Stauden und Gräser als Basis für individuelle Blumenarrangements
Ein Blumenstrauß, ob als Geschenk oder für das eigene Heim, kann Freude bereiten. Besonders reizvoll ist es, wenn die verwendeten Pflanzen selbst geerntet und arrangiert werden. Stauden und Gräser bieten hierfür eine ideale Grundlage, da sie direkt im eigenen Garten kultiviert werden können.
Im Gegensatz zu kommerziellen Schnittblumen, die oft in Gewächshäusern vorgezogen werden, lassen sich für Sträuße und Gestecke aus dem eigenen Anbau vielfältige Pflanzen nutzen, die in einem abwechslungsreich bepflanzten Garten gedeihen. Die Fülle der Blüten über eine Saison hinweg ermöglicht es, einzelne Exemplare zu entnehmen, ohne das Gesamtbild des Gartens zu beeinträchtigen. Marion Jentzsch, Diplom-Ingenieurin für Gartenbau am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz, Referat Zierpflanzenbau, betont die Bedeutung von Blumen im Innen- und Außenbereich.
Jentzsch verantwortet Versuche mit Freilandschnittblumen. Sie schätzt die saisonale Vielfalt:
Mir gefällt immer das am besten, was gerade blüht und es muss gar nicht immer ein ganzer Strauß sein. Schon die einzelne Blüte einer Margerite ist zum Beispiel ein Hingucker.
Neben Stauden erforscht sie auch die Eignung von Ein- und Zweijährigen als Schnittblumen. Für den Privatgarten bieten Stauden den Vorteil, dass sie nach einmaliger Pflanzung jedes Jahr wieder austreiben und sich individuell kombinieren lassen.
Saisonale Vielfalt in der Vase
Schnittblumen aus dem Garten spiegeln die Jahreszeiten wider, da je nach Saison unterschiedliche Arten zur Verfügung stehen. Bereits im Februar blühen erste Frühlings-Stauden wie Lenzrosen. Im April folgt das Kaukasus-Vergissmeinnicht, bevor ab Mai eine große Auswahl an Schnittblumen, darunter Pfingstrosen, die Beete bereichert. Marion Jentzsch empfiehlt, Pfingstrosen nicht zu früh zu schneiden:
Ich warte mit dem Schnitt immer, bis sich die kugelförmigen Knospen weit entwickelt haben und deutlich Farbe zeigen, sozusagen kurz vor dem Aufblühen sind. In der Vase öffnen sie sich ansonsten nicht oder nur schwer.
Im Sommer dominieren Flammenblume, Purpur-Sonnenhut oder Sonnenbraut, die im Herbst von Hohen Fetthennen und Astern abgelöst werden. Durch das Trocknen von Kugeldisteln oder Schafgarbe im Sommer lässt sich ein Teil der Staudenpracht für den Winter konservieren.
Grün als Ergänzung
Schnittgrün ist ein wichtiger Bestandteil professioneller Floristik und kann auch bei eigenen Kreationen die Farbigkeit der Blüten hervorheben. Stauden liefern hierfür geeignetes Material, wie Jentzsch erläutert:
Die Lenzrosen sind zwar im Sommer schon abgeblüht, aber tragen das ganze Jahr über Blätter, die als Schnittgrün verwendet werden können. Auch die Blätter der Bergenien können lange geschnitten werden.
Im Sommer bieten Funkien große, glattrandige Blätter, die als Manschette um Sträuße gelegt werden können. Gräserhalme wie die schmalen Blätter des Chinaschilfs (Miscanthus sinensis) verleihen Blumenarrangements eine filigrane Leichtigkeit.
Verlängerung der Haltbarkeit
Der richtige Schnittzeitpunkt beeinflusst die Haltbarkeit eines Straußes. Marion Jentzsch schneidet Stauden mit mehreren Blüten an einem Trieb meist dann, wenn die ersten Blüten geöffnet sind. Diese Strategie verlängert die Blühdauer bei Arten wie Rittersporn oder Tränendem Herz. Ein weiterer Tipp der Expertin betrifft Frischhaltemittel:
Die speziellen Frischhaltemittel für Blumen verlängern die Haltbarkeit in der Vase auch bei Stauden. Das haben wir hier in der Praxis schon oft getestet. Statt rund einer Woche halten viele Arten mit dem sogenannten Blumenfrisch rund zwei Wochen.
Grundsätzlich sollten Blüten und Blattwerk morgens vor der Mittagshitze geschnitten und umgehend ins Wasser gestellt werden, damit die Stauden auch in der Vase aufblühen.
Remontierende Stauden für eine zweite Blüte
Einige Stauden bilden eine zweite Blüte, wenn sie rechtzeitig zurückgeschnitten werden – ein Prozess, der als Remontieren bezeichnet wird. Dies geschieht, wenn die Samenbildung verhindert wird, was beim Schnitt für die Vase automatisch der Fall ist. Der Rittersporn (Delphinium) reagiert gut auf diesen Pflegetrick. Wird der Blütentrieb im Frühsommer etwa eine Handbreit über dem Boden für die Vase abgeschnitten, blüht die Staude im Spätsommer ein zweites Mal. Auch bei der Bertramsgarbe (Achillea ptarmica) ist dies möglich. Marion Jentzsch empfiehlt hier gefüllte Sorten wie 'Schneeball', die sich in Blumensträußen ähnlich wie Schleierkraut verwenden lassen.
