Diskussion über den Wandel zu zukunftsfähiger Landwirtschaft
Die Plattform „Erneuerbare Antriebsenergie für die Land- und Forstwirtschaft“ diskutierte am 25. Januar 2023 mit Politik und Berufsstand die Voraussetzungen und Potenziale erneuerbarer Antriebsenergien in der Land- und Forstwirtschaft. Die Diskussionsrunde fand im Rahmen des Innovationsforums Landtechnik auf der Internationalen Grünen Woche 2023 statt und fokussierte auf den Wandel zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.
Unter der Moderation von Dr. Edgar Remmele, Abteilungsleiter Erneuerbare Kraftstoffe des TFZ Straubing, tauschten sich Vertreter von CLAAS KGaA mbH, CNH Industrial Deutschland GmbH und John Deere GmbH & Co. KG mit Dr. Hans-Jürgen Froese vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, aus. Thema war die Umsetzung einer Mobilitätswende in der Land- und Forstwirtschaft, wobei die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Branche betont wurde.
Bedeutung flüssiger und gasförmiger Kraftstoffe
Professor Dr. Peter Pickel, Manager External Relations bei John Deere GmbH & Co. KG, hob hervor, dass insbesondere bei mittleren und schweren landwirtschaftlichen Tätigkeiten eine dem Diesel ähnliche Leistungsdichte erforderlich ist. Diese kann kurz- und mittelfristig nur durch flüssige und gasförmige Kraftstoffe bereitgestellt werden.
Nachhaltige Biokraftstoffe wie Pflanzenöl oder Biodiesel sind kurzfristig in diesem und auch noch im nächsten Jahrzehnt die einzige Möglichkeit, die CO2-Emissionen der mobilen Landmaschinen signifikant zu senken, die Krisensicherheit der Landwirtschaft durch Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu erhöhen und gleichzeitig auch die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu verbessern.
Pickel ergänzte, dass die Produktion von Biokraftstoffen an die Erzeugung heimischer Proteinträger wie Rapspresskuchen gekoppelt ist, was Importe aus Übersee reduzieren kann. Elektrischer Strom sieht er erst langfristig, nach 2030, als relevant für schwere Land- und Forstmaschinen an, da elektrifizierte Antriebssysteme dann eine wesentliche Rolle spielen werden.
Klaus Senghaas, Market Leader Alternative Fuels von CNH Industrial Deutschland GmbH, bestätigte diese Einschätzung. Er betonte, dass das gemeinsame Ziel von Landwirtschaft und Landmaschinenindustrie darin besteht, klimaneutral und unabhängig von fossilen Energien nachhaltig Nahrungsmittel zu erzeugen. Die Entwicklung von Technologien für den Einsatz und die Produktion erneuerbarer Energien sei daher ein wichtiger Bestandteil der New Holland DNA.
Allerdings, so Senghaas, erschweren fehlende Infrastruktur wie Gasaufbereitungsanlagen und Biomethan-Tankstellen im ländlichen Raum sowie bürokratische Hürden und langwierige Genehmigungsverfahren die Einführung dieser Technologien. Er nannte den Biomethantraktor oder den batterieelektrischen T4 Traktor als Beispiele für bereits entwickelte und teilweise im Produktportfolio befindliche Lösungen.
Herausforderungen bei alternativen Antriebskonzepten
Patrick Ahlbrand, Senior Manager Product Strategy von CLAAS KGaA mbH, bestätigte, dass ein vielseitiges Spektrum erneuerbarer Antriebsenergien notwendig sein wird, um künftige Versorgungsbedürfnisse zu decken. Die größte Herausforderung bei alternativen Antriebskonzepten sei die Sicherstellung notwendiger Reichweiten bei praxistauglichem Gewicht und Bauraum.
Angesichts der Notwendigkeit weiterer Produktivitätssteigerungen zur Ernährungssicherung wird die Verwendung nachhaltiger, flüssiger Kraftstoffe aufgrund ihrer hohen Energiedichte auch im nächsten Jahrzehnt für mittel bis schwere mobile Anwendungen unerlässlich sein. Lösungen auf Wasserstoff- oder batterieelektrischer Basis schränken die erforderliche Arbeitszeit drastisch ein und begrenzen das Anwendungsspektrum auf leichte Arbeiten im Teillastbereich und hofnahes Arbeiten.
Die aktuelle Mobilitätsdebatte konzentriert sich stark auf E-Mobilität und Wasserstofftechnologie. Für Maschinen, die schwere oder intensive Arbeiten verrichten, ist jedoch eine hohe Leistungsdichte erforderlich. Um den Konsequenzen der Klimakrise unmittelbar zu begegnen, müssen alle sinnvollen und möglichen Maßnahmen ergriffen werden.
Forderungen an die Politik
Michael Horper, Vorsitzender der Plattform „Erneuerbare Antriebsenergie für die Land- und Forstwirtschaft“ und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, forderte eine Revision politischer Entscheidungen. Er wies darauf hin, dass Biokraftstoffe, die in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden, bis Ende 2021 mit 45 Cent pro Liter entlastet wurden.
Seit 1. Januar 2022 wird für Biokraftstoffe keinerlei steuerliche Entlastung mehr gewährt, die Energiesteuer für Biokraftstoffe beträgt somit 47,04 Cent je Liter. Dadurch ergibt sich die aus Klimaschutzaspekten absurde Situation, dass nachhaltig zertifizierte Biokraftstoffe eine hohe Steuerbelastung haben und somit einen entscheidenden preislichen Wettbewerbsnachteil bekommen. Das ist ein unhaltbarer Zustand und muss von der Bundesregierung korrigiert werden. Genauso wie die Aussagen von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und Bundesumweltministerin Steffi Lemke, dass Biokraftstoffe keine Zukunft haben sollen.
Die Plattform „Erneuerbare Antriebsenergie für die Land- und Forstwirtschaft“ wurde im Mai 2016 gegründet. Sie ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Verbänden, Landtechnikunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Ziel, den Einsatz erneuerbarer Antriebsenergien in der Land- und Forstwirtschaft zu steigern.
