Naturschutz

Treibhausgasbilanzierung in der Landwirtschaft: Experten diskutieren Klimaschutzmaßnahmen

Das Experten-Netzwerk THeKLa fördert den Wissenstransfer im Klimaschutz in der Landwirtschaft. Auf der ersten Jahrestagung tauschten sich führende Akteure aus Wissenschaft und Praxis über Treibhausgasbilanzierung und praxisrelevante Maßnahmen aus.

Wissenstransfer und neue Emissionsfaktoren

Das Experten-Netzwerk THeKLa fördert den Wissenstransfer im Bereich Klimaschutz in der Landwirtschaft. Auf der ersten Jahrestagung „Wissen.Schafft.Klimaschutz – Treibhausgasbilanzierung und praxisrelevante Maßnahmen für die Landwirtschaft“ tauschten sich führende Akteure aus Wissenschaft und Praxis aus. Über 100 Interessierte nahmen an der zweitägigen virtuellen Veranstaltung teil.

Ein zentrales Thema der Tagung waren die Lachgasemissionen, die als das klimarelevanteste Treibhausgas in der Landwirtschaft gelten. Dr. Roland Fuß vom Thünen Institut für Agrarklimaschutz präsentierte einen neuen, spezifischen Emissionsfaktor zur Berechnung direkter Lachgasemissionen aus landwirtschaftlichen Böden in Deutschland. Dieser Faktor berücksichtigt Bodenart und Witterung und variiert regional.

Für Deutschland soll künftig ein Emissionsfaktor von 0,6 % der ausgebrachten Stickstoffmenge bilanziert werden, anstelle des global üblichen Faktors von 1 %. Dr. Fuß erläuterte, dass die Vorjahresschätzung 2020 für die Landwirtschaft, die 66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente betrug, bei Anwendung der neuen Methodik um 4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente niedriger ausgefallen wäre. Der neue Faktor soll ab 2022 in der Berichterstattung für die Treibhausgas-Inventare der Landwirtschaft verwendet werden.

Eine weitere Methode zur Reduzierung von Lachgasemissionen ist der Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren. Dr. Reiner Ruser von der Universität Hohenheim zeigte auf, dass diese den Stickstoff im Dünger stabilisieren und die Freisetzung von Lachgasemissionen um bis zu 35 % mindern können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Beratung eine Schlüsselrolle zukommt, um den Wissensstand zu Klimaschutz und Energieeffizienz auf landwirtschaftlichen Betrieben zu erhöhen. Hierbei kommen verschiedene Treibhausgas-Tools zum Einsatz, die auf der Tagung vorgestellt wurden.

Dr. Christine von Buttlar von der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt wies darauf hin, dass es bislang an einer Erfolgskontrolle für die Umsetzung der Maßnahmen fehle. Dr.-Ing. Daniela Dressler, Leiterin der Abteilung Systembewertung Nachwachsende Rohstoffe am Technologie- und Förderzentrum (TFZ), betonte in ihrem Abschlussvortrag, dass das Ergebnis einer Treibhausgas-Bilanz maßgeblich von den getroffenen Annahmen und Festlegungen abhängt. Die unterschiedlichen Methoden zur Bilanzierung erschweren die Vergleichbarkeit der Ergebnisse.

Bei der Bepreisung von Klimaschutzmaßnahmen durch CO2-Zertifikate brauchen wir zukünftig eine einheitliche Methode für die Berechnung der Treibhausgase.

Trotz der Notwendigkeit einer einheitlichen Methode für die Bepreisung von Klimaschutzmaßnahmen, kamen die Teilnehmer in der Abschlussdiskussion zu dem Ergebnis, dass die eingesetzten Treibhausgas-Tools mit ihren unterschiedlichen methodischen Ansätzen für die Beratung auf landwirtschaftlichen Betrieben weiterhin ihre Berechtigung haben.

Die Tagung wurde im Rahmen des bundesweiten Experten-Netzwerks Treibhausgasbilanzierung und Klimaschutz in der Landwirtschaft (THeKLa) durchgeführt, dem führende Forschungseinrichtungen angehören. Die Projektleitung liegt beim Technologie- und Förderzentrum (TFZ). Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Projekt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

17.11.2021

Zurück