Herausforderungen und Anforderungen an Graberden
Ein neues Projekt zur Unterstützung der gärtnerischen Praxis beim Torfausstieg hat im Oktober begonnen. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) begleitet vier Friedhofsgärtnereien bei der schrittweisen Reduktion des Torfanteils in Graberden.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Vorhaben bis 2025 im Rahmen des beschlossenen Torfausstiegs über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). Im Juli 2022 veröffentlichte das BMEL die offizielle Torfminderungsstrategie, die auch den Handlungsbedarf im Friedhofsgartenbau aufzeigt. Graberden müssen spezifische Anforderungen erfüllen.
Auf Friedhöfen sind ästhetische Aspekte von Bedeutung: Die Erden sollen dunkel und feinkrümelig sein. Zudem müssen sie ein gutes Wasserspeichervermögen aufweisen, um lange Gießintervalle zu ermöglichen, und bei wechselnder Bepflanzung über das Jahr hinweg strukturstabil bleiben. Diese Punkte sind bei der Substitution der aktuell oft hohen Schwarztorfanteile in Graberden zu berücksichtigen.
Im Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) TorfFrie reduzieren vier Friedhofsgärtnereien den Torfeinsatz auf Modellflächen schrittweise bis auf null. Dabei dokumentieren sie die Optik, den Arbeits- und Materialaufwand und bewerten den Umstieg auf Torfersatzstoffe ökonomisch. Die Betriebe orientieren sich bei der Gestaltung der Demoflächen an den Richtlinien und Pflanzenempfehlungen des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, was eine gute Übertragbarkeit der Ergebnisse gewährleisten soll.
Wissenschaftliche Begleitung und Wissenstransfer im Projekt
Die HSWT koordiniert die Arbeiten, begleitet sie wissenschaftlich und ist für den Wissenstransfer zuständig. Die Hochschule führt Wachstumsversuche typischer Friedhofspflanzen in Substraten mit einem Torfanteil von unter 25 Prozent durch. Dies dient der Beratung der Betriebe und der Risikominimierung. Zusätzlich untersucht die HSWT das Wasserhaltevermögen und das Sackungsverhalten torfreduzierter und torffreier Graberden. Aus Pietätsgründen können diese Messungen nicht direkt auf den Friedhöfen stattfinden.
Die vier beteiligten Friedhofsgärtnereien befinden sich in Süddeutschland. Ihre ausgewählten Modellflächen repräsentieren jedoch eine breite Palette an Standortbedingungen, wodurch die Ergebnisse auf andere Regionen Deutschlands übertragbar sind. Als Torfersatzstoffe sollen primär Holzfasern, Grüngutkompost, Rindenhumus und Ton zum Einsatz kommen.
