Erfolgreicher Abschluss nach 13 Jahren Förderung
Das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Rhönhutungen“ wird nach 13 Jahren Förderung Ende 2015 beendet. Das Projekt umfasste Kerngebiete von etwa 3.500 Hektar und zielte darauf ab, eine Kulturlandschaft der Vorderrhön langfristig zu sichern. Von den rund sechs Millionen Euro für die Fördermaßnahmen in den Kerngebieten stellte der Bund etwa 4,5 Millionen Euro bereit.
Im Rahmen des Projekts wurden rund 440 Hektar charakteristischer Biotope der Vorderrhön, darunter Trocken- und Halbtrockenrasen, Wacholderheiden, Kahlheiden und Steintriften, entbuscht. Dies diente der Befreiung von Gehölzaufwuchs. Ein zentrales Ziel war die Wiederherstellung des Verbunds ausgedehnter Kalkmagerrasen. So konnten großflächige Schafweiden, sogenannte Hutungen, wieder miteinander verbunden werden.
Die Durchgängigkeit dieser Hutungsbänder ist wichtig, um besonders schützenswerte Trockenbiotope durch extensive traditionelle Beweidung mit Schafen und Ziegen in ihrem kulturlandschaftstypischen Zustand zu erhalten. Diese wiedergewonnenen Grünlandlebensräume bieten Überlebensmöglichkeiten für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählen Orchideen- und Enzianarten wie Ohnhorn, Einknollige Honigorchis oder Kreuzenzian sowie Schmetterlingsarten wie die Berghexe und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der Schutz dieser Lebensräume durch ein angepasstes Beweidungsmanagement soll die langfristige Erhaltung dieser Naturschätze der Vorderrhön gewährleisten.
„Mit der im Projekt geleisteten Arbeit ist es gelungen, großflächig einen Ausschnitt der Kulturlandschaft zu erhalten und zu sichern, wie er für das Landschaftsbild der Vorderrhön typisch ist.“
Dies erklärte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), anlässlich der Festveranstaltung zum Projektabschluss.
„Die Erfolge des Naturschutzgroßprojektes belegen die Notwendigkeit des Grundsatzes, Schützen durch Nutzen` für vom Menschen geschaffene, extensiv genutzte Lebensräume in unseren Kulturlandschaften.“
Prof. Jessel ergänzte, dass die langfristige Sicherung artenreicher Kalkmagerrasen wie die der thüringischen Rhön nur mit der traditionellen Schafbeweidung möglich sei. Solche Grünlandflächen seien prägende Elemente in der Kulturlandschaft und besäßen einen hohen ästhetischen Wert. Die Bewahrung dieser Naturqualitäten hänge davon ab, wie konsequent dieser Grundsatz weiterhin verwirklicht werde. Nach Projektabschluss liegt die Verantwortung für die Thüringer Rhönhutungen beim Freistaat Thüringen und beim Landschaftspflegeverband „Biosphärenreservat Thüringische Rhön“ e.V. als Projektträger.
Hintergrund der Bundesförderung
Das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Rhönhutungen“ ist eines von 77 Vorhaben, die der Bund als „gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzgroßprojekte“ im Rahmen des Förderprogramms „Chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ finanziert oder noch fördert. Dieses Programm unterstützt die Bundesländer seit 36 Jahren mit dem Ziel, großflächige und besonders wertvolle Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen langfristig zu sichern. Bislang wurden 57 Vorhaben erfolgreich abgeschlossen.
In den aktuell 20 laufenden Naturschutzgroßprojekten werden unter anderem Fachplanung, Flächenerwerb, Naturschutzmaßnahmen und Projektmanagement finanziert. Die beteiligten Bundesländer und Projektträger verpflichten sich zudem zu einem nachhaltigen Schutz und einer naturverträglichen Entwicklung des Projektgebietes, auch über die begrenzte Bundesförderung hinaus.
