Klima- und Umweltschutz, Naturschutz

Torfmoose: Alternative zum Weißtorf und Chance für ehemalige Hochmoore und Klimaschutz

21.01.2011

Biomasse von Torfmoosen eignet sich aufgrund ihrer Eigenschaften als Kultursubstrat und damit als potenzieller Torf-Ersatz im Gartenbau. Mit dem Anbau von Torfmoosen könnte man zudem degradierte Hochmoor-Standorte aufwerten und Treibhausgasemissionen reduzieren. Inwieweit dieser Ansatz im großflächigen, betriebswirtschaftlichen Maßstab umsetzbar ist, soll nun ein dreijähriges Vorhaben der Universitäten Greifswald und Rostock mit zwei Praxispartnern klären. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger.

Torfmoos-Anbau als Alternative zum Torfabbau

Deutschland ist europaweit der größte Verbraucher von Torf und Hersteller von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau. Doch die Vorräte an diesem Rohstoff sind in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft. Deshalb importiert die Branche zunehmend Torf aus Nord- und Osteuropa – was wiederum die Existenz der dortigen Hochmoore bedroht.

Eine Alternative wäre die Nutzung degradierter Hochmoorflächen in Deutschland für den Anbau von Torfmoosen (Sphagnum). Deren Biomasse besitzt ähnliche physikalische und chemische Eigenschaften wie Weißtorf und eignet sich als Kultursubstrat für den Gartenbau.

Klimaschutz durch Torfmoos-Kulturen

Ein solcher Anbau im größeren Stil wäre zugleich ein Beitrag zum Klimaschutz. Denn in herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Mooren mineralisiert der entwässerte Torf und setzt große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von CO₂ frei. Entwässerte Moore verwandeln sich so von Kohlenstoffsenken zu Emittenten erheblicher Mengen an CO₂ und Lachgas.

Für den Anbau von Torfmoosen würden die Flächen gezielt wiedervernässt. Damit würde die Mineralisierung stark verringert und gleichzeitig eine teilweise Wiederbelebung des Hochmoor-Charakters ermöglicht – inklusive Wiederansiedlung von Torfmoosen und standorttypischen, teilweise seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Perspektiven für die Landwirtschaft

Torfmoos-Kulturen bieten der Landwirtschaft interessante Chancen: Böden trockengelegter Moore degradieren zunehmend und eignen sich langfristig immer weniger als Acker- oder Weideland. Mit Torfmoos entstünde zudem ein neues, nachhaltig produziertes Produkt für die Vermarktung.

In einem vom BMELV geförderten Vorläuferprojekt wurde die Torfmoos-Anzucht bereits erfolgreich erprobt – im Gewächshaus und auf kleinen Freilandflächen. Das gewonnene Substrat eignete sich hervorragend für die Kultivierung von Zierpflanzen wie Weihnachtssternen und Alpenveilchen.

Feldversuch im Hankhauser Moor

Die positiven Ergebnisse sollen nun auf zwei jeweils 1,5 Hektar große Versuchsflächen im niedersächsischen Hankhauser Moor übertragen werden. Die Flächen sind entwässerte Hochmoore, die bislang als intensives Grünland genutzt wurden. Sollte der in diesem Umfang weltweit einmalige Feldversuch erfolgreich verlaufen, plant einer der Praxispartner eine kommerzielle Nutzung des Ansatzes.

Beteiligte Institutionen

  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Koordination)
  • Universität Rostock (Treibhausgas-Bilanz)

Praxispartner

  • Torfwerk Moorkultur Ramsloh
  • Deutsche Torfgesellschaft mbH
Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

OT Gülzow - Hofplatz 1
18276Gülzow-Prüzen
Deutschland

Tel.:+49 3843 6930-0
Fax:+49 3843 6930-102

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