BfN-Kolloquium zu Naturschutz und Energiewende
Die politischen Rahmenbedingungen im Energiesektor, wie der Pariser Klimavertrag und das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017, stellen den Naturschutz vor zunehmende Herausforderungen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) greift diese Thematik im Rahmen seines Themenschwerpunktes „Naturschutz und erneuerbare Energien“ auf. Ein Vernetzungskolloquium beleuchtete kürzlich das Spannungsfeld zwischen Landschaftswandel, Klimaschutz und räumlicher Planung.
In Bonn kamen 60 Wissenschaftler aus ganz Deutschland zusammen, um 31 Forschungsvorhaben zu diskutieren. Im Fokus standen aktuelle Ansätze und Handlungsbedarfe aus Naturschutzsicht. Das Kolloquium mit dem Titel „Was war, was ist, was kommt?“ untersuchte die Auswirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien in den letzten zwei Jahrzehnten auf die Fläche, aktuelle Fragen im Kontext von Naturschutz und Energiewende sowie zukünftige Anforderungen an den Naturschutz bis 2050.
Im Natur- und Artenschutz verfügen wir heute über ein breit entwickeltes Instrumentarium von Vorgaben, Methoden und Maßnahmen. Dieses können wir im Kontext der Energiewende nutzen, um die wichtigen und richtigen Impulse zu setzen und den Ausbau der erneuerbaren Energien naturverträglich zu gestalten. So lassen sich Synergien für Mensch, Natur und die Versorgung mit regenerativen Energien erzielen. Denn nur bei Betrachtung aller Schutzbedürfnisse und wenn wir einen ausbalancierten Interessenausgleich vornehmen, wird ein Wandel zur Energielandschaft auch als ein Aspekt von Heimat Akzeptanz finden.
Dies betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel bei der Eröffnung der Veranstaltung. Der Themenschwerpunkt des BfN verbindet dabei spezifische artenschutzfachliche Fragestellungen mit der Entwicklung übergeordneter Szenarien. Dadurch werden Einschätzungen kumulativer Wirkungen von Ausbauzielen und -szenarien auf Natur- und Artenschutz sowie auf soziokulturelle Dimensionen wie Landschaftsbild und Heimat ermöglicht. Schwerpunkte bilden der Schutz empfindlicher Landschaften und naturschutzfachlich wichtiger Räume, der frühzeitige Einsatz von Planungsinstrumenten zur Konfliktvermeidung, die Weiterentwicklung umweltverträglicher Techniken im Anlagenbau sowie die Schaffung ökologischer Vorrangflächen.
Leitthemen im Forschungsfeld
Das Bundesamt für Naturschutz fördert im Rahmen seines Themenschwerpunktes „Naturschutz und erneuerbare Energien“ Forschungsprojekte zu verschiedenen Leitthemen.
Energielandschaft
Mehrere Projekte beschäftigen sich mit dem Thema „Landschaftsbild und Energiewende“. Hierbei wird untersucht, welche sichtbaren Entwicklungen in Landschaften zu erwarten sind und worauf bei der Gestaltung von Energielandschaften zu achten ist. Planerische Herangehensweisen und Mitwirkungsmöglichkeiten der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund. Auch die Bewertung des Landschaftsbildes bildet einen Schwerpunkt.
Natur- und Lebensräume
Um die Auswirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien auf Lebensräume und Arten zu reduzieren, ist deren genaue Benennung und Bewertung entscheidend. Das Projekt „Naturschutzfachliche Begleitung der Energiewende im Strombereich“ erforscht mittels Entwicklungsanalysen, Fallstudien und biologischen Indikatoren, wie sich unterschiedliche Nutzungsformen der Energiewende großräumig auf die biologische Vielfalt auswirken.
Artenschutz
Erneuerbare-Energien-Anlagen können Gefahren für besonders geschützte Arten darstellen. Eine Reihe von Vorhaben untersucht, wie Vögel, Fledermäuse oder Fische durch verschiedene Anlagen beeinträchtigt werden und wie dies rechtlich zu bewerten ist. Zudem geht es darum, wie Beeinträchtigungen in der Praxis vermieden oder gemindert werden können. Ein Beispiel hierfür ist das Vorhaben „Vorher-Nachher-Untersuchungen an Windenergieanlagen (WEA) im Wald zur Ermittlung der Auswirkungen auf Fledermausvorkommen“.
Methoden und Steuerungsansätze
Die Planung von Energieanlagen oder Stromtrassen ist vielschichtig. Ein Forschungsfeld widmet sich der Frage, wie Naturschutz- und Energiewirtschaftsanforderungen bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden können. Das Projekt „Energiekonzepte und Naturschutz“ untersucht beispielsweise, wie auf kommunaler und regionaler Ebene Naturschutzaspekte in die Klimaschutzplanungen integriert werden können.
Erfassung und Monitoring
Um auf Beeinträchtigungen von Tieren und Lebensräumen durch erneuerbare Energien reagieren und Wirkungsprognosen verbessern zu können, müssen die Auswirkungen bestehender Anlagen und Nutzungen systematisch beobachtet und eingeschätzt werden. Das Projekt „Vogelzug über dem offenen Meer“ (BIRDMOVE) erforscht beispielsweise die potenziellen Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf Zug- und Rastvögel.
