Früher Erfolg bei der Torfreduktion
Die deutsche Substratindustrie hat ihre selbstgesteckten Ziele zur Torfminderung für das Jahr 2025 bereits vorzeitig erreicht. Dies geht aus der jährlichen Datenerhebung des Industrieverbandes Garten (IVG) e.V. für das Produktionsjahr 2021 hervor. Die Auswertung umfasst die Produktion und den Torfeinsatz bei Substratherstellern.
Im Jahr 2021 wurden in Deutschland rund 12 Millionen Kubikmeter Substrate produziert, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Der Torfanteil in Blumenerden für den deutschen Markt sank auf 48 Prozent, verglichen mit 55 Prozent im Vorjahr. Damit wurde das Ziel der Selbstverpflichtung, den Anteil von Torfersatzprodukten in Blumenerden bis 2025 auf 50 Prozent zu erhöhen, übertroffen.
„Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Diskussion um den Rohstoff Torf hat die Substratindustrie in den letzten Jahren viel bewegt und erreicht“, sagt Philip Testroet, Referent Gartenbau und Umwelt beim IVG.
Im Bereich der Profisubstrate liegt der Anteil an organischen und mineralischen Torfersatzprodukten konstant bei etwa 22 Prozent. Das ursprüngliche Branchenziel sah eine Torfersatzquote von 20 Prozent bis 2025 und 30 Prozent bis 2030 vor. Das erste Etappenziel wurde somit erreicht.
Herausforderungen für die weitere Torfreduktion
Trotz der Erfolge sieht die Branche die weitere Torfreduktion vor Herausforderungen. Die aktuelle Situation ist geprägt von gestiegenen Energie- und Logistikkosten sowie einer zunehmenden Rohstoffknappheit. Alternative Ausgangsstoffe wie Holz und Rinde werden vermehrt energetisch genutzt, und Lieferketten sind gestört. Einige Unternehmen sind zudem von ihren Bezugsquellen aus Osteuropa abgeschnitten.
„In der aktuell angespannten Situation in Bezug auf Energie- und Logistikkosten scheint eine weitere Torfreduktion im Erwerbsgartenbau schwer umsetzbar“, so Testroet.
Für die Betriebe im Erwerbsgartenbau ist die Kultursicherheit der Substrate von zentraler Bedeutung. Die Produkte müssen ihre Funktion erfüllen und zu einem einwandfreien Ergebnis in der Pflanzenaufzucht führen. Dies verlangsamt die Entwicklung weiterer Torfersatzprodukte, da die Hersteller unter erschwerten Bedingungen qualitativ hochwertige Substrate liefern und dafür mehr Rohstoffe benötigen.
„Es ist davon auszugehen, dass die Geschwindigkeit der Torfminimierung nun abnehmen wird, da die Substrate unbedingt allen qualitativen und rechtlichen Anforderungen entsprechen müssen. Die Verfügbarkeit der Torfersatzprodukte ist mit zunehmender Nachfrage ein stark verzögernder Faktor“, erklärt Testroet.
Forderungen an die Politik
Die Branche hat in den vergangenen zwei Jahren wenig aktive politische Unterstützung erfahren. Die Selbstverpflichtung zur Torfminderung enthielt bereits Forderungen nach notwendigen politischen Maßnahmen. Ein neues Positionspapier des IVG soll den aktuellen Stand bewerten und einen klaren Auftrag an die Politik formulieren.
„Umso erfreulicher und beeindruckender ist das jetzige Ergebnis, welches ohne weitreichende politische Unterstützung erreicht wurde“, stellt Testroet heraus.
Angesichts der aktuellen Umstände sieht sich die Branche außerstande, eine Prognose für den weiteren Verlauf der Torfreduzierung abzugeben.
