Herausforderungen und Lösungsansätze im UV-Schutz am Bau
In der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen ist das Bewusstsein für die Gefahren von UV-Strahlung hoch. Eine aktuelle Umfrage der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) zeigt, dass über 90 Prozent der Befragten die Risiken kennen. Dennoch gibt es in der Praxis Probleme bei der Anwendung von Schutzmaßnahmen.
Von den fast 2.500 Befragten gaben 96 Prozent an, die gesundheitlichen Gefährdungen durch UV-Strahlung zu kennen. 85 Prozent erachteten Sonnenschutz bei Arbeiten im Freien als wichtig. Über vier Fünftel der Teilnehmer arbeiten mehr als 50 Tage zwischen April und September im Freien und sind somit ohne geeignete Schutzmaßnahmen besonders gefährdet. Die BG BAU hatte im Frühjahr bekannt gegeben, dass weißer Hautkrebs im Jahr 2020 die häufigste angezeigte Berufskrankheit war, mit steigender Tendenz.
„Nicht das Warum ist heutzutage das Problem beim persönlichen Sonnenschutz, sondern das Wie“, sagt Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU angesichts der Ergebnisse der Umfrage. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass das Bewusstsein für die Risiken ultravioletter Sonnenstrahlen vorhanden ist – und das über alle Branchen und Gewerke sowie alle Altersstufen hinweg. Aber praktische Probleme, mangelndes Wissen sowie fehlende Routinen verhindern die konstante Anwendung von Schutzmaßnahmen.“
Beim persönlichen Schutz nutzen 60 Prozent der Befragten Sonnencremes und gut 15 Prozent tragen lange Kleidung. Probleme bei der Verwendung von Sonnencremes sind fehlende Zeit zum Eincremen oder das Haftenbleiben von Staub und Dreck auf der Haut. Lange Kleidung wird oft als zu warm empfunden. Die Beschäftigten wünschen sich Lösungen, die auf ihre Praxis abgestimmt sind.
Im Arbeitsschutz gilt das TOP-Prinzip, bei dem technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen haben. Die Umfrage liefert auch hierzu Erkenntnisse. Demnach sollten der technische und organisatorische Arbeitsschutz weiter ausgebaut werden. Sonnensegel oder -schirme sind auf Baustellen noch nicht weit verbreitet. Nur 21 Prozent der Unternehmen stellen laut Befragten im Sommer Sonnenschirme oder ähnliche Überdachungen zur Verfügung, obwohl deren Einsatz, beispielsweise für Pausenzeiten, keinen großen Aufwand bedeutet. Die BG BAU unterstützt die Anschaffungskosten finanziell.
Organisatorische Maßnahmen wie wechselnde Arbeiten in der Sonne und im Schatten sind Alternativen, die aktiv bei Bauarbeiten oder Reinigungstätigkeiten im Freien umgesetzt werden sollten. Es gibt bereits viele passende Lösungen, wie spezielle Funktionsshirts mit UV-Schutz, deren Anschaffung die BG BAU durch Arbeitsschutzprämien fördert. Diese Shirts schützen nicht nur vor schädlichen Strahlen, sondern kühlen auch und verringern die einzucremenden Hautflächen sowie die Vorbereitungszeit.
„Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass die verstärkten Beratungs- und Medienangebote der letzten Jahre Wirkung zeigen: Das Thema Sonnenschutz ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Die BG BAU unterstützt auch künftig dabei, den Sonnenschutz in der Praxis weiter zu verbessern.“
