Organisationen, Pflanzen und Pflanzenteile

Dr. Jürg Huber zum Präsidenten der IBMA gewählt

Dr. Jürg Huber, Experte für biologischen Pflanzenschutz, wurde zum Präsidenten der IBMA gewählt. Er setzt sich für die Stärkung biologischer Lösungen und eine differenzierte Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ein.

Hubers Vision für den biologischen Pflanzenschutz

Ein zentrales Anliegen Hubers ist die Stärkung des Bewusstseins für biologische Lösungen im Pflanzenschutz.

Wir wollen im Bewußtsein der Öffentlichkeit, Politiker und Produzenten verankern, dass es vielfältige und gut bewährte ökologische Lösungen gibt.

Er begrüßt die bevorstehende EU-Verordnung zum Pflanzenschutz, die schärfere Kontrollmechanismen einführt. Gleichzeitig fordert er eine Differenzierung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.

Unser Ziel ist, Pestizidrückstände in Obst und Gemüse zu vermeiden - die neue EU Verordnung unterstützt dieses Anliegen. Aber sie sollte unterscheiden zwischen gefährlichen und weniger gefährlichen Mitteln.

Huber kritisiert, dass die neue EU-Regelung auch Mittel wie Rapsöl oder Backpulver mit demselben bürokratischen Aufwand kontrolliert.

Es muss ein Unterschied bei der Zulassung zwischen Produkten mit geringen und mit großen Risiken geben, sonst explodieren die Kosten für die Zulassung und werden für die Hersteller biologischer Mittel untragbar. Somit kann sich eine nachhaltige Lebensmittel-Produktion nicht durchsetzen, da die dafür notwendigen biologischen Pflanzenschutzmittel dann nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können.

Es sei im öffentlichen Interesse, dass natürliche Pflanzenschutzmittel zügig den Markt erreichen.

Finanzierung und Förderung des Biopflanzenschutzes

Huber verweist auf den US-amerikanischen "IR4"-Fonds, der Unternehmen im Nischensegment Biopflanzenschutz finanziell unterstützt. Dieser Fonds fördert sowohl den Registrierungsprozess als auch die Forschung. In den USA wurde erkannt, dass forschungsintensive Entwicklungen im Biopflanzenschutz, wie lebende Organismen oder Produkte auf Basis von Mikroorganismen und Pflanzenextrakten, patentrechtlich oft nicht schützbar sind und einen geringen kommerziellen Output haben.

Eine Reduzierung der Umweltbelastung ist nur erreichbar, wenn auch in Europa nach dem Vorbild der USA öffentliche Ressourcen für die Bio-Forschung bereitgestellt werden und die Zulassung für entsprechende Mittel vereinfacht wird.

Über die IBMA

Die IBMA ist der Dachverband der Hersteller biologischer Pflanzenschutzmittel. Sie vertritt Anbieter und Produzenten von biologischen Pflanzenschutzmitteln und Nützlingen in Deutschland und Österreich. Mit 170 Mitgliedern weltweit versteht sich die IBMA als Ansprechpartner für nachhaltigen und biologischen Pflanzen- und Vorratsschutz.

Werdegang von Dr. Jürg Huber

Der aus der Schweiz stammende Entomologe Dr. Jürg Huber leitete 19 Jahre lang das Darmstädter Fachinstitut der ehemaligen Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), heute Julius Kühn-Institut (JKI). Bereits 1974 konnte Huber am Beispiel des Apfelwicklers nachweisen, dass biologische Methoden, wie der Einsatz des Granulose-Virus, vergleichbare Erfolge wie Insektizid-Spritzungen erzielen können. Für seine Arbeiten zur biologischen Bekämpfung des Apfelwicklers wurde ihm 2005 die Karl-Escherich-Medaille verliehen, die höchste Ehrung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE).

16.12.2010

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