Forschungsprojekt „IntegSaat“ und seine Ziele
Die Rolle von Totholz bei der Etablierung und Entwicklung gesäter Eichen und Tannen sowie die Machbarkeit einer Bodenbearbeitung bei verbleibendem Totholz sind zentrale Forschungsfragen. Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersuchen diese Aspekte in Zusammenarbeit mit der Stadt Hildburghausen in Thüringen.
Das Projekt „IntegSaat“ wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Waldklimafonds gefördert. Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts zur Integration von Totholz in die Saatverfahren von Weißtanne und Stiel-Eiche. Auf Dauerbeobachtungsflächen im Stadtwald Hildburghausen werden die Auswirkungen des verbleibenden Totholzes auf die Entwicklung der Saat, das Mikroklima, den Boden und die Pflanzendiversität quantifiziert. Ein weiterer erwarteter Effekt ist der zusätzliche Schutz der Sämlinge vor Wildverbiss.
Im Rahmen des Vorhabens wird zudem der Einsatz von Kleinraupen als Zugmaschine für Streifenpflüge und Saatmaschinen auf Waldumbauflächen mit Totholz erprobt. Dabei werden die arbeitstechnische Handhabung sowie bodenökologische und ökonomische Aspekte bewertet und mit Erfahrungen aus dem Einsatz von Zugpferden verglichen. Das auf der Fläche verbleibende Totholz stellt für Zugpferde eine physische Belastung dar, was alternative Zugmittel erforderlich macht.
Ein weiteres Projektziel ist die Ableitung standortspezifischer waldbaulicher Handlungsempfehlungen zur Direktsaat von Stiel-Eiche und Weißtanne, die boden- und naturschutzfachliche Faktoren berücksichtigen. Im Gegensatz zur Pflanzung ermöglicht die Saat eine ungestörte Wurzelentwicklung, wodurch Wasser- und Nährstoffvorräte in tieferen Bodenschichten und auf schwierigeren Standorten besser erschlossen werden können. In der Praxis wird das Saat-Verfahren aufgrund geringer Kenntnisse der technischen Umsetzung und ökologischer Bedingungen (z. B. Humusgehalt, Luftfeuchte, Temperatur, Bodenvegetationszustand) bisher selten angewendet.
Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Projekt begann am 1. November 2021. Die Saat von Weißtanne und Stiel-Eiche erfolgt in den Wintern 2021 und 2022 auf zwölf Flächen mit einer Gesamtgröße von 24 Hektar.
Hintergrund und Bedeutung von Totholz
Die Erhöhung des Totholzanteils in Wäldern wird aus Biodiversitäts- und Klimaschutzgründen angestrebt. Bei bisherigen Saatverfahren wurde Totholz zur Flächenvorbereitung auf Rückgassen abgelegt. Totholz umfasst stehende und liegende abgestorbene Bäume oder Teile davon. Es dient als wichtiges Biotop für zahlreiche Tier-, Pilz- und Pflanzenarten und trägt als kurzfristiger Kohlenstoffspeicher zum Klimaschutz bei.
Während des Zersetzungsprozesses werden gespeicherter Kohlenstoff und Nährstoffe freigesetzt. Ein Teil des Totholzes trägt mittelfristig zum Humusaufbau der Mineralböden bei und kann sich günstig auf das Mikroklima in Waldbeständen auswirken. Für den Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern bietet sich auf vielen Standorten eine Mischung mit Eichen und Weißtanne an.
Die Weißtanne gilt als waldökologisch und holztechnologisch sinnvoller Ersatz für die Fichte und ist gut als Mischbaumart geeignet. Eine Einbringung über Naturverjüngung ist bei Weißtanne und Eichenarten in Gebieten mit Fichtenmonokulturen oft nicht möglich, da Mutterbäume kaum vorhanden sind. Zudem wird die Etablierung durch Wildverbiss häufig stark eingeschränkt.
Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv und unterstützt auch Vorhaben der Förderrichtlinie Waldklimafonds von BMEL und BMU.
