Positive Effekte von Stadtgrün auf das Klima
Die positiven Beiträge von städtischem Grün zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz wurden beispielsweise an einer Grünfassade in Wien nachgewiesen. Die sommerliche Verdunstung der Pflanzen an der 850 Quadratmeter großen Fassade erbrachte eine Kühlleistung, die etwa 45 Klimaanlagen entspricht. Gleichzeitig reduzierte sich der winterliche Wärmeverlust des Gebäudes um 50 Prozent.
Stadtgrün trägt auch zur Anpassung an den Klimawandel bei. Parks fungieren als „grüne Lunge“, während offene Grünflächen und -schneisen als Frischluftentstehungsgebiete die Luftqualität verbessern. Sie filtern Luftschadstoffe und Feinstaub und leiten Kaltluft aus dem Umland in die Stadtzentren.
Grünflächen und Gründächer sind bei Starkregenereignissen wichtige Wasserspeicher, die die Kanalisation entlasten und Überschwemmungen vorbeugen. Blaue Strukturen wie Flüsse, Bäche oder Teiche verbessern das Stadtklima, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen und für Kühlung sorgen. Fluss- und Auenrenaturierungen dienen der Wasserrückhaltung und können Hochwasserspitzen abmildern, wodurch das Schadenspotenzial in städtischen Räumen reduziert wird. Diese naturbasierten Ansätze sind oft kostengünstiger als rein technische Lösungen.
Ein Beispiel hierfür ist der „Green Infrastructure Plan“ von New York City, dessen Umsetzung Berechnungen zufolge 1,5 Milliarden US-Dollar weniger kostet als eine rein „graue“ Strategie.
Vielfältige Funktionen der Stadtnatur für die Lebensqualität
Über die Beiträge zum Klimaschutz und zur Klimaanaanpassung hinaus erfüllt die städtische Natur weitere Funktionen. Dazu gehören Luftreinhaltung, Lärmminderung, Naherholung, Sport und Naturerfahrung sowie die Unterstützung der psychischen und körperlichen Gesundheit.
Sie fördert das nachbarschaftliche Miteinander und die Integration sozialer und kultureller Milieus, sowie die ortsnahe Produktion von Lebensmitteln, wie die vielen neuen Initiativen unter anderem der ,urban-gardening‘ Bewegung zeigen. Natur spielt eine große Rolle bei der Bewertung der Attraktivität einer Stadt und wirkt sich als Standortfaktor positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Insgesamt erhöhen sich durch mehr Grün in der Stadt die Lebensqualität und das Wohlbefinden.
Diese sogenannten Ökosystemleistungen der Stadtnatur werden in einem Forschungsprojekt des BfN namens „Naturkapital Deutschland“ systematisiert und qualitativ sowie monetär bewertet. Die Bedeutung von Stadtgrün wurde auch im Grünbuch des Bundesumweltministeriums beschrieben, dem sich die Erarbeitung des Weißbuches „Grün in der Stadt“ anschließt. Dieses soll im Frühjahr 2017 vorgestellt werden und Handlungsempfehlungen sowie Umsetzungsmöglichkeiten enthalten.
Hintergrund und Konferenz zu naturbasierten Lösungen
Rund drei Viertel der Europäer leben in Städten, Tendenz steigend. In Deutschland sind es etwa 60 Prozent der Einwohner. Städte heizen sich aufgrund ihrer dichten Bebauung und hohen Flächenversiegelung schneller auf und kühlen langsamer ab. Dies führt zu einem „Wärmeinsleffekt“, bei dem die Temperaturen in Innenstädten nachts bis zu elf Grad Celsius höher sein können als im Umland. Der Klimawandel verstärkt diesen Effekt und führt zu einer Zunahme von Extremereignissen wie Hitzewellen, die Gesundheitsgefährdungen verursachen können. Zudem steigt in Städten das Schadensrisiko durch Starkregenereignisse und Hochwasser.
Die europäische Konferenz „Nature-based solutions to climate change in urban areas and their rural surroundings“ fand vom 17. bis 19. November 2015 in Bonn statt. Sie wurde vom BfN in Kooperation mit dem Netzwerk der Europäischen Naturschutzbehörden (ENCA) und dem Umweltforschungszentrum (UFZ) / Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) durchgeführt. An der dreitägigen Veranstaltung nahmen 230 Experten aus Forschung, Politik und Praxis teil, darunter Vertreter der EU-Kommission, der Leiter der Europäischen Umweltagentur und Wissenschaftler. Die Konferenz erörterte naturbasierte Lösungsansätze, um daraus politische Handlungsempfehlungen abzuleiten und die vielfältigen positiven Effekte von mehr Grün in der Stadt zu verdeutlichen.
