Herausforderungen und Lösungsansätze für den Handel
Die Studie „Vitale Innenstädte 2020“, basierend auf einer Passantenbefragung in über 100 Städten und Gemeinden, unterstreicht die anhaltende Bedeutung des stationären Einzelhandels für die Attraktivität von Innenstädten. Um diese Attraktivität zu erhalten und zu steigern, sind neben der Schaffung von Erlebnisräumen auch verbesserte Rahmenbedingungen für den stationären Handel notwendig.
Dazu gehört der Abbau von Ungleichheiten zwischen Online- und lokalem Handel, beispielsweise durch die Einführung einer Produktversandsteuer. Zudem ist eine flexiblere Gestaltung der Ladenöffnungszeiten erforderlich, um der 24/7-Verfügbarkeit des Onlinehandels zu begegnen. Dies schließt in gewissem Umfang auch zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ein.
Gestaltung und Nutzungsmischung als zentrale Faktoren
Attraktiv gestaltete Innenstädte für alle Altersgruppen, ein hoher Erlebniswert und der Einzelhandel bleiben entscheidende Stellschrauben. Eine gute Nutzungsmischung aus Handel, Gastronomie, Kultur- und Freizeitangeboten sowie Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten ist daher essenziell. Der Weg in die Innenstadt soll auch zukünftig ein Erlebnis sein.
Hierzu tragen gestalterisch gelungene Einkaufsstraßen, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, gute Wegebeziehungen zwischen den Einzelhandelslagen, ein gut ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und ein ausreichendes Parkplatzangebot bei. Nicht zuletzt sind die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit maßgebliche Faktoren.
Digitale Angebote des stationären Handels, einschließlich Vor-Ort-Lieferservices, können das Gesamtangebot ergänzen. Um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, benötigen Städte und Gemeinden schnelle und unbürokratische Unterstützung. Ein vom Bund finanzierter „Innenstadtfonds“ könnte hier wichtige Impulse setzen.
Kommunen sollten insbesondere bei Schlüsselimmobilien einen verbesserten Zugriff erhalten und temporär in den Grunderwerb oder in eine Miete einsteigen können. Dies würde die Umsetzung neuer Nutzungskonzepte und kreativer Ideen erleichtern.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Zukunftsaufgaben
Zukünftig gilt es, Innenstädte und Ortskerne an den Erfordernissen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz auszurichten und umzugestalten. Mehr Grün und mehr Wasser sowie weniger Asphalt und Beton sollen für ein besseres Mikroklima und eine höhere Lebensqualität sorgen. Innenstädte sind die Visitenkarte einer Stadt oder Gemeinde und stellen für die Menschen Identifikationsfaktor, Heimat und wichtige Orte der Begegnung dar.
Bund und Länder sind gefordert, die Kommunen bei dieser Aufgabe weiterhin zu unterstützen. Die zusammenfassende Studie „Vitale Innenstädte 2020“ ist im Shop des IFH KÖLN erhältlich.