Kritik an bestehenden Praktiken und Forderung nach einer ökologischen Waldwende
Wir brauchen endlich eine Waldwende, die die natürlichen Produktionskräfte des Waldes stärkt und nicht weiter schwächt. Darum ist zunächst die Forstwirtschaft selbst gefragt, betriebliche Stressoren zurückzunehmen und bei der Wiederbewaldung auf die Natur zu setzen.
Dies betont Wilhelm Bode, ehemaliger Leiter der saarländischen Forstverwaltung und Autor des Buches „Waldwende“. Der Waldökologe und Naturschutzwissenschaftler Prof. Pierre Ibisch ergänzt, dass die gegenwärtige Waldkrise in Deutschland nicht allein eine Folge des Klimawandels sei. Die Art der Waldbewirtschaftung trage eine erhebliche Mitverantwortung.
Kritisiert werden zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch eine hohe Anzahl von Wegen zerschnitten wurden. Waldböden würden zu intensiv befahren, und vielerorts sei das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt. Zudem wird der Plan kritisiert, die aktuellen Waldschäden aktionistisch durch rasche Beräumung geschädigter Bäume und Aufforstung anzugehen.
Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Wald, – keinen hektischen „Waldumbau“, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.
Dies hebt Mit-Initiator und Waldschützer Norbert Panek hervor.
Zukunftsfähiger Wald und Wildbestandsmanagement als Schlüssel
Die Hilfen für Waldbesitzende, die über Steuern finanziert werden, seien gerechtfertigt, jedoch nur, wenn sie zum Aufbau eines zukunftsfähigen Waldes genutzt würden. Es sei geboten, Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden. László Maraz, Koordinator der AG Wald des Forum Umwelt und Entwicklung, warnt vor Steuergeldverschwendung, wenn Millionen von Bäumen gepflanzt würden, die anschließend vom Wild gefressen werden.
Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes ist dringender als je zuvor.
Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben Wissenschaftlern Forstexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, Leiter von Umweltverbänden wie dem Deutschen Naturschutzring, Greenpeace, NABU, Naturfreunde und der Deutschen Umweltstiftung, Vertreter von Bürgerinitiativen sowie Autoren wie Franz Alt und Peter Wohlleben.
