Deutsche Bevölkerung fordert mehr staatliches Engagement
Eine repräsentative Umfrage des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Frühjahr 2010, an der 2008 Personen teilnahmen, zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung mehr staatliches Engagement im Umweltschutz fordert. Fast zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) wünschen sich, dass der Staat verstärkt für den Umweltschutz eintritt. Eine ähnliche Mehrheit von 61 Prozent befürwortet eine Führungsrolle Deutschlands in der internationalen Klimaschutzpolitik.
Die Zustimmung zu einem konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien ist mit 85 Prozent besonders hoch. Auch das Ziel der Erhöhung der Energieeffizienz erfährt eine breite Akzeptanz. Etwa drei Viertel der Befragten erwarten vom Staat, dass er durch strengere Gesetze und die Streichung umweltschädlicher Subventionen maßgeblich zum Umweltschutz beiträgt.
Die Umfrage widerlegt Befürchtungen, dass die Finanzkrise den Umweltschutz in den Augen der Menschen in Deutschland weniger wichtig machen würde.
Neben dem Staat richten sich hohe umweltpolitische Erwartungen auch an die Wirtschaft. Rund 90 Prozent der Befragten sehen große Potenziale bei Industrie und Energieversorgern, durch umweltfreundlichere Produktion zum Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Etwa 85 Prozent sind der Meinung, dass die Automobilindustrie durch die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge einen wesentlichen Beitrag leisten kann.
Auch die eigene Handlungsmöglichkeit wird von einer Mehrheit der Befragten gesehen. Zwischen 58 und 68 Prozent der Bevölkerung sehen die Chance, durch umweltfreundliches Konsumverhalten, weniger Autonutzung oder weniger Flugreisen einen Beitrag zu leisten. Zwei Drittel der Befragten geben an, gezielt Produkte zu kaufen, die die Umwelt wenig belasten. Über die Hälfte boykottiert Produkte von Firmen, die nachweislich umweltschädlich agieren.
Trotz des bekundeten Umweltbewusstseins spiegelt sich dieses nicht durchgängig im Umweltverhalten wider. So haben lediglich acht Prozent der Deutschen bislang auf Ökostrom umgestellt. Die Umweltbewusstseinsstudie 2010 nutzt erneut das Milieumodell des Sinus-Instituts, um Unterschiede im Umweltbewusstsein und -verhalten aufzuzeigen.
Besonders das Sozialökologische Milieu zeigt sich konsistent umweltinteressiert. Sozial benachteiligte und eher konservativ eingestellte Milieus erkennen zwar die Notwendigkeit von Umwelt- und Klimaschutz, sind jedoch oft zurückhaltender bei umweltpolitischen Forderungen und Handlungsbereitschaften. Generell sehen Menschen mit niedrigeren Einkommen seltener große Umweltschutz-Potenziale bei den Akteuren.
Milieuspezifische Unterschiede zeigen sich auch bei kulturellen Innovationen. Jeder vierte Autofahrer, insbesondere jüngere und gut gebildete Personen, Frauen und Westdeutsche, findet Car-Sharing attraktiv. Die Hälfte der Bevölkerung würde die Möglichkeit begrüßen, Gegenstände des täglichen Bedarfs wie elektrische Haushaltsgeräte, Gartengeräte oder Renovierungsutensilien gegen Gebühr im Wohnumfeld auszuleihen. Hier sind gut Gebildete und Personen mit höherem Einkommen stärker vertreten.
Der Anteil der Engagierten im Umwelt- oder Naturschutz hat sich von vier Prozent im Jahr 2008 auf neun Prozent in der aktuellen Umfrage mehr als verdoppelt. Mitglieder von Umwelt- und Naturschutzverbänden sind häufig gut gebildet und verfügen über ein hohes Haushaltsnettoeinkommen.
