Naturschutz

Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft seit zwei Jahrzehnten konstant hoch

Die deutsche Landwirtschaft verzeichnet seit 20 Jahren einen konstant hohen Stickstoffüberschuss, wie das Umweltbundesamt berichtet. Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung steigen die Werte, was zu erheblichen Umweltbelastungen führt und Deutschland unter Druck der EU setzt.

UBA-Bilanz zeigt anhaltende Umweltbelastung

Die deutsche Landwirtschaft weist weiterhin einen erheblichen Stickstoffüberschuss auf. Dies geht aus der aktuellen Stickstoffflächenbilanz des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die Daten bis zum Jahr 2017 berücksichtigt.

Der durchschnittliche Stickstoffüberschuss der Flächenbilanz liegt bei 77 Kilogramm pro Hektar (kg/ha) und hat sich in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Besonders in Kreisen mit intensiver Tierhaltung in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden Zuwächse verzeichnet. Die hohe Stickstoffzufuhr resultiert aus dem Einsatz von Mineraldünger und Gülle. Zusätzlich tragen Gärreste aus der Biogaswirtschaft bei, die mittlerweile etwa 15 Prozent der in der Landwirtschaft verwendeten Stickstoffmenge ausmachen.

Diese Situation hat Deutschland durch Untätigkeit selbst verschuldet. Wer so lange viel zu wenig tut, darf sich nicht wundern, wenn die EU-Kommission gerichtlich auf die Einhaltung der Regeln pocht.

Dies erklärte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. Deutschland wurde 2018 vom Europäischen Gerichtshof wegen Verstößen gegen die Nitratrichtlinie verurteilt und zu wirksamen Minderungsmaßnahmen verpflichtet.

Die 2017 novellierte Düngegesetzgebung wurde von der EU-Kommission als unzureichend bewertet und muss daher erneut überarbeitet werden.

Wird Deutschland nicht aktiv, drohen empfindliche Strafzahlungen an die EU – und es bleibt bei hohen Belastungen für Mensch und Umwelt.

So Krautzberger weiter. Stickstoff (N) ist ein essenzieller Bestandteil aller Lebewesen und wird in der Landwirtschaft zur Ertragssteigerung eingesetzt. Ein Übermaß an ausgebrachtem Stickstoff beeinträchtigt jedoch Gewässer, Klima, Luftqualität und die Biodiversität erheblich.

Seit über 20 Jahren lässt das UBA den Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft berechnen. Für die nationale Flächenbilanz werden die Stickstoffmengen erfasst, die durch Düngung, Saatgut und aus der Luft auf landwirtschaftliche Flächen gelangen, sowie die Menge, die mit der Ernte entzogen wird. Die Differenz stellt den Stickstoffüberschuss dar, der zur Gewässerbelastung beiträgt.

Die aktualisierte regionale Flächenbilanz ist neben der Stall- und Biogasbilanz eine Teilgröße der Stickstoff-Gesamtbilanz. Der Stickstoffüberschuss aus der Flächenbilanz trug im Mittel der Jahre 1995 bis 2017 zu 73 Prozent zum Gesamtüberschuss bei. Die Stickstoffmenge, die im Mittel 2015 bis 2017 in Biogasanlagen gelangte und als Gärrest ausgebracht wurde, betrug rund 574.000 Tonnen, was 15 Prozent der gesamten in der Landwirtschaft verwendeten Stickstoffmenge entspricht. Im Vergleich dazu lag der Anteil der Mineraldünger im gleichen Zeitraum bei 46 Prozent der insgesamt verwendeten Stickstoffmenge. Erstmals wurden somit die regionalen Auswirkungen der Biogaserzeugung auf die Stickstoffflächenbilanzen systematisch erfasst.

Stickstoffüberschüsse können durch gezielte Maßnahmen reduziert werden.

Dafür muss der Stickstoff in der Gülle und in den Gärresten aus Biogasanlagen so ausgebracht werden, dass er nicht als Ammoniak in die Luft entweicht und von den Pflanzen besser aufgenommen werden kann. Dann könnte synthetischer Stickstoffdünger eingespart werden. Dort, wo hohe Nitratgehalte das Grundwasser belasten, kann eine Begrenzung der Tierhaltung und eine Reduzierung der Stickstoffdüngung sinnvoll sein.

Empfiehlt Krautzberger. Im Mittel der Jahre 2015 bis 2017 stand in Deutschland einer Zufuhr von insgesamt rund 226 Kilogramm Stickstoff pro Hektar (kg N/ha) landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) eine Abfuhr von etwa 149 kg N/ha LF (65,8 Prozent) gegenüber. Dies bedeutet, dass 77 kg/ha Stickstoff überschüssig auf den Feldern verbleiben und in die Umwelt gelangen, was 34,2 Prozent der gesamten Stickstoffzufuhr entspricht. Regional variiert der Flächenbilanzüberschuss zwischen 51 kg N/ha LF in Brandenburg und 108 kg N/ha LF in Niedersachsen.

Durch die Nährstoffberichte für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein konnte erstmals der Transfer von Wirtschaftsdüngern zwischen Kreisen und Bundesländern in der Stickstoffbilanz berücksichtigt werden. In Regionen mit intensiver Tierhaltung führten Gülletransporte in einigen Kreisen zu einer Verringerung der Stickstoffüberschüsse, während in den aufnehmenden Kreisen, wie in den Ackerbauregionen im östlichen Niedersachsen und im südlichen Nordrhein-Westfalen, die Bilanzsalden erhöht wurden.

10.12.2019

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