutz von Naturräumen und der Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. Dabei ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, insbesondere indigener Völker, und die Wahrung ihrer Rechte entscheidend.

Internationale Zusammenarbeit und Finanzierung

An der Dialogveranstaltung nahmen über 100 internationale Partner aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft teil, darunter Elizabeth Mrema (Exekutivsekretärin des UN-Übereinkommens über biologische Vielfalt), Victoria Tauli-Corpuz (Tebtebba Foundation) und Ana María Hernández (Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrats IPBES).

Die Vereinten Nationen haben die Dekade 2021 bis 2030 zur UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgerufen. Die Grundannahme ist, dass die globalen Nachhaltigkeitsziele bis 2030 nur erreicht werden können, wenn die weltweite Zerstörung von Ökosystemen beendet, ihre Erhaltung sichergestellt und ihre Wiederherstellung aktiv angegangen wird.

Deutschland unterstützt die UN-Dekade und die Arbeit der UN-Organisationen FAO und UNEP. Als erstes Land hat Deutschland 14 Millionen Euro für den Treuhandfonds dieser Dekade bereitgestellt. Zudem trägt Deutschland im Rahmen seiner bilateralen Zusammenarbeit mit zahlreichen Projekten zur Wiederherstellung von Ökosystemen weltweit zur Umsetzung der UN-Dekade bei. Der Erhalt und die Wiederherstellung der Natur können nur in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort gelingen.

Indigene und lokale Bevölkerungen sind in besonderem Maße von natürlichen Ressourcen und biologischer Vielfalt abhängig, auch für ihre Ernährungssicherung. Gleichzeitig tragen sie mit ihrem traditionellen Wissen erheblich zum weltweiten Naturschutz bei. Die Sicherung ihrer Nutzungs- und Landrechte ist daher von großer Bedeutung, um den globalen Biodiversitätsverlust zu stoppen.

Beispiele für die Wiederherstellung von Ökosystemen sind die African Forest Landscape Restoration Initiative (AFR100), die das BMZ mit der Renaturierung von mindestens 100 Millionen Hektar wald- oder baumreicher Landschaften bis 2030 unterstützt, und der Weltnaturerbefonds (Legacy Landscapes Fund), der öffentliche und private Gelder für die langfristige Grundfinanzierung von Biodiversitätsgebieten im globalen Süden bündelt. Der „Nature for Health“ Multi-Partner Trust Fund ist ein weiteres Beispiel für integrierte Lösungsansätze, die Mensch und Natur zugutekommen, indem sie zur Vermeidung von Zoonosen und zukünftigen Pandemien beitragen, etwa durch den Erhalt von Ökosystemen als natürliche Schutzbarrieren und die Berücksichtigung von Biodiversität und Klimawandel im One Health-Ansatz.

Um die enormen Herausforderungen zu bewältigen, erhöhten das Bundesentwicklungsministerium und das Bundesumweltministerium ihre Investitionen in den weltweiten Biodiversitätserhalt im Jahr 2021 erstmals auf über 1,1 Milliarden Euro. Damit ist die Bundesregierung einer der größten Geber für den Erhalt der biologischen Vielfalt weltweit.

15.06.2022

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