GaLaBau in Baden-Württemberg wächst trotz Krisen weiter
Der Garten- und Landschaftsbau in Baden-Württemberg setzt seinen Wachstumskurs fort. 2022 legte der Branchenumsatz um 5 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro zu, das entspricht einem erneuten Plus von 60 Millionen Euro. Private Hausgärten bleiben mit 63 Prozent Umsatzanteil das wichtigste Marktsegment. Auf die Öffentliche Hand entfallen 18 Prozent, das bedeutet eine leichte Steigerung um einen Prozentpunkt. Aufträge aus Industrie und Gewerbe liegen bei 16 Prozent.
Der VGL BW verzeichnete Ende 2022 insgesamt 817 Mitgliedsbetriebe, ein Plus von 1 Prozent. Bei der Ausbildung zeigt sich erstmals ein leichter Rückgang: Mit 1.397 Ausbildungsverhältnissen wurde das Vorjahresniveau von 1.475 knapp verfehlt. Angesichts der Konkurrenz um Nachwuchskräfte bewegt sich die Branche damit weiterhin auf hohem Niveau.
Herausforderungen im Rückblick
Steigende Energie- und Materialpreise, hohe Krankenstände und eine spürbare Verunsicherung bei Kunden prägten das Jahr 2022. Gleichzeitig blieb die Ertragskraft trotz Umsatzwachstum unter Druck. Der Vorstandsvorsitzende Martin Joos sieht dennoch einen hohen Auftragsbestand in vielen Betrieben und erwartet mit dem Frühjahr eine wieder anziehende Nachfrage privater Kunden.
„Das Jahr 2022 war kein einfaches Jahr für unsere Unternehmen und deren Beschäftigte. … Dennoch haben wir wenig Grund zur Klage bei einem Umsatzzuwachs von fünf Prozent, der in Teilen sicherlich den mittlerweile höheren Preisen unserer Dienstleistungen geschuldet ist. Aufgrund der vorher genannten Belastungen ist unsere Ertragskraft nicht gestiegen. Aber wir sind dankbar und demütig, geht es uns Landschaftsgärtner doch vergleichsweise gut“, skizziert Vorstandsvorsitzender Martin Joos im Gespräch mit Moderatorin Anja Lange.
Joos verbindet die Marktperspektive eng mit dem Klimawandel: Städte, Gemeinden sowie Industrie und Gewerbe müssten stärker in „grüne Infrastruktur“ investieren. Als zentrale Herausforderung nennt er die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden über attraktive Arbeitszeitmodelle.
„Zudem wage ich die Prognose, dass es uns in Zukunft nicht an Arbeit mangelt. … Unsere größte Herausforderung ist und bleibt die Gewinnung und Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch attraktive Arbeitszeitmodelle und das rechtzeitige Abholen von Wechselwilligen. … So ganz persönlich würde ich mir einen „Doppel-Wumms“ in Sachen Motivation wünschen: Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Bock auf Arbeit, Bock auf Leistung und Bock aufs Anpacken haben. Und dazu gehört eben auch eine Politik, die solche Eigenschaften unterstützt und nicht bestraft“, bewertet Joos die Zukunftsaussichten.
Aufgaben der Zukunft: naturbasierte Lösungen stärker verankern
Der Verband sieht den Garten- und Landschaftsbau als zentralen Umsetzer von Klimaanpassung und Biodiversität in der Fläche. Dazu zählen Baumpflanzungen, Regenwassermanagement, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Pflanzkonzepte für Artenvielfalt. Joos fordert, naturbasierte Leistungen politisch stärker zu berücksichtigen und Baden-Württemberg zum Vorreiter einer vorbildlichen grünen Infrastruktur zu machen.
„Wir praktizieren tagtäglich Umweltschutz, indem wir Bäume pflanzen, Lösungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Regenwasser bieten, Dächer und Fassaden begrünen sowie mit Pflanzungen für mehr Biodiversität und Artenvielfalt zu sorgen. … Wir fordern die Landespolitik in Baden-Württemberg auf, zum fortschrittlichsten Bundesland in Sachen vorbildlicher grüner Infrastruktur zu werden. Wir Landschaftsgärtner, wir können das!“, führt Joos aus.
Als weiteres Thema nennt der Verband fehlende Betriebsnachfolgen: Mehr als zehn Mitgliedsbetriebe hätten 2022 altersbedingt geschlossen. Kritik äußert Joos am schleppenden Fortschritt beim Neubau der Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim. Zudem würden jährlich rund 40 Bewerberinnen und Bewerber an den Meisterschulen in Heidelberg und Stuttgart-Hohenheim abgewiesen.
Leistung in Ausbildung und Wettbewerb
Beim baden-württembergischen Landschaftsgärtner-Cup auf der Landesgartenschau Neuenburg am Rhein gewann im April 2022 das Team Jana Roßknecht und Eva Eisenbarth. Bei den Deutschen Meisterschaften im September auf der Messe GaLaBau in Nürnberg erreichten sie einen 4. Platz gegen 11 weitere Teams. Aufgabe war der Bau eines modernen, rundum grünen Vorgartens mit Dach- und Fassadenbegrünungen im Miniformat.
Gartenschauen und BUGA 2023
Im „Doppelten Gartenschaujahr“ 2022 präsentierten sich neun Betriebe mit Schaugärten auf der Landesgartenschau Neuenburg sowie fünf regionale Betriebe auf der Gartenschau Eppingen. Für 2023 stehen die BUGA Mannheim mit Luisenpark und Spinelli-Gelände sowie die Gartenschau Balingen im Blick: Zehn Zukunftsgärten in Mannheim entstehen durch 11 Betriebe, in Balingen werden acht Themengärten gezeigt.
Ehrenamt, Vorstandsarbeit und Verbandszahlen
Im regionalen Ehrenamt wurden 2022 vier Regionalvorsitzende verabschiedet. Zudem wurden Albrecht Bühler (Vorstand Ausbildung/Fachkräftesicherung) und Wolfgang Weber (Vorstand Finanzen) in ihren Ämtern bestätigt. Der VGL BW vertritt als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband 817 Fachbetriebe. Die Branche beschäftigt 14.800 gewerbliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und bildet 1.397 Jugendliche zu Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtnern aus.


