Dringender Handlungsbedarf bei Artenvielfalt und Nitratbelastung
Der Handlungsdruck wird als erheblich beschrieben: Das Insektensterben schreite voran, über 80 Prozent der Feldvögel stünden auf der Roten Liste, und das Grundwasser sei vielerorts stark mit Nitrat belastet. Gefordert werden strengere gesetzliche Vorgaben für Massentierhaltung und Düngerecht. Zudem sollen ein bundesweites Insektenmonitoring und ein Aktionsplan zum Schutz von Bienen etabliert werden.
Auch auf EU-Ebene soll Deutschland seinen Einfluss nutzen, um die Agrarförderung neu auszurichten. Die EU-Agrarpolitik macht rund 40 Prozent des EU-Haushalts aus, und die aktuelle Neuverhandlung gilt als richtungsweisend für die künftige Ausgestaltung.
BUND: Umbau der Tierhaltung mit verbindlichem Zeitplan
„Der dringend notwendige Umbau der Nutztierhaltung muss von der neuen Bundesregierung umgehend begonnen werden. Die nationale Nutztierstrategie muss mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren diskutiert und bis zur Hälfte der Legislaturperiode verabschiedet werden“
Der BUND fordert einen verbindlichen Zeitrahmen, einen festen Finanzplan und konkrete Gesetzesänderungen für den Umbau der Tierhaltung. Als fachliche Grundlage wird das Nutztiergutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Agrarministerium genannt.
„Wir wollen endlich raus aus der Massentierhaltung, die Tiere, Umwelt, Klima und auch uns Menschen krank macht. Wir brauchen weniger Tiere, die aber deutlich besser gehalten werden: Auf Bio-Bauernhöfen, NEULAND-Betrieben oder in Weidehaltung“
Zu den kurzfristigen Maßnahmen zählen eine staatliche Haltungskennzeichnung, ein Verbot von Reserveantibiotika im Stall sowie das Ende des Tötens männlicher Eintagsküken.
NABU: Öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistungen
„Beim Blick auf den ökologischen Zustand unserer Wiesen und Felder müssten in Berlin und Brüssel eigentlich alle Alarmglocken schrillen“
Der NABU kritisiert insbesondere die Ausgestaltung der EU-Flächenprämien, die eine intensive Bewirtschaftung begünstigen. Dies führe zum Verlust von Lebensräumen und Nahrungsquellen für Insekten.
„Aufgrund der Flächenprämien werden Felder oft bis zum Anschlag genutzt. Daher ist es kein Wunder, dass Lebensräume und die Nahrung für Hummeln und Schmetterlinge verschwinden. Doch mit dem pauschalen und vollkommen ineffizienten Verteilen von Milliarden an Steuergeldern muss Schluss sein. Öffentliche Gelder dürfen nur noch für öffentliche Leistungen ausgezahlt werden – in einem Fördersystem, das Umwelt, Verbraucher und Landwirte gleichermaßen unterstützt“
Vorgeschlagen wird die Einrichtung eines EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15 Milliarden Euro jährlich. Landwirte und andere Landnutzer könnten daraus Prämien für konkrete Naturschutzleistungen erhalten. Ein solcher „Naturschutzvertrag“ soll ökologische Leistungen honorieren und zugleich wirtschaftliche Perspektiven für Betriebe schaffen.
