Naturschutz

Bienenfreundliche Gärtnerei: Ein Modell für den Naturschutz

Christoph Hokema betreut sechs Bienenvölker in einer Staudengärtnerei, die ein durchgängiges Blütenangebot bietet. Dieses Modell fördert den Naturschutz und die Artenvielfalt, da Bienen in vielen Regionen unter Nahrungsmangel leiden.

Nachhaltige Symbiose: Bienen und Gärtnerei

Christoph Hokema, studierter Gartenbau-Bachelor bei Fehrle Stauden in Schwäbisch Gmünd, betreut sechs Bienenvölker auf dem Gärtnereigelände. Diese Symbiose bietet sowohl dem Imker als auch den Bienen Vorteile. Der Honig profitiert von einer Vielfalt an Nektarquellen, während die Bienen in der Staudengärtnerei von März bis Ende Oktober ein durchgängiges Blütenangebot vorfinden.

Ein solches kontinuierliches Blütenangebot ist in vielen ländlichen Regionen nicht mehr selbstverständlich. Während Raps während seiner Blütezeit reichlich Nahrung bietet, stehen Bienen nach dem Abblühen oft vor einem Mangel. Die Kombination aus mangelnder Artenvielfalt und der Varroamilbe hat dazu geführt, dass wildlebende Bienenvölker kaum noch existieren. Auch die Zahl der Imker ging über Jahre zurück, ein Trend, der sich laut Hokema erfreulicherweise wieder umkehrt.

Die mangelnde Artenvielfalt in Kombination mit der für Bienenvölker gefährlichen Varroamilbe hat dazu geführt, dass es heute quasi keine wildlebenden Bienenvölker mehr gibt. Parallel dazu nahm über Jahre hinweg auch noch die Zahl der Imker ab, weil der Nachwuchs fehlte.

Die Biene ist aufgrund ihrer Bestäubungsleistung das drittwichtigste Nutztier. Ohne sie würden die Erntemengen vieler Obst- und Gemüsearten erheblich sinken. Bei Äpfeln könnten beispielsweise nur 37 Prozent und bei Birnen lediglich 11 Prozent der durchschnittlichen Mengen geerntet werden.

Staudengärtnereien arbeiten naturnah. Pflanzen wachsen meist im Freiland unter natürlichen Bedingungen und werden nur sparsam gedüngt, um die Nährstoffaufnahme und das Einwachsen im Garten zu fördern. Chemische Pflanzenschutzmittel sind bei der Kultivierung von Gartenstauden selten notwendig.

In 80 Prozent aller Fälle setzen wir auf Maßnahmen des biologischen Pflanzenschutzes. Wir wenden zum Beispiel gezielt Pflanzenstärkungsmittel an, um die natürliche Widerstandskraft der Pflanzen zu erhöhen, das funktioniert sehr gut.

Hokema hofft, dass das wiedererwachte Interesse an der Honigbiene zu einem gesteigerten Umweltbewusstsein und Naturinteresse führt. Die Biene kann als Sympathieträger Naturzusammenhänge vermitteln, besonders bei Kindern, die sich aktiv beteiligen möchten. Ein Beispiel dafür ist der Bau eines Insektenhotels im eigenen Garten, das bereits vor Fertigstellung von Wildbienen frequentiert wurde. Neben der Honigbiene sind auch Wildbienen, Hummeln und Falter durch Nahrungsmangel sowie fehlende Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten bedroht. Maßnahmen zum Schutz der Honigbiene kommen somit vielen weiteren Insekten zugute.

Bienen im eigenen Garten helfen

Pflanzen, die reich an Nektar und Pollen sind, ziehen nicht nur Honigbienen an, sondern dienen auch Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen als Nahrungsquelle. Zu den sogenannten Bienenmagneten zählen unter anderem Kugeldisteln (Echinops), Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), Katzenminze (Nepeta), Polster-Glockenblume (Campanula poscharskyana), Duftnesseln (Agastache), Bergminze (Calamintha) und viele Wolfsmilcharten (Euphorbia).

Wichtig ist die Verwendung von Sorten mit ungefüllten Blüten, da gefüllte Blüten oft weniger oder keinen Nektar und Pollen produzieren. Ein weitgehender Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und ein dauerhaftes Nahrungsangebot sind ebenfalls entscheidend. Viele Gärten bieten von April bis Juni eine reiche Blütenpracht, danach jedoch kaum noch. Durch gezieltes Ergänzen von Zwiebelblumen sowie sommer- und spätblühenden Stauden lassen sich nahezu ganzjährig blühende Beete schaffen, die sowohl Bienen als auch Gartenbesitzern zugutekommen.

14.02.2016

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