Effiziente Neuordnung und Wertermittlung im Fokus
Die Waldflurbereinigung zielt darauf ab, strukturelle Nachteile im Kleinwaldbesitz zu beheben. Traditionell gilt sie jedoch als kostenintensiv und in ihrer Wirkung mitunter begrenzt. Ein Projekt namens „Waldneuordnung 2020“ hat neue Wege zur effektiveren Berücksichtigung von Waldbesitzerzielen, zur effizienteren Wertermittlung und zum optimierten Wegebau erprobt.
Das Beratungsunternehmen Unique forestry and land use führte dieses Projekt am Beispiel der Flurbereinigung „Unteres Trauntal“ in Rheinland-Pfalz durch. Ein zentrales Ergebnis ist die Identifizierung von Waldbesitzer-Zielsetzungen durch frühzeitige Befragungen. Dies ermöglicht es Behörden, Waldgebiete mit passenden Standortbedingungen den unterschiedlichen Zielen – wie Stammholz- oder Brennholzgewinnung, Naturschutz oder Erholung – zuzuordnen und eine angepasste Erschließung zu planen.
Zusätzlich entwickelte Unique ein effizientes Verfahren zur Wertermittlung, das auf einer Fläche von fast 1.000 Hektar erprobt wurde. Erkenntnisse zum Wegebau in der Waldflurbereinigung wurden von Experten zusammengetragen. Die Ergebnisse sind im Leitfaden „Waldneuordnung 2020“ dokumentiert, der sich an Mitarbeiter von Flurbereinigungs- und Landentwicklungsbehörden sowie Forstverwaltungen richtet und bundesweit anwendbar ist.
Praxiserprobung im „Unteren Trauntal“
Im Rahmen der bis voraussichtlich 2021 laufenden Waldflurbereinigung „Unteres Trauntal“ plant das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) die Neuordnung von knapp 1.100 Hektar Wald, die in 8.500 Flurstücke zersplittert sind und etwa 1.000 Eigentümern gehören. Unique entwickelte und erprobte hier einen Befragungsansatz, der auf modernen Befragungstechniken basiert. Eine schriftliche Befragung der Waldbesitzer mittels Fragebögen, unterstützt durch eine Umfragesoftware, erzielte einen Rücklauf von etwa 30 Prozent, was einer Fläche von 620 Hektar entsprach.
Anhand der erhobenen Daten wurde ermittelt, welche Waldflächen für welche Ziele benötigt werden und welche Gebiete sich dafür eignen. Beispielsweise wurden 210 Hektar für das Ziel „Forstwirtschaft, Produktion von Stammholz“ ausgewiesen. Diese Flächen sollten über ein Lkw-befahrbares Wegenetz erschlossen sein, vorzugsweise mit Nadelbäumen bestockt und eine Hangneigung von maximal 35 Prozent aufweisen. Waldflächen für Naturschutzziele hingegen benötigen keine Lkw-Erschließung und sind typischerweise von Laubbäumen bestockt. Die zugrundeliegende Annahme ist, dass es im Interesse der Eigentümer liegt, wenn ihre Waldparzelle in einem Gebiet liegt, das optimale Rahmenbedingungen für ihre persönlichen Ziele bietet.
Die Umsetzbarkeit dieser Ziel-Waldflächenzuordnung im Verfahren „Unteres Trauntal“ wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Behördenvertreter im Projektbeirat bewerten die standardisierte Waldbesitzerbefragung als geeignetes Instrument zur differenzierten Ermittlung von Zielsetzungen. Eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit den Eigentümern und begleitende Informationsveranstaltungen fördern die Akzeptanz. Auch die Einbeziehung von Eigentümervertretern in die Gestaltung der Fragebögen erwies sich als hilfreich.
Effizienzsteigerung bei Wertermittlung und Wegebau
Ein weiteres Ziel des Projekts „Waldneuordnung 2020“ war die Entwicklung einer innovativen und kostengünstigen Methode zur Wertermittlung sowie die Darstellung des aktuellen Stands im forstlichen Wegebau. Ein Projektbeirat unterstützte die Berater von Unique, um praxisgerechte Ergebnisse zu erzielen und den unterschiedlichen formalen Anforderungen der Bundesländer gerecht zu werden. Die Forscher empfehlen unter anderem folgende Maßnahmen:
- Die Nutzung von Luftbildern oder Laserscandaten (z.B. Airborne oder mobiles Laserscanning) vor der Waldbegehung kann die Datenaufnahme im Gelände effizienter gestalten und die Aufmessung von Knickpunkten überflüssig machen. Bei der Identifizierung von Wegen und Gewässern können Laserscandaten Einsparungen von bis zu 15 Prozent gegenüber herkömmlichen Verfahren ermöglichen. Diese Informationen lassen sich zudem für die Zuteilungsplanung im Wald und die Holzwertermittlung nutzen. Der Einsatz von Tablet-PCs zur Datenerfassung im Gelände und die anschließende digitale Weiterverarbeitung tragen ebenfalls zur Kostensenkung und Datenqualitätsverbesserung bei.
- Eine Waldwertermittlung, die auf verschiedenen Waldtypen (Wertstraten) basiert, kann in Waldgebieten über 400 Hektar zu erheblich geringeren Kosten bei gleichzeitig objektivierter Erfassungsgrundlage führen.
- Weitere Einsparpotenziale ergeben sich durch den teilweisen Verzicht auf die Vermessung und Errichtung fester Grenzzeichen an der Grenze des Flurbereinigungsgebietes. Obwohl die Feststellung der Grenzpunkte nach § 56 FlurbG grundsätzlich vorgeschrieben ist, sind Ausnahmen zulässig, etwa wenn öffentliche Straßen, Bahnlinien oder Gewässer als Verfahrensgrenze dienen. In Rheinland-Pfalz konnten dadurch in einigen Verfahren Kosten um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.
- Der gesamte Verfahrensaufwand lässt sich deutlich reduzieren, wenn sich der Wegebau an den Zielsetzungen der Eigentümer orientiert. Beispielsweise sollten regelmäßig von Holz-Lkw befahrbare Wege nur in den Gebieten für die Stammholzproduktion gebaut werden.
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Der Abschlussbericht ist auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22017212 verfügbar.
Hintergrund und Bedeutung des Kleinprivatwaldes
In Deutschland umfasst der Kleinprivatwald etwa 2,7 Millionen Hektar und gehört schätzungsweise 2 Millionen Besitzern. Die Parzellen sind oft kleiner als 20 Hektar, teilweise sogar unter 1.000 Quadratmeter. Diese zersplitterten Strukturen erschweren die Bewirtschaftung, was dazu führt, dass der Holzvorrat im Kleinprivatwald der höchste aller Eigentumsklassen ist. Angesichts der Bedeutung von Holz für die Rohstoff- und Energiewende ist die Erschließung dieser Potenziale von großer Relevanz. Das Flurbereinigungsgesetz ermöglicht dem Staat grundsätzlich die Neuordnung von Flächen zur Schaffung effizienterer Strukturen. Solche Waldflurbereinigungsverfahren sind jedoch aufwendig, teuer und erfordern die Zustimmung und Unterstützung der Eigentümer, die bisher oft fehlte. Dabei können Eigentümer wirtschaftlich stark von einer Neuordnung profitieren: Eine Studie von BSM Consulting bezifferte den Gesamtnutzen eines Waldflurbereinigungsverfahrens auf etwa 7.700 Euro pro Hektar bei Kosten von 2.200 Euro pro Hektar.
