Naturschutz

Gefährdete Seen: Ursachen und Handlungsbedarf

Viele deutsche Seen sind in keinem guten ökologischen Zustand. Hohe Temperaturen verschärfen die Situation, doch die Hauptursachen liegen in Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft und anderen menschlichen Einflüssen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Gewässer zu retten.

Ökologischer Zustand und Belastungsfaktoren

Viele Seen in Deutschland sind in keinem guten ökologischen Zustand. Dies beeinträchtigt nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch ihren Wert als Erholungsorte. Obwohl hohe Temperaturen durch den Klimawandel als zusätzlicher Stressfaktor wirken, liegt die Hauptursache für die Probleme in anderen Bereichen.

Das Umweltbundesamt (UBA) stuft über 80 Prozent der untersuchten Seen als nicht in gutem Zustand ein. Diese Erhebung beschränkt sich jedoch auf Gewässer über 50 Hektar, was etwa 750 der insgesamt rund 25.000 Seen in Deutschland betrifft.

Belastungen und ihre Folgen

Die Seen leiden primär unter Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. Diese führen zu einer Überdüngung und fördern ein starkes Algenwachstum. Auch die Fischerei trägt zur Belastung bei. Bebauung an den Ufern zerstört wichtige Lebensräume, und eingeschleppte Arten wie der Signalkrebs gefährden heimische Spezies durch Krankheitsübertragungen.

Die Teichbewirtschaftung kann ebenfalls problematisch sein. Wenn zu viele Raubfische wie Wels, Barsch oder Zander entnommen werden, können sich pflanzenfressende Fische stark vermehren. Dies führt dazu, dass der Seeboden vegetationslos wird. Angler, die Karpfen besetzen und Fische füttern, verschärfen die Situation, da Futterreste am Grund Sauerstoff entziehen.

„Wenn der ökologische Zustand erst einmal schlecht ist und es dann richtig warm wird, haben Blaualgen beste Chancen sich zu vermehren. Die Badewasserqualität kann dann so schlecht werden, dass der See gesperrt werden muss.“

Probleme mit Blaualgen und Fäkalbakterien treten vor allem im Sommer bei hohen Temperaturen auf, auch wenn die Badegewässerqualität im Frühjahr oft als gut oder sehr gut bewertet wird.

Handlungsbedarf und Fristen

Deutschland ist durch die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verpflichtet, seine Gewässer bis 2027 in einen mindestens guten ökologischen Zustand zu versetzen.

„Wir haben also noch vier Jahre, um diese Vorgabe zu erfüllen und unsere Seen zu retten. Um das zu schaffen, müssten deutlich mehr Anstrengungen unternommen werden als bisher. Dazu gehören Renaturierungsmaßnahmen und vor allem strengere Auflagen für die Landwirtschaft.“

20.07.2023

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