Beetpflanzen und Gehölze

Späte Stauden für Insekten – die Blütenpracht geht in die Verlängerung

Nach dem Frühsommer lässt der Flor in vielen Gärten spürbar nach. Es fehlt nicht nur an Farbe, sondern auch an Nahrung für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Dabei gibt es zahlreiche Stauden, die bis weit in den Herbst hinein blühen und Beete wie Insektenbuffet gleichermaßen beleben. Für den Garten- & Landschaftsbau sind sie ein wichtiger Baustein, um Pflanzflächen dauerhaft attraktiv und ökologisch wertvoll zu gestalten.

Späte Blüher schließen die Blütenlücke

Blüten machen Freude – und im Idealfall ergänzen sich Frühstarter und Spätzünder so, dass im Garten über die gesamte Saison hinweg Knospen aufgehen. Besonders wertvoll sind Stauden, die neben Zierwert auch reichlich Pollen und Nektar liefern. In gut sortierten Staudengärtnereien finden sich viele solcher Arten. Kordula Becker kultiviert gemeinsam mit ihrem Mann Martin in der „Staudengärtnerei Becker“ in Dinslaken eine breite Auswahl spät blühender Stauden, die Schönheit und Nutzen verbinden.

„Es gibt so viele Insektenarten, die von späten Stauden profitieren – nicht nur Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, sondern auch Käfer und Schwebfliegen“,

sagt Becker. Besonders spannend findet sie es, gezielt zu beobachten, welche Arten sich an welchen Pflanzen einfinden. Die Bergminze (Calamintha nepeta) zieht etwa die Große Wollbiene an. Sie blüht von Juli bis September, verströmt einen frischen Duft und ist zugleich robust und pflegeleicht.

Vielfalt statt Lücken im Beet

Späte Stauden sind ideale Verbündete, um die Blütenlücke nach dem Frühsommer zu schließen. Das gelingt vor allem durch eine durchdachte Mischung. Heimische Wildarten wie Schlüsselblumen oder Margeriten sind wichtige Früh- und Frühsommerblüher. Sind sie verblüht, übernehmen oft Stauden aus Nordamerika die Versorgung der Insekten: Purpur-Sonnenhut, Astern, Staudensonnenblumen oder Vernonie gehören zu den klassischen Spätzündern.

Viele dieser Arten bevorzugen sonnige Standorte. Doch auch für den Halbschatten gibt es bewährte Insektenmagnete. Oktober-Silberkerzen gedeihen dort zuverlässig und setzen mit ihren weißen Blüten helle Akzente. Ebenso etabliert sind weiße Sorten der Japan-Anemone, die aus Fernost stammen und längst fester Bestandteil im Sortiment moderner Staudengärtnereien sind.

Attraktiv bis in den Winter

Nach der Blüte ist für viele Stauden noch lange nicht Schluss. Statt zum Rückschnitt greift Kordula Becker bewusst nicht sofort zur Schere. Samenstände von Vernonie (Vernonia crinita), Hoher Fetthenne (Sedum telephium) und anderen Spätblühern besitzen hohen Zierwert – besonders, wenn sie von Raureif überzogen in der Wintersonne glitzern. Gleichzeitig bieten hohle Stängel wichtigen Insekten wie Florfliegen oder Marienkäfern Winterquartiere.

Auch Vögel profitieren: In der kalten Jahreszeit dienen Samenstände als Nahrungsquelle, etwa für den als Stieglitz bekannten Distelfinken.

Der Trick mit dem Schnitt

Einige insektenfreundliche Stauden lassen sich zu einer zweiten Blüte animieren. Wird nach der Hauptblüte im Sommer ein Rückschnitt etwa eine Handbreit über dem Boden vorgenommen, treiben sie erneut aus. Das funktioniert zuverlässig bei Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), Duftnessel (Agastache) und Katzenminze (Nepeta). Die Stängel der Nachblüte bleiben über den Winter stehen und werden erst im Frühjahr entfernt – ein Gewinn für Optik und Insekten gleichermaßen.

23.07.2023

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