Naturschutz

Bestandsrückgänge bei Brutvögeln in Deutschland

Eine aktuelle Studie zeigt besorgniserregende Bestandsrückgänge bei Brutvögeln in Deutschland. Jede dritte Art ist betroffen, wobei besonders häufige Arten überproportional leiden. Dies verdeutlicht den Verlust der Artenvielfalt in der Normallandschaft.

Dramatische Entwicklung der Brutvogelbestände

Die Situation der heimischen Brutvogelwelt hat sich seit Ende der 1990er Jahre verschlechtert. Jede dritte in Deutschland brütende Vogelart verzeichnete Bestandsrückgänge. Eine Studie zeigt, dass 26 Prozent der Arten in den letzten zwölf Jahren moderat oder stark abnehmende Bestände aufwiesen. Unter Einbeziehung leicht abnehmender Bestände waren es sogar 34 Prozent. Dies stellt eine weitere Verschlechterung gegenüber den bereits rückläufigen Trends der letzten 25 Jahre dar.

In den letzten zwölf Jahren wiesen 26 Prozent der Arten moderat oder stark abnehmende Bestände auf. Zählt man die Arten mit leicht abnehmenden Beständen dazu, waren es sogar 34 Prozent. Dies zeigt eine weitere Verschlechterung gegenüber den ebenfalls schon abnehmenden Bestandstrends der letzten 25 Jahre.

In den letzten Jahren brüteten regelmäßig 248 einheimische Vogelarten in Deutschland. Die Liste der Brutvögel umfasst insgesamt 305 Arten, darunter 13 ausgestorbene und 24 unregelmäßig brütende Arten sowie 20 regelmäßig brütende Neozoen. Jährlich brüten in Deutschland 70 bis 100 Millionen Vogelpaare, wobei 80 Prozent auf 22 Arten entfallen. Die häufigsten Arten sind Buchfink, Amsel und Kohlmeise. Diese Ergebnisse stammen aus der Studie „Vögel in Deutschland 2013“.

Besorgniserregend ist, dass bestandsstarke und weit verbreitete Arten überproportional von den Rückgängen betroffen sind. Nahezu jede zweite der häufigen Brutvogelarten mit Beständen über 100.000 Paaren in Deutschland nahm in den letzten 25 Jahren zumindest leicht, oft aber moderat oder stark ab.

Dass vor allem häufige und weit verbreitete Arten wie Feldlerche und Bluthänfling zu den Verlierern gehören, verdeutlicht den derzeit bundesweit feststellbaren Verlust der Artenvielfalt in der Normallandschaft.

Bei vielen seltenen oder selten gewordenen Arten wie Steinkauz oder Trauerseeschwalbe konnten durch aufwändige Artenhilfsmaßnahmen Erfolge erzielt und die Bestandssituation verbessert werden. Schutzbemühungen sind insbesondere wirksam, wenn kleine Restbestände oder einzelne Individuen mit hohem Aufwand geschützt werden. Bei den häufigeren Arten ist es bisher nicht gelungen, die Gefährdungsursachen zu kontrollieren. Für einen erfolgreichen Vogelschutz sind wirksamere Maßnahmen und Programme in der Fläche, insbesondere in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten sowie im Siedlungsbereich, erforderlich. Die Ausweisung und das Management von Schutzgebieten sowie gezielte Artenhilfsmaßnahmen ergänzen einen solchen Vogelschutz.

Überwinternde Wasservögel im Vergleich

Die Bilanz bei den in Deutschland überwinternden Wasservögeln fällt im Vergleich zu den Brutvögeln positiver aus. Über 25 Jahre lag der Anteil an Arten und Unterarten mit stark oder moderat rückläufigen Beständen bei 15 Prozent, weitere vier Prozent zeigten leichte Rückgänge. 28 Prozent der Arten wiesen starke oder moderate, weitere fünf Prozent leichte Bestandszunahmen auf. Ähnliche Anteile von Zu- und Abnahmen zeigen sich über die letzten zwölf Jahre.

Trotz der verhältnismäßig positiven Gesamtsituation besteht auch hier in einigen Fällen dringender Handlungsbedarf. Im Fokus stehen beispielsweise Zwergschwan, Waldsaatgans oder Eisente, die weltweit stark zurückgegangen sind und von denen erhebliche Populationsanteile in Deutschland überwintern. Die internationalen Arten-Aktionspläne müssen deshalb vor allem in Deutschland konsequent umgesetzt werden.

Viele Arten zeigen im Winter einen positiveren Trend als unter Einbeziehung aller Jahreszeiten mit relevanten Rastbeständen. Eine wesentliche Ursache sind die überwiegend milden Winter der letzten Jahre, die zu einer zunehmenden Überwinterungsneigung führten, also einer Verschiebung der Überwinterungsgebiete nach Nordosten. Nur etwas mehr als ein Fünftel der in Deutschland regelmäßig während des Zuges auftretenden Wasservögel erreicht im Winter das Bestandsmaximum. Die positiveren Trends im Winter dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch für weitere Arten internationaler Handlungsbedarf besteht, insbesondere bei vielen für das Wattenmeer charakteristischen Arten.

Hintergrund und Methodik der Studie „Vögel in Deutschland 2013“

Der Bericht „Vögel in Deutschland 2013“ bietet einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation von Brutvögeln und überwinternden Rastvögeln in Deutschland. Schwerpunkt der Publikation ist der nationale Bericht nach Artikel 12 der EU-Vogelschutzrichtlinie, dessen Auswertungen nun vorliegen. Er enthält aktuelle Informationen zu Bestandsgrößen und Trends aller Brutvögel und der regelmäßig überwinternden Wasservögel.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich in der europäischen Biodiversitätsstrategie für 2020 verpflichtet, den Erhaltungszustand der Vogelarten zu verbessern: Bis 2020 sollen 50 Prozent mehr Vogelarten in einem guten oder verbesserten Zustand sein als 2010. Wichtigstes Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist die Vogelschutzrichtlinie. Zur Bewertung der Wirksamkeit der Umsetzung mussten die Mitgliedstaaten 2013 erstmals detailliert Auskunft über die Bestandssituation der heimischen Vogelarten geben. Der Bericht für Deutschland wurde in Zusammenarbeit zwischen Fachbehörden und Fachverbänden von Bund und Ländern erarbeitet, innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und im Dezember 2013 an die EU-Kommission übergeben.

Für die Publikation „Vögel in Deutschland 2013“ wurden einige der im Bericht enthaltenen Informationen aktualisiert. Wesentliche Basis für die Datenzusammenstellung sind die von mehreren tausend Ehrenamtlichen im bundesweiten Vogelmonitoring erhobenen Daten. Diese wurden zusammen mit Informationen der Behörden zu einem einheitlichen Datenbestand über die Vogelwelt Deutschlands zusammengeführt. Die Publikation „Vögel in Deutschland“ wird jährlich gemeinsam von der Länderarbeitsgemeinschaft staatlicher Vogelschutzwarten, dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und dem Bundesamt für Naturschutz herausgegeben.

17.10.2014

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