Aus- und Weiterbildung

Von der Gärtnerin zur Agrarwissenschaftlerin

Dr. Lisa Lesser begann ihre Karriere im Zierpflanzenbau und ist heute promovierte Agrarwissenschaftlerin. Sie arbeitet in einem Landesministerium an der Entwicklung klimaresistenter Nutzpflanzen und fördert nachhaltige Landwirtschaft.

Karriereweg einer Agrarwissenschaftlerin

Dr. Lisa Lesser, 34 Jahre alt, hat ihren beruflichen Werdegang im Zierpflanzenbau begonnen und ist heute als promovierte Agrarwissenschaftlerin in einem Landesministerium tätig. Dort befasst sie sich mit der Bioökonomie und der Entwicklung von Nutzpflanzen, die an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst sind.

Nachhaltige Landwirtschaft im Fokus

Der Klimawandel führt zu steigenden Durchschnittstemperaturen, längeren Trockenperioden und häufigeren Extremwetterereignissen wie Starkregen. Diese Entwicklungen haben weitreichende Folgen für die Landwirtschaft, da traditionelle Anbaupflanzen in Deutschland unter den veränderten Bedingungen geringere Erträge liefern.

Dr. Lisa Lesser konzentriert sich auf Pflanzenarten, die diesen klimatischen Veränderungen standhalten und eine nachhaltigere Landwirtschaft ermöglichen. Dazu gehören sowohl neue als auch wiederentdeckte Kulturpflanzen. Ein Beispiel hierfür ist der Nutzhanf, der als nachhaltige Pflanze gilt, da er wenig Wasser, Pflanzenschutzmittel und Dünger benötigt.

Nahezu alle Teile des Nutzhanfs, von der Faser bis zur Wurzel, können verarbeitet und genutzt werden, beispielsweise zur Herstellung von Textilien oder Hanfsamenöl.

Vom Gewächshaus in den Hörsaal

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung im Gartenbau stehen verschiedene Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Dazu zählen der Meistertitel, die Technikerschule oder auch die Selbstständigkeit. Für eine Vertiefung des Fachwissens bieten sich Studiengänge wie Gartenbau, Agrarwissenschaften, Landschaftsarchitektur oder Berufsschullehramt an, die weitere Karrieremöglichkeiten eröffnen können.

Für ein Studium an einer Hochschule ist das Fachabitur erforderlich, für ein Universitätsstudium das Abitur. Dr. Lisa Lessers Karriere begann mit einer Ausbildung zur Gärtnerin im Zierpflanzenbau, einer von sieben Fachrichtungen. Ein Schülerpraktikum in der Wilhelma in Stuttgart bestärkte ihren Wunsch, Gärtnerin zu werden, und dort absolvierte sie auch ihre dreijährige Ausbildung.

Währenddessen habe ich so eine wahnsinnig große botanische Vielfalt kennengelernt, dass ich anschließend unbedingt etwas in der Richtung studieren wollte.

Um die Voraussetzungen für ein Hochschulstudium zu erfüllen, holte sie nach ihrer Ausbildung das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach. Dafür zog sie an den Bodensee und besuchte ein agrarbiologisches Gymnasium.

Nach dem Arbeitsalltag, den ich während der Ausbildung kennengelernt habe, wieder die Schulbank zu drücken, war eine Umstellung. Da war es durchaus hilfreich, dass ich ein festes Ziel vor Augen hatte.

Mit dem Abitur begann sie ein Biologiestudium in Freiburg und wechselte später an die Universität Hohenheim, wo sie ihren Bachelor in Agrarbiologie und ihren Master in Agrarwissenschaften erwarb.

Praxiserfahrung als Vorteil

Ihre Gärtnerinnenausbildung erwies sich auf ihrem beruflichen Weg als vorteilhaft.

Im Studium kam mir meine Praxiserfahrung als Gärtnerin unglaublich zugute. Es war nie ein Problem für mich, für einen Versuch mal eben 100 Pflanzen zu topfen oder im Gewächshaus Bewässerung und Beleuchtung richtig einzustellen. Ich wusste durch meine Ausbildung bereits, wie man Pflanzen richtig bewässert, sie mit Nährstoffen versorgt und vieles mehr.

Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit untersuchte sie in Zusammenarbeit mit einer Topfpflanzengärtnerei für Biokräuter verschiedene Beleuchtungssysteme für Topfbasilikum. Auch für ihre aktuelle Position in einem Landesministerium in Baden-Württemberg im Bereich Bioökonomie war ihre Gärtnerinnenausbildung ein entscheidender Faktor bei der Bewerberauswahl.

Meinen Vorgesetzten gefiel die Kombination aus Praxis und Theorie.

Ihr Arbeitsalltag im Ministerium umfasst den Austausch mit Landwirtinnen und Landwirten. Sie analysiert die Bedingungen für eine nachhaltige und kreislauforientierte Landwirtschaft und identifiziert Bereiche im ländlichen Raum, die zur Förderung dieser Entwicklung gestärkt werden müssen.

Es nützt den Landwirten zum Beispiel wenig, wenn sie zwar Nutzhanf anbauen wollen, es aber in ihrer Region zu wenige verarbeitende Betriebe gibt. Mich begeistert an meinem Job, dass ich hier wirklich etwas bewirken kann. Denn der Klimawandel und seine Folgen treiben mich um, ich möchte gerne proaktiv etwas zum Klimaschutz beitragen und die Pflanzenvielfalt stärken. Dazu habe ich hier als Agrarwissenschaftlerin die Möglichkeit.

Nach der Ausbildung eröffnen sich Gärtnerinnen und Gärtnern vielfältige Karrieremöglichkeiten.

25.11.2023

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